Unwetter-Drama: Mindestens 19 Tote bei Hochwasserkatastrophe – Einsatzkräfte arbeiten auf Hochtouren

Die Bilder zeigen verheerende Zerstörungen: Durch Starkregen verursachtes Hochwasser löst in einigen Regionen eine Katastrophe aus. Ganze Häuser werden einfach von den Fluten fortgerissen.

0
Flutkatastrophe in Ahrweiler; Foto: dpa

TRIER/AHRWEILER. Bei verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz sind mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen. Ein Überblick über die Lage:

Ein stundenlanger Starkregen ließ in mehreren Regionen Flüsse über die Ufer treten. Besonders hart getroffen wurde der Landkreis Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im 700-Einwohner-Ort Schuld bei Adenau wurde die Ahr zum reißenden Fluss und zerstörte mehrere Häuser. Dutzende Menschen wurden am Donnerstagnachmittag noch vermisst – es war unklar, ob sie sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.

Zahlreiche Hubschrauber waren in der Region im Einsatz, um Menschen von Häusern und aus Bäumen zu retten – dorthin hatten sie sich vor den Wassermassen in Sicherheit gebracht. Auch in anderen Landesteilen war die Situation teilweise dramatisch. Erheblich betroffen sind ebenfalls die Landkreise Bitburg-Prüm, Vulkaneifel und Trier-Saarburg. Vielfach mussten Kitas und Schulen geschlossen bleiben, Strom und Mobilfunknetze fielen vielerorts aus.

«So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zu Beginn einer Landtagssitzung, die unter dem Eindruck der Ereignisse vorzeitig beendet wurde. «Es ist wirklich verheerend.» Ganze Orte seien überflutet, Häuser einfach weggeschwemmt worden. Wie teuer der Hochwasserschaden ist, war am Donnerstag noch gar nicht absehbar.

Nach Angaben der Landesregierung wird eine kurzfristige Unterstützung von 50 Millionen Euro bereitgestellt. Damit sollen Schäden der öffentlichen Infrastruktur behoben werden, also etwa an Straßen, Brücken und anderen Bauwerken, wie die Landesregierung auf Twitter mitteilte. «Schäden in Kommunen sind immens», erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und fügte hinzu, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) Unterstützung vom Bund zugesagt hätten.

Im Dorf Schuld an der Ahr mit rund 700 Einwohnern stürzten sechs Häuser ein, etwa 40 Prozent der weiteren Wohngebäude wurden beschädigt, wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, Guido Nisius (CDU), mitteilte. In Insul standen nach seinen Angaben etwa 30 Prozent der Häuser unter Wasser. Etliche Ahr-Brücken wurden zerstört – Rettungskräfte mussten daher weite Umwege fahren. «Das ist der schlimmste Katastrophenfall, den ich erlebt habe», sagte Nisius.

Der Bürgermeister fügte hinzu: «Das hängt mit dem Klimawandel zusammen und mit den Eingriffen des Menschen.» Wenn Bäche begradigt und ihrer natürlichen Überschwemmungsflächen beraubt würden, brauche sich niemand mehr über solche Katastrophen zu wundern. Bei den Unwettern fielen am Mittwoch und in der folgenden Nacht bis zu 148 Liter Regen pro Quadratmeter, wie das Klimaschutzministerium in Mainz mitteilte.

Die Fluten schnitten mehrere Orte von der Außenwelt ab. Etwa 50 Menschen wurden von Hausdächern gerettet, auf denen sie Zuflucht gesucht hatten. Der Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU) sagte: «Das ist ohne Zweifel die größte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg in dem Kreis.» In einer nie geahnten Dimension seien Wassermassen über die Ortschaften hereingebrochen. «Die Folgen sind verheerend.»

Foto: dpa

 

Auch in Trier wurde eine größere Rettungsaktion notwendig – der Stadtteil Ehrang musste zu großen Teilen evakuiert werden, weil die Kyll, ein Nebenfluss der Mosel, überlief. Auch ein Krankenhaus war betroffen. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm waren wegen der Überflutungen mehrere Menschen in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen und mussten gerettet werden, unter anderem in Waxweiler.

Foto: Stadt Trier

 

In der Gemeinde Kordel im Landkreis Trier-Saarburg wurden wegen des Hochwassers mehrere hundert Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht. Wegen überschwemmter Zufahrtswege war der Ort mit 2000 Einwohnern abgeschnitten.

Foto: Landkreis Trier-Saarburg

Wegen der Hochwasserkatastrophe mussten zahlreiche Straßen in den betroffenen Regionen gesperrt werden. Es seien angesichts der Wassermassen Schäden an der Infrastruktur zu erwarten, teilte der Landesbetrieb Mobilität mit. «Bürgerinnen und Bürger sollten auf Autofahrten soweit wie möglich verzichten und bei notwendigen Fahrten die gefluteten Bereiche weiträumig umfahren.»

Auch der Bahnverkehr in Rheinland-Pfalz wurde durch die Unwetter erheblich beeinträchtigt. Im Fernverkehr war etwa die Strecke Köln-Koblenz über Bonn Hbf nicht befahrbar, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Auch im Nahverkehr wurden Strecken gesperrt.

«Reisende müssen sich auch in den nächsten Tagen auf Verspätungen und Zugausfälle in NRW und Rheinland-Pfalz einstellen und werden gebeten, zu prüfen, ob Fahrten verschoben werden können», erklärte die Bahn.

In den vom Extremwetter betroffenen Regionen behielten für die kommenden Tage gebuchte Bahntickets ihre Gültigkeit oder könnten kostenlos storniert werden. Die Bahn richtete eine Hotline ein: 08000/996633.

In Trier bot das Jobcenter der Stadt vom Unwetter betroffenen Jobcenter-Kunden Soforthilfe an. Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim spendete 100.000 Euro zur Unterstützung von Flutopfern. Weitere Hilfe werde mit den zuständigen Behörden abgestimmt.

Vorheriger Artikel+++ Aktuell: Überblick Corona-Zahlen in der Region – die Lage in unseren Landkreisen +++
Nächster Artikel„Unser Land trauert heute sehr“: Dreyer stellt 50 Millionen Katastrophenhilfe in Aussicht

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.