„Verzweiflungstat oder Aktionismus“- Handelsverband kritisiert geplante Ladenschließungen

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Foto: dpa-Archiv

MAINZ. Der Handelsverband Rheinland-Pfalz hat mit Kritik auf die ab Mittwoch geplanten, coronabedingten Ladenschließungen ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit reagiert. «Die Infektionszahlen steigen – auch wir wissen, dass etwas gemacht werden muss. Die Frage ist, ob Ladenschließungen der richtige Weg sind», sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Scherer am Montag in Mainz.

Im Handel seien keine exorbitant steigenden Zahlen und keine Hotspots bekannt. «Es kommt einem ein wenig wie eine Verzweiflungstat oder Aktionismus vor. Wir fragen uns schon, was in den vergangenen Monaten vonseiten der Bundes- und Landesregierung gemacht worden ist.»

Im September habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesagt, gewisse Wirtschaftsbereiche würde man mit dem Wissen von heute nicht mehr wegen der Pandemie schließen. «Drei Monate später geschieht genau dies», sagte Scherer. «Wo sind denn die großen Erkenntnisse, die dazu führen, dass man jetzt den Einzelhandel schließt?»

Im Handel sei die Sorge groß, dass der 10. Januar nicht der letzte Tag der Schließung sein werde. «Auch die Sorge, dass es viele nicht überstehen werden, ist in der Branche groß. Viele Firmen kommen nicht an die Überbrückungshilfen heran, weil die Hürden zu hoch sind.»

Vor wenigen Tagen habe es in einer Videoschalte der Branche mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) geheißen, für eine mögliche Schließung zeichne sich der 21. Dezember ab. «Nun ist es bereits der 16. Dezember. Da werden viele kalt erwischt», sagte Scherer.

Die verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie werden unter anderem damit begründet, dass nicht nur Krankenhäuser überlastet seien, sondern Gesundheitsämter ab einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen die Kontakte eines Infizierten nicht mehr nachverfolgen könnten. Wie sehr der Einzelhandel zum Infektionsgeschehen insgesamt beiträgt, ist auch aufgrund der schwierigen Nachverfolgung der Ansteckungen schwer einzuschätzen.

4 KOMMENTARE

  1. Auch bei den Schulen sagte noch vor 2-3 Wochen die Virologen, diese seien nicht die Hotspots und man würde die Schulen so lange öffnen wie möglich. Und nun? Zumindest die Grundschüler hätte man weiterhin in die Schule lassen können. Die älteren Schüler könnten vorübergehend Fernunterricht haben.

  2. Ich komme mir doch ganz schön verarscht vor. Das aktuelle Szenario wird nicht eintreffen war die Botschaft im Sommer. Und jetzt doch! Mit dem Ergebnis, dass alle Welt noch Mal schnell in die Stadt fährt und im Kaufhof dicht an dicht Duftwässerchen für die Lieben sucht. Auf diesem Weg wird man seine Lieben schon anstecken und die Corona Infektionen werden zum 10. Januar explodieren. Ob das der Wunsch der Regierung war, um den Einzelhändlern doch noch den Weihnachtsumsatz zu bescheren? Möglich, aber dann würde nicht an den so wichtigen Grund der Schließung gedacht!!!
    Mir ist es eine Lehre für die nächste Wahl!

    • Meine Vermutung: Es hat keinen Einfluss auf die Anzahl der positiven PCR-Teste.
      Aber beide Möglichkeiten beweisen den Unsinn, der stattfindet und sollte eine Lehre für die nächste Wahl sein.

  3. Ein nackter Woolworth, ich schaute heute, Ihm ins Gesicht, mich erstaunte die Fläche, was kommt da wohl mal hin? Leerstand? Noch ein Döner- Waffelladen, Eisverkauf? Das alles macht traurig von Neckermann bis Moritz und Sänger, von Hettlage bis Mutti Krause, Quelle und Insel usw. es ist vorbei, wirklich vorbei. Ich hoffe, das in der
    Zeit um 80% der Fressgassengastronomen sich vermindern werden, sterben, im wirtschaftlichen Sinne sterben werden.

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