EISENBERG. Die koronare Herzkrankheit ist in Rheinland-Pfalz häufiger als im bundesweiten Durchschnitt, wie die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland mitteilt. Der Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt regionale Unterschiede innerhalb des Landes und schafft Transparenz über Ursachen, Verbreitung und Folgen von Koronalen Herzkrankheiten. Für den Gesundheitsatlas ist ein Hochrechnungsverfahren zum Einsatz gekommen, das für diesen Zweck vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Trier entwickelt worden ist. Es erlaubt auf Basis der Abrechnungsdaten der AOK-Versicherten zuverlässige Aussagen zu Krankheitshäufigkeiten in der gesamten Wohnbevölkerung Deutschlands bis auf die lokale Ebene.
In Rheinland-Pfalz sind mehr Menschen von der koronaren Herzkrankheit (KHK) betroffen als im bundesweiten Durchschnitt: Mit einer Krankheitshäufigkeit von 8,6 Prozent in der Bevölkerung ab 30 Jahren liegt Rheinland-Pfalz leicht über dem bundesweiten Durchschnittswert von 8,3 Prozent. Das zeigt der aktuelle „Gesundheitsatlas Koronare Herzkrankheit“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die Krankheit verläuft chronisch und ist sehr oft tödlich – weltweit ist sie die häufigste Todesursache. In Deutschland starben im Jahr 2020 mehr als 120.000 Menschen an den Folgen der koronaren Herzkrankheit. Das entsprach 12 Prozent aller 990.000 Todesfälle. KHK-Betroffene gehören zu der Risikogruppe, für die ein vollständiger Impfschutz gegen Covid-19 sehr empfehlenswert ist.
Der Gesundheitsatlas stellt die regionalen Unterschiede in Rheinland-Pfalz bis auf die Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte dar. Der niedrigste Anteil an Patientinnen und Patienten mit einer KHK findet sich mit 6,2 Prozent in der Landeshauptstadt Mainz. Am stärksten betroffen ist der Vulkaneifelkreis: Dort ist bei 11,7 Prozent der Menschen eine Koronare Herzkrankheit diagnostiziert worden.
Insgesamt 246.000 Menschen in Rheinland-Pfalz an einer KHK erkrankt
In Deutschland leben 4,9 Mio. Menschen mit KHK. Dabei betrifft die koronare Herzkrankheit überwiegend Menschen im höheren Alter. Insgesamt waren in Rheinland-Pfalz im Auswertungsjahr 2020 rund 246.000 Menschen über 30 Jahren an einer KHK erkrankt. Die Krankheitshäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Die höchsten Werte werden in Rheinland-Pfalz bei Männern in der Altersgruppe ab 85-89 Jahren mit 40,1 Prozent und bei Frauen in der Altersgruppe ab 90 Jahren mit 28 Prozent erreicht. Grundsätzlich wird deutlich, dass Männer in jeder Altersgruppe häufiger an KHK erkranken als Frauen. Die Krankheitshäufigkeit in Rheinland-Pfalz ist hinsichtlich der Altersgruppen mit den Bundeswerten vergleichbar.
„Dass Männer häufiger an KHK erkranken, ist neben biologischen Faktoren auch durch den höheren Raucheranteil zu erklären. Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung einer KHK, und in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten war der Raucheranteil unter den Männern immer deutlich höher als unter den Frauen“, erklärt Dr. Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland. Der Zusammenhang zwischen KHK und Rauchen spiegelt sich auch in der regionalen Auswertung des Gesundheitsatlas wider: In Regionen mit besonders vielen Raucherinnen und liegt der Anteil der KHK-Patientinnen und -Patienten bei 9,3 Prozent, in Regionen mit wenigen Raucherinnen und Rauchern dagegen bei nur 7,4 Prozent. Dieser Unterschied bleibt auch bestehen, wenn in einem „fairen“ Vergleich unterschiedliche Alters- und Geschlechtsstrukturen berücksichtigt werden. „Analysen des Gesundheitsatlas bestätigen zudem, dass materiell und sozial benachteiligte Menschen häufiger von einer KHK betroffen sind als Menschen mit einem hohen sozialen Status“, so Niemeyer weiter.
Zusammenhang zwischen KHK und Bluthochdruck
Auch der Zusammenhang zwischen KHK und Bluthochdruck spiegelt sich in den regionalen Auswertungen wider. So lag der KHK-Patientenanteil in den deutschen Regionen mit den wenigsten Bluthochdruck-Patientinnen und -Patienten bei 6,7 Prozent, in Regionen mit besonders vielen Hypertonie-Erkrankten dagegen bei 11,2 Prozent. Außerdem zeigt der Gesundheitsatlas einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Diabetes mellitus Typ 2 und koronarer Herzkrankheit.
Strukturierte Behandlung für eine bessere Kontrolle der Erkrankung
„Heilen lässt sich eine Koronare Herzkrankheit nicht. Mit der richtigen Behandlung können Betroffene jedoch gut mit solchen Herzkrankheiten leben. Auch lebensbedrohliche Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte lassen sich vermeiden. Bei der Behandlung von KHK-Betroffenen spielt die aktive Mitwirkung der Patientinnen und Patienten eine zentrale Rolle“, erläutert Niemeyer.

















