Jazz, Lesungen, Weinproben: Die Sehnsucht nach dem Sommer ausleben

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Foto: Sebastian Gollnow/dpa

MAINZ. Die Bierbörse ist abgesagt, für den Weinmarkt gibt es noch Hoffnung – aber auch ohne ihre Feste können die Mainzer wieder der Lebensfreude frönen. «Man darf sich auf den Sommer freuen», sagt Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). «Wir kommen beim Impfen gut voran, haben jetzt die Marke von 100.000 Menschen, die bereits einmal geimpft sind, überschritten. Die Infektionslage ist deutlich besser als zu Beginn des Jahres. Das sind gute Aussichten.»

«Die Mainzerinnen und Mainzer haben großen Nachholbedarf», sagt Ebling im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Wir waren wochenlang eingeschränkt.» Mit viel Verständnis, aber auch mahnend blickt das Stadtoberhaupt auf die Scharen von Menschen, die sich im Freien versammeln, bei Bier und Wein, Spiel und Musik. Dies ist seit Freitag auch in der Innenstadt wieder ohne Maske möglich. Beliebte Orte sind die Malakoff-Terrasse am Rhein mit dem benachbarten Winterhafen, der Volkspark oder das Mombacher Rheinufer, wo die Naturschutzgebiete zu beachten sind.

Die Stadt reagiert auf das verstärkte Leben im Freien mit zusätzlichen Mülleimern und einer Verkürzung der Reinigungsintervalle am Rheinufer und in Grünanlagen. «Mit Aufklärungsschildern wollen wir verstärkt dazu auffordern, die Orte sauber zu hinterlassen», sagt Ebling. «Beim letzten Meter zwischen der leergetrunkenen Flasche und dem Abfalleimer hilft nur der Appell an die Eigenverantwortung.» Es sei keine zu große Zumutung, sich selbst um die geleerten Flaschen zu kümmern. Und wenn einmal ein Mülleimer voll sein sollte, müsse das Leergut halt mit nach Hause genommen werden.

Das schönste Sommerfest der Landeshauptstadt, das Johannisfest Ende Juni, ist abgesagt. Stattdessen gibt es zum Namenstag von Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks in Europa, ein Programm mit kleineren Veranstaltungen unter dem Motto: «Gutenberg, wir dru(e)cken Dich!». Neben Jazz, Weinproben und Lesungen, etwa mit dem Mainzer Stadtschreiber Eugen Ruge, hat sogar das Gautschen, die traditionelle Buchdruckertaufe, im Programm Platz gefunden. Zugang zum Garten des Kurfürstlichen Schlosses gibt es aber nur mit vorab geordertem Ticket.

Gleich danach schließt sich das Sommerprogramm «Mainz lebt auf seinen Plätzen» an – ebenfalls bei jeder Veranstaltung nur mit Anmeldung, um die Teilnehmerzahl mit Blick auf die weiter bestehenden Risiken der Corona-Pandemie zu begrenzen. Neben leichter Muse gibt es auch anspruchsvolle Kost, etwa im «Mainzer Science Schoppe». Da wird etwa die Benediktinerschwester Maura Éva Zátonyi über das Zeitgefühl bei Hildegard von Bingen berichten und die Frage beantworten: «Warum erfahren wir Zeit als Last, und wie gehen wir heilsam mit ihr um?»

«Auch ohne die ganz großen Feste haben wir einen Weg gefunden, dass wir Kultur Raum geben können, auf kleinen Plätzen mit überschaubarer Zuschauerzahl», sagt Ebling. «Die Zahl solcher Veranstaltungen haben wir verdoppelt. Dazu gehören etwa die Programme für den Schlossgarten und auf der Zitadelle.»

Ob es zum Ausklang des Sommers Ende August wieder Weinstände und ein großes Feuerwerk im Volkspark geben kann, ist noch ungewiss. «Ich hoffe, dass der Weinmarkt im Spätsommer stattfinden kann», sagt Ebling. «Aber noch gibt es zu viele Unwägbarkeiten, um das schon jetzt sicher sagen zu können.» (dpa)

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