Nachgefragt: Urlaub 2020 – Ist mein Geld weg, wenn das Reiseunternehmen in Insolvenz geht?

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Symbolbild // Foto: Sabrina Hentschel/dpa +

TRIER: Viele unserer Leser fragen sich, ob die vorausbezahlten Gelder für die langersehnte Urlaubsreise verloren sind, wenn der Reiseveranstalter in Insolvenz geht. Insbesondere da viele Reiseveranstalter zurzeit eine Rückzahlung der Gelder verweigern, weil sie behaupten, sie könnten einen Gutschein anbieten, besteht eine große Unsicherheit.

Wir haben daher bei unserer Partnerkanzlei Rechtsanwälte Dr. Haufs-Brusberg & Kollegen nachgefragt.

Zuerst einmal bleibt es dabei, dass nach EU-Recht Verbraucher weiterhin die Wahl haben, ob sie einen Gutschein akzeptieren, oder eine Erstattung in Geld bevorzugen. Sollten Reiseveranstalter in Insolvenz geraten, ist damit nicht automatisch das bereits bezahlte Urlaubsgeld verloren. Denn im Reiserecht gibt es die Besonderheit, dass ein Reiseveranstalter sicherzustellen hat, dass dem Reisenden der gezahlte Reisepreis erstattet wird, wenn wegen Zahlungsunfähigkeit des Reiseveranstalters die Reise nicht stattfinden kann. Diese Insolvenzsicherung ist in § 651 r BGB gesetzlich geregelt und dadurch abgesichert, dass jeder Reisende bei dem Abschluss einer Pauschalreise einen Sicherungsschein erhält. Ganz überwiegend wird diese Sicherung durch eine Versicherung gewährt. Somit besteht eine zweite Sicherheit für die Reisenden, die bereits gezahlten Gelder zurückzuerhalten.

Dies hilft bei der jetzt anstehenden Entscheidung, ob man eine Teilzahlung auf den Reisepreis fristgerecht leisten sollte, oder nicht. Um nicht selbst vertragsbrüchig zu sein, sollten Reisende die fälligen Raten begleichen, wenn noch nicht absehbar ist, ob ihre Reise (z. B. beginnend ab 15. Juni, Stand heute) stattfinden kann oder nicht. Die Unsicherheit, ob man das Geld im Stornofall zurückerhält, ist durch diesen Sicherungsschein deutlich niedriger als ohne diese gesetzliche Regulierung.

Allerdings zeigt das Beispiel der insolventen Thomas Cook-Gruppe, dass leider auch dieser Sicherungsschein in Einzelfällen nicht ausreichend ist, wenn alle innerhalb eines Geschäftsjahres geltend gemachten Kundenforderungen gegenüber dem Veranstalter die gesetzliche Grenze von 110 Millionen Euro überschreiten. In einem solchen Falle bliebe dann als weitere Möglichkeit für den Reisenden zu prüfen, ob er die Zahlungen über seine Kreditkarte vorgenommen hat. Dann ist ggf. eine Rückzahlung des Restbetrages über das so genannte Chargeback-Verfahren möglich.

Wenn noch nicht absehbar ist, dass die Reise in jedem Falle wegen einer verlängerten Reisewarnung storniert wird, sollten Reisende die Zahlungsfristen einhalten. Anderenfalls verhält sich der Reisende vertragsbrüchig und muss ggf. riskieren, dass die Reise stattfindet, der Reiseveranstalter ihm allerdings wegen Nichtzahlung einer oder mehrerer Raten berechtigterweise vor Beginn der Reise kündigt. Dann fallen die Stornogebühren gemäß der Allgemeinen Geschäftsbedingungen des jeweiligen Veranstalters an und können nicht zurückverlangt werden.

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