Nachhaltig, kulturhistorisch wichtig, wirtschaftlich: Sanierung der Saarburger Wasserkraftanlage im Amüseum

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Foto: Sandra Gehlen

SAARBURG. Ein historisches Kleinod versteckt sich im Städtischen Museum am Wasserfall und wartet darauf, bald neu entdeckt zu werden. Im Keller des Amüseums befindet sich eine Wasserkraftanlage, die seit ca. 1900 bereits die ehemalige kurfürstliche Mühle und den angrenzenden Bereich mit Strom versorgt hat. Dort, wo seit 1936 eine Francis-Turbine Strom produzierte, stand zuvor ein Wasserrad, das Saarburg mit Energie versorgte. Seit einigen Jahren nahm die Stromproduktion der sanierungsbedürftigen Francis-Turbine immer weiter ab. Aus Sicherheitsgründen läuft sie seit 2018 nur noch zu Demonstrationszwecken. Seit dieser Zeit arbeitet ein Team aus städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie dem Verein der Städtischen Museen an der Wiederbelebung dieses technischen Denkmals, das nicht nur nachhaltige Energie produziert, sondern auch gleichzeitig eine Daseinsfürsorge für das Museum ist, wie die Stadt Saarburg mitteilt.

„Wir möchten, wie früher, wieder das Museum und den angrenzenden Bereich mit nachhaltiger, eigens produzierter Energie aus dem Wasserfall versorgen. Der Wasserfall als touristisches Wahrzeichen der Stadt wird aber natürlich nicht betroffen sein und weiter so wie gewohnt laufen. Die Rückkehr auf die Eigenversorgung des Museums bietet nicht nur großes Sparpotenzial, sondern ist auch wirtschaftlich und touristisch interessant“, erklärt Bürgermeister Jürgen Dixius, “denn der überschüssig produzierte Strom wird eingespeist werden. Auch wird die neue Attraktion sicherlich zu mehr Gästen im Museum führen.”

Aber es geht laut dem Vorsitzenden des Vereins der Städtischen Museen Ewald Kölling um mehr: „Es ist ein Stück technischer Geschichte, das es hier zu erhalten gilt. Es handelt sich um eine der ältesten Elektroturbinen Deutschlands, für deren Instandsetzung sich der Verein jahrelang eingesetzt hat.“

Wasserkraft ist eine der stetigsten Energieformen. Sie ist im Gegensatz zur Solarenergie immer verfügbar, auch nachts. Bei den Arbeiten an der Wasserkraftanlage handelt es sich um eine Generalsanierung. Das heißt, alle Teile werden sand- bzw. glasperlengestrahlt, repariert, mit Korrosionsschutz versehen und bei Bedarf eingemessen. So wird die alte Anlage nach und nach wieder in den ursprünglichen Zustand und die Elektrotechnik auf den neuesten Stand gebracht. Dies geschieht in weiten Teilen in der Werkstatt des beauftragten Unternehmens. Dazu wurde die Anlage in Einzelteile zerlegt und über die Tümpelmauer mit einem Kran nach oben gebracht. Die Inbetriebnahme ist im Jahr 2022 vorgesehen. Die Investition beläuft sich nach einem Gutachten auf 159.456,66 Euro. Weitere Eventualpreise können je nach Zerstörungsgrad der Einzelteile aufkommen und sind mit einer Höhe von bis 85.500 Euro eingeplant. Die Investition soll später mithilfe der Einsparungen aus der Eigennutzung und den Einnahmen der Stromerzeugung finanziert werden.

Diese Generalsanierung der Wasserkraftanlage wird unterstützt durch die Stiftung „Zukunft in Trier-Saarburg“ des Landkreises und von der Umweltstiftung der Sparkasse Trier. Bei dem Vorhaben hat der Verein der Städtischen Museen der Stadt Saarburg beratend zur Seite gestanden. Auch wurde die erste Zustandsuntersuchung vom Verein finanziert, der sich zukünftig über finanzielle und tatkräftige Unterstützung aus der Bevölkerung freut.

Touristisch soll die Investition das Amüseum am Wasserfall weiter voranbringen und für zusätzliche Besucher sorgen. Für eine Lauschtour, also eine Audiotour per App durch das Museum, in der die Wasserkraft einen großen Teil ausmacht, wurden bereits Leader-Mittel bewilligt. Die Lauschtour soll bis spätestens Anfang 2023 umgesetzt werden. Zudem sollen ein zeichnerischer Erklär-Film für Kinder und Familien und neue Schautafeln anschaulich die Funktionsweise und Historie der Wasserkraftanlage erklären. Auch ist die Einbindung in bestehende Angebote, wie z. B. die KuLaDig-Tour zum Thema Wasser vorgesehen.

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