TRIER. Der Modellversuch an der Mannlich Realschule plus Zweibrücken blickt nach dem ersten Schuljahr auf teilweise überraschende Testresultate. An der Mannlich-Realschule plus Zweibrücken verzichten alle Schüler:innen einer 5. Klasse seit Beginn des Schuljahrs 2025/26 auf das Smartphone. Das Besondere an der „smartphonefreien Klasse“ ist, dass sich die Eltern verpflichtet haben, ihren Kindern nicht nur in der Schule, sondern auch zuhause kein eigenes Smartphone zur Verfügung zu stellen. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Trier begleitet diesen Modellversuch.
Dr. Maria Theobald, Juniorprofessorin für Schulpsychologie erklärt dazu: „Der Vergleich mit den Parallelklassen macht es möglich, Unterschiede und Entwicklungen in diesem Schuljahr im Vergleich von Schüler:innen mit und ohne Smartphone sichtbar zu machen.“
Schlafqualität blieb gleich
Bei der Schlafqualität und der Zeit, die Kinder am Nachmittag für Hausaufgaben und Lernen aufwenden, konnten noch keine signifikanten Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Smartphones festgestellt werden. Überraschend, angesichts des öffentlichen Diskurses hierzu.
In der Freizeit konsumieren alle Kinder mit oder ohne Smartphone digitale Medien wie Videos oder Gaming, die smartphonefreien Klasse erwartungsgemäß aber kaum Social Media und Messenger-Dienste. Wenn Kinder weniger Zeit mit digitalen Medien verbringen und stattdessen mehr Zeit mit Sport oder dem Lesen von Büchern, berichten sie von mehr Freude an der Schule. Auch die Selbstregulation der Schülerinnen und Schüler war besser, wenn die Kinder am Nachmittag mehr Zeit mit Freundinnen und Freunden oder Lesen verbrachten. Weitere Analysen zeigen kleine Zusammenhänge zwischen der Nutzung digitaler Medien – auch von Smartphones im Speziellen – und der Selbstregulation sowie der Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler.
Der deutsche Sportmotoriktest, den die Schülerinnen und Schüler zwei Mal in diesem Schuljahr absolviert haben, zeigt (noch) keine besonderen Unterschiede, erklärt Dr. Christoph Heib vom Hochschulsport der Uni Trier.
Ohne Smartphone besser im informatischen Denken
Der standardisierte Mathematik-Test DEMAT ergab keine signifikanten Unterschiede in der Leistungsentwicklung zwischen der smartphonefreien Klasse und den Vergleichsklassen. Im Informatiktest COMATH lag die smartphonefreie Klasse hingegen vorn.
Die Messung der Konzentrationsfähigkeit belegt leichte, aber statistisch signifikante Vorteile für die smartphonefreien Klasse. Auch aus der Praxis berichten die Lehrkräfte, dass die smartphonefreie Klasse über einen längeren Zeitraum konzentriert arbeiten kann. Nicht in die bisherige Befragung aufgenommen sind zudem wichtige Aspekte wie Verantwortungsbewusstsein und Engagement. Sie werden von den unterrichtenden Lehrkräften als spürbar stärker in der smartphonefreien Klasse wahrgenommen.
„Wir hoffen, dass unsere Erfahrungen dazu beitragen, gute Regelungen zum Umgang mit Smartphones zu entwickeln, die allen Schüler:innen dabei helfen, unbelastet aufzuwachsen und trotzdem digitale Medienkompetenz zu erwerben“, schließt der Konrektor der Schule, Marc Sadowski.
Das Projekt wurde durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz (ADD) genehmigt. Die letzten Tests fanden am 22.6.2026 statt. Über den Sommer werden die erhobenen Daten weiter ausgewertet. Die Befunde im Modellversuch sind explorativ. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ. Insgesamt haben knapp 60 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Im kommenden Schuljahr wird der Modellversuch weitergeführt.
Zum neuen Schuljahr planen auch andere Schulen bundesweit die Einrichtung „smartphonefreier Klassen“. Interessierte Bildungseinrichtungen, Medien und Elterninitiativen können sich bei der Schule oder der Universität Trier informieren. (Quelle: Universität Trier)

















