«Aufsuchende Hilfe» im Ahrtal: Berater klingeln an 750 Wohnungen

0
Ein komplett zerstörtes Haus in Marienthal im Ahrtal. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild

MAINZ. Immer noch haben viele Ahr-Flutopfer keine Hilfe beantragt, immer noch sind viele Häuser zerstört. Berater haken daher vor Ort nach.

Im Rahmen des Projekts «Aufsuchende Hilfe» im flutgeschädigten Ahrtal haben geschulte Berater bisher bei 750 Wohnungen geklingelt. «Sie ziehen von Haus zu Haus», teilte die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz in Mainz am Freitag mit. In fast 350 Fällen seien Bewohner angetroffen worden. Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 waren im Ahrtal 134 Menschen getötet und Tausende Häuser verwüstet worden.

Laut Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) informierten die Berater vor allem über Zahlungen aus dem staatlichen Wiederaufbaufonds. «Haushalten, die nicht angetroffen wurden, wurde ein Infoflyer zur Aufbauhilfe sowie Kontaktdaten zur Verfügung gestellt, um Unterstützung bei der Antragstellung direkt bei der ISB (Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz) einzuholen.» Mit der «Aufsuchenden Hilfe» seien viele Haushalte erreicht worden, die noch keine finanzielle Hilfe beantragt hätten. Daneben habe es Fragen zu Versicherungen, Gutachten und psychologischer Hilfe gegeben.

In Altenahr, Kreuzberg und Heppingen, den drei Orten der Pilotphase des Projekts, wurde laut Staatskanzlei «bis zu dreimal nachgefasst, wenn ein Haushalt nicht zu erreichen war». Nun gehe die «Aufsuchende Hilfe» zunächst in Schuld, Insul, Ahrbrück, Liers und Obliers weiter. Anträge auf Auszahlungen der Wiederaufbauhilfe sind umfangreich und nötige Gutachter oft ausgebucht.

Der Kreis Ahrweiler rief derweil zur Teilnahme an einer Umfrage für eine wissenschaftliche Begleitung des Wiederaufbaus in den westdeutschen Gebieten der Sturzflut vom Juli 2021 auf. Das Projekt KAHR (Klimaanpassung, Hochwasser und Resilienz) werde vom Bundesforschungsministerium mit fünf Millionen Euro gefördert. Rund 5000 Bürger würden im Kreis Ahrweiler angeschrieben mit der Bitte, freiwillig einen Online-Fragebogen auszufüllen.

Landrätin Cornelia Weigand (parteilos) betonte: «Unser gemeinsames Ziel ist ein Ahrtal der Zukunft, in dem wir uns auch vor den Gefahren zukünftiger Hochwasser so gut wie möglich schützen.» Deshalb beteilige sich ihr Landkreis an dem Forschungsprojekt mit Wissenschaftlern. (dpa)

Vorheriger ArtikelFahrerflucht im Eifelkreis: PKW kommt Motorrad entgegen – Biker schwerverletzt
Nächster ArtikelDramatischer Großeinsatz: Geldautomaten-Sprenger aus RLP in Bonn geschnappt

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.