Impffrust wächst: Über 6.400 Menschen aus Priogruppe 1 und 2 ohne Impftermin

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Symbolbild; dpa

MAINZ. Der Impffrust wächst: Hunderttausende aus den Priogruppen 1 bis 3 warten noch auf einen Termin für den Piks. Auch in den Arztpraxen fehlt Impfstoff. Zugleich soll die Priorisierung schon am 7. Juni aufgehoben werden.

In Rheinland-Pfalz warten noch rund 450 Menschen aus der Priogruppe 1 und etwa 6400 aus der Priogruppe 2 auf ihren ersten Impf-Termin. Fast alle von ihnen sollen aber bis zum 7. Juni in einem der 32 Impfzentren einen Termin erhalten haben, wie Ministeriumssprecher Markus Kuhlen der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte. Bei der Anmeldung der Priogruppe 3 habe sich erst herausgestellt, dass viele dieser Menschen eigentlich zur Priogruppe 2 gehörten. Um zügiger voran zu kommen, fehle immer noch genügend Impfstoff.

Die Hausärzte klagen ebenfalls über eklatanten Impfstoffmangel. Dies habe sich bereits in der vergangenen Woche bei den ersten Zweitimpfungen in den Praxen bemerkbar gemacht und werde bis zum 7. Juni so weiter gehen, sagte die Landesvorsitzende des Hausärzteverbands, Barbara Römer, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Aber auch dann werde es «keine Impfflut in den Praxen geben».

«Der Frust in den Praxen ist groß.» Immer mehr Praxen hätten bereitwillig und unter hohem organisatorischen Aufwand mit dem Impfen begonnen. «Die Praxen wollen impfen, die Patienten wollen geimpft werden, aber es kommen im Schnitt derzeit nur ein bis zwei Flaschen Biontech, Astrazeneca oder Johnson & Johnson pro Woche in die Praxen», kritisierte Römer.

«Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) macht den Bürgern seit Wochen Hoffnung auf ein Impfangebot, das von uns aber nicht erfüllt werden kann», kritisierte Römer. «Das führt gerade jetzt mehr denn je zu Frustration auf Seiten der Ärzte und der Patienten», mahnte die Landesvorsitzende und Hausärztin.

«Das vertrauensvolle und wertschätzende Miteinander gerade in der Hausarztpraxis wird aktuell auf eine sehr harte Probe gestellt, und unsere Medizinischen Fachangestellten (MFA) stecken mittendrin und haben mit Abstand die größte Belastung überhaupt nach einem sowieso schon höchst arbeitsintensivem ersten Coronajahr.» Römer forderte auch für diese Berufsgruppe einen staatlichen Corona-Bonus.

Die Landesregierung werde sich bei der Vergabe der Termine in den Impfzentren auch künftig an den Bundesimpfverordnung sowie den Empfehlungen der Stiko (Ständigen Impfkommission) orientieren, sagte Kuhlen. Dies gelte auch für die angekündigte Aufhebung der Priorisierung zum 7. Juni. Bis zu diesem Tag verlaufen die Impfungen und die Terminvergabe für die Impfzentren nach der Priorisierung, wie Kuhlen versicherte. Und: «Im Rahmen der Priorisierung bereits vereinbarte Impftermine der Anspruchsberechtigten für Erst- und Zweitimpfungen bleiben von der kommenden Änderung unberührt.»

Die Länder könnten nach dem Beschluss der Gesundheitsminister auch nach dem 7. Juni die Priorisierung aufrechterhalten. «Ob, in welchem Umfang und für welche Gruppen Rheinland-Pfalz davon Gebrauch machen wird, wird in den kommenden Tagen beraten, sobald die genauen Pläne und Liefermengen des Bundes bekannt sind.» Einige Bundesländer haben die Priorisierung bereits aufgehoben.

Spahn habe mehrfach betont, dass im Juni mit deutlich höheren Liefermengen zu rechnen sei. «Trotzdem besteht die Sorge, dass zunächst gerade im Zusammenhang mit den Impfungen durch Betriebsärzte weiterhin eine Impfstoffknappheit gegeben ist», sagte Kuhlen. Mit der Ankündigung der Aufhebung der Priorisierung werde eine Erwartungshaltung geweckt, die mit den angekündigten Liefermengen nicht so schnell zu erfüllen sei. «Deshalb muss die Bundesregierung zugleich auch für mehr verfügbaren Impfstoff sorgen.»

Für den Start der Impfungen von Kindern und Jugendlichen setzt die Landesregierung auf zwei Säulen: Haus-, Kinder- und Jugendärzte, die die Jungen und Mädchen schon lange kennen sowie Sondertermine in den 32 Impfzentren des Landes für bis zu 240.000 junge Menschen. Mit einer Entscheidung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) über einen Impfstoff für Kinder ab zwölf Jahren werde in den nächsten Tagen und Wochen gerechnet. Dann bleibe aber die Empfehlung der Stiko noch abzuwarten. Sollte diese die Impfstoffe nicht empfehlen, könne nur nach besonderer ärztlicher Aufklärung und auf Verantwortung der Eltern geimpft werden und damit voraussichtlich nur in den Arztpraxen. Auch dabei gelte: «Der Bund muss dann auch für mehr Impfstofflieferungen sorgen.» Denn: «Bislang ist die Gruppe der ab 12-Jährigen im Mengengerüst nicht eingeplant.»

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