Lage kollabiert: Katastrophengebiet bleibt für Individualverkehr gesperrt

Der Verkehr im Ahrtal kollabiert am Samstag. Die Einsatzkräfte ziehen daraufhin Konsequenzen und sperren das Tal für Helfer mit eigenen Autos. Bis einschließlich Montag steht der Abtransport von Müll im Fokus.

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Foto: dpa

AHRWEILER. Im Hochwasser-Katastrophengebiet an der Ahr wird seit Sonntag tonnenweise Unrat abtransportiert.

Unterstützt von Landwirten sollen Entsorgungsfirmen ihn auf Deponien bringen, wie die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) mitteilte. Sie untersagt Individualverkehr bis einschließlich Montag weitgehend, damit die Müllfahrzeuge freie Fahrt haben. «Nur wenn der Unrat schnellstmöglicht aus den betroffnen Gebieten entfernt wird, können wir die Infrastruktur Stück für Stück wieder herstellen und mögliche Gesundheitsgefahren durch Müllablagerung eliminieren», sagte Florian Stadtfeld vom Polizeipräsidium Koblenz bei einer Pressekonferenz in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Der Abtransport soll auch über die A61 laufen. Dort müssen Autofahrer mit Verkehrsbeeinträchtigungen rechnen. Freiwillige Helfer durften am Sonntag wieder in das Krisengebiet. Sie sollten die Shuttlebusse einer privaten Initiative für die Anfahrt nutzen. «Jeder Helfer ist nicht nur erwünscht, sondern wird auch dringend gebraucht», erklärte die Leiterin des Katastrophenschutzstabs, Begoña Hermann. Am Samstag waren die Freiwilligen zunächst aufgefordert worden, wegen drohender starker Regenfälle und der unübersichtlichen Verkehrslage die Region um Bad Neuenahr-Ahrweiler zu verlassen.

Die Zahl der Todesopfer änderte sich nicht. Sie liege weiterhin bei 132, sagte Stadtfeld. Etwas über die Hälfte der Flutopfer sei identifiziert. Auch die Zahl der Verletzten (766) und Vermissten (149) blieb konstant.

Gleichzeitig kündigte die Polizei an, bei Übergriffen gegen Helfer einzuschreiten: «Wir schützen alle Helferinnen und Helfer und werden nicht tolerieren, dass diese angegriffen oder angefeindet werden.» Das Technische Hilfswerk (THW) hatte von Fällen berichtet, in denen Helfenden beschimpft und ihre Fahrzeuge mit Müll beworfen worden waren. Mittlerweile lägen der Polizei dazu Informationen vor, denen man nachgehe.

Im Fall der zwölf gestorbenen Flutopfer aus einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Sinzig (Kreis Ahrweiler) untersucht unterdessen die Staatsanwaltschaft Koblenz die Todesumstände. «Es wird derzeit geprüft, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt und bejahendenfalls, wem ein solches zur Last gelegt werden kann», sagte ein Justizsprecher am Sonntag. Neben den Todesermittlungsverfahren von Amts wegen sei auch ein sogenanntes Prüfverfahren wegen der Todesfälle im Lebenshilfewohnheim Landkreis Ahrweiler eingeleitet worden.

Es handele sich dabei aber nicht um ein förmliches Ermittlungsverfahren: «Die Leichname werden derzeit einem Identifizierungsverfahren unterzogen», sagte der Sprecher. Obduktionen kämen danach nur dann in Betracht, wenn es Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe oder andere Auffälligkeiten festgestellt würden.

Nach der verheerenden Flutkatastrophe an der Ahr kündigte Innenminister Roger Lewentz (SPD) an, den Katastrophenschutz grundlegend überprüfen lassen. «Das Ganze kommt auf den Prüfstand», sagte er der Rhein-Zeitung in Koblenz (Montagsausgabe). Dies reiche von Warn- und Alarmierungssystemen bis hin zur technischen Ausstattung mit sicheren Funksystemen etwa für den Fall, dass – wie an der Ahr geschehen – Erdkabel von Fluten weggerissen wurden.

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