Trier: Digitalisierung in KiTas – was bedeutet das konkret?

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Kinder in einer Kita - foto: dpa

TRIER. Beim Stichwort „Digitalisierung“ denken viele, vor allem in der momentanen Situation, sicherlich zunächst an Schulen und weiterführende Bildungsstätten. Aber auch in Kindertageseinrichtungen spielt das Thema eine zunehmende Rolle. Was bedeutet das konkret für die Arbeit in den KiTas der katholischen KiTa gGmbH Trier?

Grundsätzlich können zwei unterschiedliche Bereiche unterschieden werden, in denen digitale Medien in KiTas eingesetzt werden können: zum einen Verwaltungs- und Organisationsaufgaben und zum anderen die konkrete Einbindung digitaler Medien in der pädagogischen Arbeit.

Verwaltung & Organisation
Um den Betrieb einer Kindertageseinrichtung aufrecht zu erhalten, ist insbesondere durch die Standortleitungen eine Vielzahl von verwaltungstechnischen und organisatorischen Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehören beispielsweise der regelmäßige Austausch und Schriftverkehr mit unterschiedlichen externen Instanzen, wie Jugendämtern oder natürlich auch Eltern, die Planung und Vergabe von Kita- und Gruppenplätzen oder auch die Erstellung und Weiterentwicklung von Konzeptionen. All dies geschieht i.d.R. bereits seit Jahren computerbasiert und mithilfe von Schreib- und E-Mail-Programmen – insofern ist Digitalisierung in diesem Sinne in den Einrichtungen längst zur Normalität geworden.
Im Laufe der Zeit wurde jedoch deutlich, dass die Verwaltungsaufgaben sich immer komplexer darstellen, sodass die gängigen Programme diesen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Deshalb machte sich die katholische KiTa gGmbH Trier bereits 2016 auf die Suche nach einer entsprechenden Software-Lösung, die man mit „KiTaPlus“ des Düsseldorfer Anbieters BMS Consulting auch gefunden hat. Nach einer Testphase und einer zweiteiligen Schulung der Mitarbeiter/innen wird die spezielle Verwaltungssoftware seit Beginn 2020 erfolgreich in allen 151 Kindertageseinrichtungen des großen Trägers eingesetzt und bietet zahlreiche Vorteile, welche den Verwaltungsaufwand in den KiTas erheblich vereinfachen. Dazu gehören beispielsweise die automatische Erzeugung von Schreiben und Formularen, einfache Unfallanzeigen oder auch Tools zur Kitaplatz- und Personaleinsatz-Planung. Zusätzlich bietet die Software die Möglichkeit, schnell und unkompliziert bestimmte Kennzahlen zu ermitteln und erzeugt verschiedenste Auswertungen „auf Knopfdruck“. Darüber hinaus sind sinnvolle Schnittstellen zu externen Partnern eingerichtet worden, welche die vernetzte Arbeit erheblich erleichtern und beschleunigen, z.B. zum Landesabrechnungsprogramm der Jugendämter (wird ab Sommer 2021 durch Schnittstelle zum Landesjugendamt/KIDZ ersetzt) oder auch zum Personalabrechnungsprogramm des Bistums Trier.

Seit 1. April dieses Jahres nutzen darüber hinaus mehr als 100 KiTas die zugehörige „Gruppen-App“. Mithilfe eines Tabletts ersetzt diese App das bisherige Gruppentagebuch und unterstützt insbesondere die pädagogischen Fachkräfte bei ihrer täglichen Verwaltungsarbeit in den KiTas. So können z.B. ganz einfach An- und Abwesenheitslisten der Kinder geführt, Notfallkontakte gepflegt und Abholberechtigte abgerufen werden.

Darüber hinaus spielen digitale Medien auch in der internen Vernetzung der 151 KiTas untereinander sowie zwischen KiTas und übergeordneten Unternehmensinstanzen eine zunehmende Rolle (z.B. digitale Team- und Arbeitskreis-Meetings, Klausuren, BGM-Beratungen). Diese Entwicklung wurde durch die aktuelle Corona-Pandemie stark beschleunigt und hat dazu geführt, dass innerhalb der katholischen KiTa gGmbH Trier ein umfassendes Videokonferenz- sowie ein Cloud-System zwecks Datenaustausch etabliert worden ist. Darüber hinaus wurde ein großer Teil der Qualifizierungsmaßnahmen für das pädagogische Fachpersonal als digitale Formate aufgelegt. Bereits jetzt ist absehbar, dass diese Instrumente innerhalb des Unternehmens auch über Corona hinaus weiterhin eingesetzt werden (z.B. Qualifizierungen zukünftig verstärkt in hybrider Form).

Einsatz digitaler Medien in der pädagogischen Arbeit
Nach wie vor wird der Einsatz digitaler Medien im KiTa-Geschehen vielerorts kritisch gesehen. Dahinter steht vor allem die Befürchtung, dass übermäßiger Medienkonsum der Kinder die unmittelbare sinnliche Erfahrung ersetzen könnte. Gleichzeitig gehören digitale Medien zur Lebenswirklichkeit von Kindern – auch von KiTa-Kindern – sie wachsen ganz selbstverständlich als „Digital Natives“ auf. Medienbildung und –erziehung wird deshalb im Sinne ihres offiziellen, „lebensweltorientierten“ Bildungsauftrags zukünftig verstärkt Teil der pädagogischen Arbeit in Kindertagesstätten sein.

Auch in den Einrichtungen der katholischen KiTa gGmbH Trier entwickelt sich dieser Bereich stetig weiter. Ganz konkret arbeiten beispielsweise die zugehörigen KiTas der Gesamteinrichtung Birkenfeld sowie einige Einrichtungen im Raum Trier und Hermeskeil seit Dezember 2020 mit dem Anbieter „Polylino“ zusammen (weitere KiTas befinden sich aktuell in einer Testphase). Dabei handelt es sich um einen digitalen mehrsprachigen Bilderbuchservice für Kitas, Vorschulen und Bibliotheken zur Förderung der frühkindlichen Sprachentwicklung. Das schwedische Unternehmen bietet mittlerweile mehr als 440 Bücher an, die man sich in über 50 Sprachen anschauen und anhören kann. Dazu wurden in den Einrichtungen eigens Tabletts angeschafft. Gesamtleiterin Andrea Reitz sieht viele Vorteile, z.B. in der Arbeit mit neu einzugewöhnenden Kindern mit Migrationshintergrund, denen durch die vertraute Sprache der Eintritt in den neuen Lebensbereich erleichtert wird. Sie betont aber auch: „Wichtig ist mir vor allem der inklusive Gedanke, denn diese App kann und soll von allen Kindern genutzt werden, egal ob Muttersprachler oder nicht. Sie eignet sich aus meiner Sicht deshalb besonders in der interkulturellen Arbeit.“ Das Feedback aus den Einrichtungen bestätigt ihre Einschätzung: Auch deutschsprachige Kinder sind sehr neugierig und interessiert am Klang der fremden Sprachen und nutzen die App mit ihren Erziehern oder im gemeinsamen Spiel gerne. In Zukunft will man noch enger mit dem Anbieter zusammenarbeiten und u.a. eine „Wunschliste“ mit weiteren Buchtiteln zu Themen wie beispielsweise Partizipation oder Religionspädagogik erstellen.

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