Ehrung für Jean-Claude Juncker – Trierer Jahrestagung der Paneuropa-Union beendet

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Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wurde bei den Paneuropa-Tagen geehrt. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

TRIER. In Trier endeten am gestrigen Sonntag die 47. Paneuropa-Tage der Paneuropa-Union Deutschland. Die älteste europäische Einigungsbewegung hatte den dreitägigen Kongress unter die Devise „Europa gestalten, nicht nur verwalten“ gestellt.

Die Tagung, zu der trotz pandemiebedingter Einschränkungen rund 150 Teilnehmer aus 14 Nationen angereist waren, wurde in der Trierer Europahalle abgehalten. Die Paneuropa-Tage waren am Freitag mit einem Podium zum Thema „Gemeinden und Regionen als tagende Elemente Europas“ eröffnet worden, an dem u.a. Matthias Berntsen, Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen der Stadt Trier, teilnahm, der Oberbürgermeister Wolfram Leibe vertrat (Lokalo berichtete).

Die Hauptkundgebung am Samstag stand unter dem Motto „Das Europa der Zukunft – demokratisch und souverän“. In ihrem Rahmen verlieh die Paneuropa-Union ihre höchste Auszeichnung, die Sonderstufe der Paneuropa-Verdienstmedaille, an den ehemaligen luxemburgischen Premierminister und EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker.

Sowohl Juncker als auch der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, der CSU-Europapolitiker Bernd Posselt, übten deutliche Kritik am derzeitigen Zustand der EU, die sie durch Ausbau zu einer echten supranationalen Demokratie auch außen- und sicherheitspolitisch massiv stärken wollen. Juncker kritisierte die Vorgänge nach der letzten Europawahl, als der erfolgreiche Spitzenkandidat Manfred Weber nicht Kommissionspräsident wurde: „Zuerst hat man im Europaparlament dicke Backen gemacht und sich dann auf den Bauch gelegt vor den Regierungen, die ihre Macht zurückerobern wollen.“ Posselt rief „die demokratisch-proeuropäischen Fraktionen in der europäischen Volksvertretung auf“, sich auf „ein Zukunftskonzept für die Weiterentwickung der EU einigen“.

Ein Podium führender Europapolitiker aus allen großen Parteienfamilien diskutierte anschließend Europas Rolle in der Welt im Spannungsverhältnis von Macht und Menschenrechten. Dabei sagte der außenpolitische Sprecher der EVP-Fraktion, Michael Gahler (CDU): „Die Menschenrechte sind universal. Wo sie unterdrückt werden, wehren die Menschen sich. Wo es möglich ist, möchten sie eine Wahl haben.“ Reinhard Bütikofer, außenpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament, erklärte, Macht und Menschenrechte stünden in einem dialektischen Verhältnis: Macht ohne Menschenrechte sei gefährlich blind, Menschenrechte ohne Macht „hilflos und in ihrer Hilflosigkeit gefährlich selbstgerecht“.

Glanzpunkte der Paneuropa-Tage waren auch ein Besuch im luxemburgischen Wallfahrtsort Echternach, eine Schiffsfahrt auf dem luxemburgischen Teil der Mosel und ein evangelischer Gottesdienst mit Pfarrer Werner Sonn als Abschluß des Programms. Die katholische Messe in der prachtvollen Echternacher Basilika zelebrierten Kardinal Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg und Präsident der EU-Bischofskonferenz COMECE, der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina, Franjo Komarica, sowie Dechant Francis Erasmy als örtlicher Wallfahrtsdirektor.

Die Paneuropa-Tage sind der zentrale Jahreskongress der überparteilichen Paneuropa-Union Deutschland. Sie finden seit 1975 statt. Trier war nach 1998 zum zweiten Mal Veranstaltungsort.

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5 KOMMENTARE

  1. Genau.., na denn Prost…, mir war es im Laufe der zurückliegenden Jahre ohnehin immer schleierhaft,
    wie sich dieser trinkfreudige Politiker, mit mehr oder weniger peinlichen Ausfällen in dieser Position halten konnte.

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