TRIER. Es ist die erste Ausstellung überhaupt, die sich systematisch und im großen Stil mit einer Frage beschäftigt, die die Menschen in Europa jahrhundertelang und teilweise bis in die Gegenwart umgetrieben hat: Wie konnte es passieren, dass das Römische Reich mit seiner faszinierenden Kultur, seinem weit entwickelten Staatswesen und seinen militärischen Möglichkeiten untergehen konnte? Drei Museen in der spätantiken Kaiserresidenz Trier gehen der Frage nach und präsentieren ab Morgen, 25.6., rund 700 Exponate aus über 130 Museen und Institutionen in 20 Ländern im Rahmen der rheinland-pfälzischen Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“.
Von Alexander Scheidweiler
Hauptstandort der Ausstellung ist das Rheinische Landesmuseum, das sich mit der spätantiken Geschichte Roms im vierten und fünften nachchristlichen Jahrhundert beschäftigt und anhand internationaler Spitzenexponate ein lebendiges Bild vom Zerfall des Imperium Romanum und seinen Ursachen zeichnet. Das Museum am Dom beleuchtet das Christentum in Spätantike und Frühmittelalter: Unter dem Titel „Im Zeichen des Kreuzes – Eine Welt ordnet sich neu“ werden die Anfänge des Christentums besonders in der Moselregion in den Blick genommen. Das Stadtmuseum Simeonstift befasst sich mit der Rezeption des Untergangs Roms in Kunst- und Kulturgeschichte. Die Ausstellung mit dem Titel „Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst“ spannt den Bogen von den antiken Kirchenvätern bis zu nationalistischen Umdeutungen im 19. und 20. Jahrhundert. Begleitend zeigt die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier zudem eine Ausstellung mit dem Titel „Das Fortwirken Roms in der Bildungsgeschichte des Mittelalters“. Die Ausstellungen werden bis zum 27.11. zu sehen sein.
Am heutigen Freitag stellten der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe und der Generalvikar des Bistums Trier, Dr. Ulrich v. Plettenberg, zusammen mit den drei Museumsdirektoren Dr. Marcus Reuter (Rheinisches Landesmuseum), Markus Groß-Morgen (Museum am Dom) und Dr. Elisabeth Dühr (Stadtmuseum Simeonstift) die Schau im Rahmen einer Pressekonferenz vor.
Die Trierer Römerausstellung könne man „im Rahmen der deutschen Ausstellungslandschaft mit Fug und Recht als Highlight bezeichnen“, so der Innenminister. Schon jetzt lägen über 700 Gruppenanmeldungen vor, so dass von einem „erfolgreichen Ausstellungszyklus“ auszugehen sei. Bereits mit den Ausstellungen zu den Kaisern Constantin (2007) und die Nero (2016) hatte es in Trier große Römer-Ausstellungen gegeben. Dabei ist auch der ökonomische Aspekt nicht zu unterschätzen: Allein bei der Nero-Ausstellung seien 9,2 Millionen Euro direkte Wertschöpfung für die Region zu verzeichnen gewesen, so Lewentz. Der Innenminister ließ durchblicken, dass dies bei der aktuellen Ausstellung ähnlich sein dürfte.
Oberbürgermeister Leibe betonte, dass er sehr froh sei, „dass hier in Rheinland-Pfalz Landesausstellungen eben nicht nur in der Landeshauptstadt stattfinden, sondern dass alle Regionen ihr kulturelles Erbe präsentieren können.“ Er selbst habe sich mit Blick auf die Spätantike immer wieder die Frage gestellt: „Was ist eigentlich passiert?“: Gerade bei Führungen durch Trier werde einem klar, so der Oberbürgermeister, dass die Menschen bis etwa 500 v.Chr. Schwimmbäder und gläserne Fenster hatten, dass es in Trier eine Fabrik zur Herstellung von Ziegeln, eine bedeutende Baukultur und eine hochentwickelte Medizin gab. Bei einem Besuch auf dem Trifels hingegen wurde der Bruch zum Mittelalter hin für ihn offensichtlich: „Es war kalt, es war eisig, und die Menschen sind an Krankheiten gestorben, die in der römischen Zeit schon behandelbar waren.“ Daraus, so Leibe, ergebe sich eben „die sehr spannende Frage“ danach, wie dieser Kulturbruch zu erklären sei, den die drei Museumsdirektoren früh als Thema eingebracht hätten.
Generalvikar Dr. v. Plettenberg sagte, die Kooperation zwischen dem zum Bistum gehörenden Museum am Dom, dem Landesmuseum und dem Stadtmuseum Simeonstift habe sich bewährt. Die Frage, was das Bistum und das Dommuseum in dem Ensemble mit Stadt und Land an Spezifischem leisten könne, wurde dahingehend beantwortet, im Museum am Dom einen exemplarischen Blick auf die Region des damaligen nördlichen Galliens mit dem Zentrum Trier zu werfen. Dabei solle gezeigt werden: „Es ist nicht nur ein Untergang, sondern auch ein Übergang.“ Dies lasse sich gerade an der ungebrochenen christlichen Tradition Triers als Stadt mit der ältesten Kathedrale nördlich der Alpen und der am frühsten beginnenden Bischofsliste nördlich der Alpen festmachen.
Dr. Marcus Reuter vom Landesmuseum sprach zunächst von einer gestalterisch sehr gelungenen Ausstellung, für die das Berliner Architekturbüro „Duncan McCauley“ gewonnen werden konnte, das die Idee entwickelte, die Ausstellung analog zum Symbol der untergehenden Sonne zu strukturieren: Je weiter man durch die Räume voranschreitet, sich dem Ende des Imperiums nähernd, je dunkler wird das Ambiente. „Das ist ganz großes Kino“, so Reuter.
Zeitlich decke die Ausstellung in etwa die Periode von 340-500 nach Christus ab. Es sei schwierig, eine solch lange Zeitspanne auf einen durchschnittlich rund 90-minütigen Besucherrundgang herunterzubrechen, erläuterte der Museumsdirektor. Man zeige eingangs wichtige Veränderungen im Reich der Spätantike, etwa die Einführung der Vierkaiserherrschaft (Tetrarchie) oder den Wandel in der Bewaffnung des römischen Militärs. Danach wende die Ausstellung sich den immer wieder genannten Hauptfaktoren für den Untergang des Römischen Reiches zu: der Völkerwanderung, bei der aber zu bedenken sei, dass es sich bei den wandernden Gruppen nicht um Völker im modernen Sinne, sondern eher umlose Gruppen gehandelt hat, sowie die innerömischen Bürgerkriege infolge des Mehrkaisertums. Eine große Schlachtenkarte mache deutlich, „weshalb das Römische Reich untergegangen ist – und dass es v.a. innenpolitische Gründe gewesen sind.“
Das Museum am Dom konzentriere sich auf den Rhein-Mosel-Raum – in römischen Kategorien auf das nördliche Gallien – „mit besonderer Konzentration auf die Stadt Trier“, erklärte Markus Groß-Morgen. Der behandelte Zeitraume reiche vom 4. bis ins 7./8. Jahrhundert. Dabei werden mit Blick auf das spätantik-frühmittelalterliche Christentum drei Schwerpunkte gesetzt: Das sich wandelnde Verhältnis von Kirche und Staat, für das beispielhaft Bischof Paulinus steht, sodann das Gräberfeld St. Maximin im Norden der Stadt, wo im vierten Jahrhundert ein christlicher Bestattungsbereich um die Gräber der Bischöfe Maximin und Agritius entstand, schließlich der Dom, dessen bis heute maßgebender Teil, der sog. „Quadratbau“, nach neusten Erkenntnissen erst Ende des 4. Jahrhunderts fertiggestellt wurde, so Groß-Morgen.
Dr. Elisabeth Dühr sagte, die Ausstellung in ihrem Hause lasse sich in Abwandlung des berühmten Diktums „Alle Wege führen nach Rom“ auf die Formel „An Rom führt kein Weg vorbei“ bringen. „Rom ist der Knotenpunkt kollektiver Erinnerung in der Geschichte Europas und der westlichen Welt“, zitierte Dühr den Dichter Durs Grünbein. Dabei spielt die Historienmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts eine zentrale Rolle in der Ausstellung im Stadtmuseum. Insbesondere die vermeintliche Dekadenz der römischen Eliten sei für die Malerei „ein sehr genussvolles Thema“ gewesen, so Dühr. Auch die nationalistischen Legenden und Mythen, die das 19. Jahrhundert um die Völkerwanderung gebildet hat, indem Gegner der römischen Herrschaft zu Helden stilisiert wurden – Arminius in Deutschland, Vercingetorix in Frankreich oder Boudica in England – werden thematisiert, erklärte Dühr.
Weitere Informationen zur großen Römerausstellung gibt es hier: https://untergang-rom-ausstellung.de.














Der Lewentz sieht aus als ob er Werbung für Bräunungscreme macht.
…gerade ich als Innenminister muss Spannung und Dynamik vermitteln und da gehört eine gesunde Gesichtsfarbe einfach dazu. Die neue Bräunungscreme von Taft, die extra auf den Körper des Mannes ab 50 abgestimmt ist, verleiht der Haut Geschmeidigkeit und Dynamik. Da kann ein Pressetermin noch so langweilig sein, die Haut bleibt straff. Aufsprühen, einziehen lassen, fertig!
Und jetzt neu für den Mann. Männergold, der Antiaging-Viez aus dem Rheinland.