Medizinische Versorgung in RLP: Handlungsbedarf in der Krankenhausstruktur

Das Gutachten im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen benennt klar die Defizite. Auch die Schlussfolgerungen für eine künftige Krankenhausstruktur sind eindeutig.

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Gesundheitskarten verschiedener Krankenkassen liegen auf einem Tisch. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

MAINZ. Die Notfallversorgung in den rheinland-pfälzischen Krankenhäusern ist nach einem Gutachten im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen und Kassenverbände gut.

Die derzeitige Krankenhausstruktur im Land sei jedoch geprägt durch viele kleine Standorte, die nur einen geringen Spezialisierungsgrad erreichten, geht aus dem am Mittwoch in Mainz vorgelegten Gutachten des Institutes for Health Care Business GmbH hervor.

Niedrige Auslastung der Betten

Die vorhandenen Betten seien im Ländervergleich niedrig ausgelastet. Dazu kommt dem Gutachten zufolge, dass es sich bei den im Krankenhaus behandelten Patienten oft um leichtere Fälle handelt, die mittlerweile gut auch ambulant versorgt werden könnten. Stationäre Versorgungsformen würde jedoch in hohem Maße Ressourcen binden. Das sei gerade bei stark rückläufiger Auslastung nicht zielführend. Zudem gebe es Doppelstrukturen, denen mit Maßnahmen zur Schwerpunktebildung und Zentralisierung begegnet werden könnte.

Viele kleine Krankenhäuser im Land

Die derzeitige Struktur in Rheinland-Pfalz sei geprägt von vielen kleinen Krankenhäusern mit weniger als 150 Betten und einer landesweiten Auslastung von nur 66 Prozent bestehender Kapazitäten, berichteten Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen. Durch die Bündelung von medizinischen Leistungsgruppen könnten Krankenhäuser oder Standorte ihre Fallzahlen in bestimmten Leistungsgruppen steigern. Damit könnten sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und durch die Schärfung des Leistungsangebotes wirtschaftlicher agieren.

Zusammenlegung und Konzentration für mehr Wirtschaftlichkeit

Die Zusammenlegung und Konzentration mehrerer Kliniken gerade in Regionen mit hoher Krankenhausdichte an einem bestehenden oder einem neu zu bauenden Zentralklinikum würde dem Gutachten zufolge zu wirtschaftlichen Betriebsgrößen und zur Steigerung der Versorgungsqualität führen. Die Schwerpunktbildung und Zentralisierung hätten das Potenzial, die stationären Versorgungsstrukturen im Land langfristig zu verbessern und die stationäre Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Gesundheitsminister verweist auf Krankenhausstrukturreform

«Ich freue mich, dass das von den Kassen in Auftrag gegebene Gutachten zur ambulanten und stationären ärztlichen Versorgung bestätigt, dass wir in Rheinland-Pfalz eine sehr gute und auch wohnortnahe Versorgung haben», sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). «Wir sind uns auch völlig einig, dass wir vor dem Hintergrund der Krankenhausstrukturreform und angesichts des großen wirtschaftlichen Drucks der Kliniken Handlungsbedarf im Land haben, diese gute Versorgung auch in Zukunft zu sichern.»

«Aufgrund unserer Struktur als Flächenland sind wir bereits an vielen Standorten mit Trägern im Gespräch, um eine ausgewogene Balance zwischen Grundversorgung und spezifischer Versorgung in Zentren zu erhalten und herzustellen», erklärte der Gesundheitsminister. Der Gutachter habe auch deutlich darauf hingewiesen, dass die Umsetzung einer Schwerpunktbildung und auch der Zentralisierung nicht zuletzt die Mitwirkung der Träger und auch die Unterstützung aus der Bevölkerung benötige.

Krankenhausgesellschaft kündigt Diskussionen an

Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz, Andreas Wermter, kündigte an, dass die von den Gutachtern angeregten Änderungen in der Struktur der Krankenhäuser nun im Rahmen der Krankenhausreform unter allen Beteiligten diskutiert werden.

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