Auszeichnung in Berlin: Trierer Autorin gewinnt den „Kurt-Lewin-Preis“

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Lewin-Preis-Verleihung der ABWF am 7.10.20 in der Monbijoustrasse 1, 10117 Berlin; Foto: britibay https://www.britibay.de

BERLIN/TRIER. Am 7. Oktober 2020 wurde in Berlin erstmalig der neu gestiftete Kurt-Lewin-Preis an zwei Wissenschaftlerinnen verliehen. Der Preis ist mit 1000€ dotiert, die Preisträgerinnen erhalten die Möglichkeit, Ihr Buch im EHP-Verlag zu veröffentlichen.

Kurt Tsadek Lewin war einer der bedeutendsten Sozialpsychologen. Er leistete Beiträge zur Gestaltpsychologie, zur experimentellen Sozialpsychologie und Aktionsforschung. Mit seinem Namen sind Methoden und Techniken zur Gruppendynamik, Feldtheorie und zur konstruktiven Methode in der psychologischen Forschung verbunden.

Kurt Lewin lehrte an der Berliner Universität Psychologie, zusammen mit anderen Gestaltpsychologen wie Wertheimer und Koffka. Im Jahr 1920 ist der gestaltpsychologische Lehrstuhl in das Berliner Schloss umgezogen und hat sich dort deutlich vergrössert. Im selben Jahr hat Lewin „Die Sozialisierung des Taylorsystems“ veröffentlicht, eine Schrift, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Darin unterscheidet er die zwei Gesichter der Arbeit, die Arbeit als Konsumtion, das sind unsere Gesundheitspotenziale, die Sinn stiften und die Arbeit als Produktion, das sind die Gefährdungen, die zum Beispiel gesundheitsschädigend wirken können.

Vor den Nazis musste er in die USA fliehen. Dort hat er verschiedene Schulen aufgebaut: seine weltbekannte Führungslehre stammt aus dieser Zeit, die Vorurteilsforschung, die Aktionsforschung und mit dieser verbunden die Entwicklung der Disziplin der Organisationsentwicklung am MIT in Boston.

Lewin kann als Begründer der Organisationsentwicklung betrachtet werden. Sein Einfluss auf vielfältige Wissensfelder ist bis heute kaum erfasst. Gruppendynamik, ökologische Psychologe (heute als nudging wieder entdeckt), Feldtheorie der sozialen Räume (virtuelle Welten), Vorurteilsforschung und besonders wichtig: Demokratische versus autokratische Führung.

Die gestaltpsychologische Tradition des Lernens im Lewinschen Sinn wird in unserer Arbeit weitergeführt, in der gesundes Führen den Lernzyklus des Gestaltkreises weiter verfolgt. Heute nennt man das meist Mindfulness.

Das Berlin Branding Projekt setzt sich zum Ziel, Kurt Lewin wieder zurück nach Berlin zu holen und seine weltweit nicht in Frage gestellte, aber durchaus nicht ausreichend gewürdigte Bedeutung für moderne Management- und Führungsmethoden, für Vorurteilsforschung, für Kinderpsychologie und Pädagogik, für politische Kampagnen und die Gesundheitsforschung in ihren Entstehungsbedingungen in Berlin zu rekonstruieren und wieder zu beleben.
Mit der Verleihung des Kurt Lewin Preises soll die Aufmerksamkeit auf Arbeiten gelenkt werden, die ganz in der Tradition von Kurt Lewin die sozialpsychologischen Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung wieder stärker in den Fokus rücken. In einer Zeit der Ungleichheit muss das allgemeine Bewusstsein wieder gestärkt werden, dass gegenseitiger Respekt die Voraussetzung für erfolgreiches Handeln darstellt und nicht egoistisches Profitinteresse.
Preisträgerinnen:

Amel Lariani für ihr Buch „Digital Leadershit“ in der sie die Kritik am gegenwärtigen Zustand betrieblicher Führung im digitalen Zeitalter mit methodischen Hinweisen für eine moderne Führung verbindet.

Sarah Waldhauser für ihre Master-Thesis „Mindful Leadership and Productivity“, in der sie die Schlüsselrolle moderner Führung über den Begriff der „Mindfulness“ auf neue Weise bestimmt.

Jury:

Dr. Gerhard Westermayer (Vorstand ABWF, ReMo GmbH)
Dr. Bernd Floßmann (ABWF, Story_Way)
Prof. Dr. Ingo Fietze (Charité Berlin)
Jan Zeidler (Berliner Sparkasse)
Dr. Armin Seitz (Moll Marzipan)
Michael Kamsteeg (GASAG)

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