TRIER/GEROLSTEIN. Fast dreieinhalb Jahre nach dem Mord an einem Arzt aus Gerolstein steht dessen frühere Lebensgefährtin erneut vor dem Landgericht Trier. Der aufsehenerregende Fall wird teilweise neu verhandelt. Die Angeklagte bestreitet weiterhin, an der Tötung beteiligt gewesen zu sein.
„Ich hätte direkt die Polizei rufen sollen“
Im neu aufgerollten Prozess sagte die Krankenschwester, sie habe von der Tat im gemeinsamen Wohnhaus zunächst nichts mitbekommen. Ihr damals 16-jähriger Sohn habe sie in der Nacht im Obergeschoss geweckt und nach unten geführt.
Dort habe sie den getöteten Arzt gesehen. „Da lag der Mann, den ich geliebt habe und war tot“, sagte die Angeklagte vor Gericht.
Rückblickend bezeichnete sie ihr Verhalten nach der Tat als schweren Fehler: „Ich hätte direkt die Polizei rufen sollen.“ Dass sie es nicht getan habe, sei die schlimmste Entscheidung ihres Lebens gewesen. „Ich habe alles verloren.“
Leiche im Waldstück vergraben
Statt die Polizei zu verständigen, half die Frau ihrem Sohn und dessen Halbbruder dabei, die Leiche in einem Waldstück bei Rockeskyll zu vergraben.
Die beiden jungen Männer sind inzwischen rechtskräftig wegen Mordes verurteilt worden. Im ersten Prozess erhielten sie Jugendstrafen von neun und sechs Jahren.
Staatsanwaltschaft geht von gemeinsamer Planung aus
Im ersten Verfahren konnte der Frau eine Beteiligung an der Tötung nicht nachgewiesen werden. Sie wurde damals wegen unterlassener Hilfeleistung und Brandstiftung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass die Angeklagte und die beiden jungen Männer die Tat gemeinsam geplant haben. Deshalb lautet der Vorwurf nun gemeinschaftlicher Totschlag.
Oberstaatsanwalt Eric Samel sagte zum Prozessauftakt: „Wir starten bei null.“ Er ist überzeugt, dass die Angeklagte den Anfang der Tat noch mitbekommen habe, bevor sie nach oben gegangen sei.
Bundesgerichtshof sah Prüfungsbedarf
Der Bundesgerichtshof hatte beanstandet, dass im ersten Prozess nicht ausreichend geprüft worden sei, ob die Angeklagte verpflichtet gewesen wäre, ihren Sohn an der Tat zu hindern. Auch die Fragen nach möglicher Mittäterschaft oder Beihilfe sollen nun erneut beleuchtet werden.
Motiv: Gewalt in der Beziehung
Als Hintergrund des Verbrechens wurde im ersten Verfahren häusliche Gewalt genannt. Der 53-jährige Arzt soll seit längerem übermäßig Alkohol getrunken haben. Dabei soll es zu verbalen und körperlichen Übergriffen gekommen sein.
Auch am Tatabend soll er die Angeklagte beleidigt und bedroht haben. Vor Gericht schilderte sie, er habe sie am Arm gepackt, gequetscht und auf den Kopf geschlagen.
Nach den bisherigen Feststellungen attackierten die jungen Männer den Arzt mit einem Baseballschläger und einem Schraubenschlüssel von hinten. Anschließend wurde er mit einem Kabelbinder erdrosselt.
Arzt galt monatelang als vermisst
Der Orthopäde war am 30. Dezember 2022 zuletzt an seinem Arbeitsplatz in einem Krankenhaus in Daun gesehen worden. Danach galt er lange als vermisst.
Erst im Juni 2023 fand ein Spaziergänger Teile seiner sterblichen Überreste in einem Waldstück.
Der Prozess am Landgericht Trier ist bis Mitte Juli terminiert.















