WASSERLIESCH/FLENSBURG/GARMISCH-PARTENKIRCHEN. 1.100 Kilometer, rund 8.000 Höhenmeter, Tag und Nacht im Sattel: Für den Wasserliescher Ultraradfahrer Stefan Feilen steht in diesen Tagen eine der größten Herausforderungen seiner Saison an. Der 49-Jährige startet beim Race Across Germany, das zugleich als Deutsche Meisterschaft im Ultracycling ausgetragen wird. Für Feilen ist es mehr als ein Rennen – es ist eine persönliche Rückkehr zu einer offenen Rechnung.
Vor drei Jahren musste Stefan Feilen seine Teilnahme am Race Across Germany wegen schwerer Kniebeschwerden vorzeitig beenden. Ein sportlicher Rückschlag, der den Ausdauersportler lange beschäftigt hat. Nun will er es erneut wissen.
„Ich möchte dieses Mal nicht nur das Ziel erreichen, sondern auch die offene Rechnung von damals begleichen“, sagt Feilen vor dem Start.
Die Strecke führt von Flensburg bis nach Garmisch-Partenkirchen. Was auf der Landkarte wie eine lange Reise quer durch Deutschland aussieht, ist sportlich ein Extremtest: mehr als eintausend Kilometer, tausende Höhenmeter, Schlafmangel, Schmerzen, Müdigkeit und die ständige Frage, wie lange Körper und Kopf noch mitspielen.
Acht Monate Vorbereitung – 10.000 Kilometer Training
Dass Feilen diese Herausforderung ernst nimmt, zeigt seine Vorbereitung. Seit rund acht Monaten richtet der 49-Jährige sein Training gezielt auf das Race Across Germany aus. Etwa 10.000 Trainingskilometer kamen dabei zusammen.
Es ist die Art von Vorbereitung, die man nicht nebenbei erledigt. Ultracycling bedeutet Verzicht, Struktur, Disziplin und die Bereitschaft, auch dann weiterzumachen, wenn andere längst abgestiegen wären.
Bereits in der vergangenen Saison hatte Feilen gezeigt, dass er auf internationalem Niveau mithalten kann. Bei einem Ultracycling-Rennen in Italien überzeugte er mit einer starken Leistung. Als besondere Anerkennung qualifizierte er sich dort sogar für das legendäre Race Across America, eines der härtesten und renommiertesten Radrennen der Welt.
An diese Entwicklung will der Wasserliescher nun beim Race Across Germany anknüpfen.
Trainingsunfall kurz vor dem Start
Ganz reibungslos verlief die unmittelbare Vorbereitung allerdings nicht. Erst vor drei Wochen wurde Feilen bei einem Trainingsunfall von einem Auto angefahren. Nach seinen Angaben blieben die Folgen glücklicherweise überschaubar. Dennoch kam der Vorfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt – mitten in der entscheidenden Phase vor dem Rennen.
Für einen Ultraradfahrer ist so etwas mehr als eine kurze Schrecksekunde. Es geht um Vertrauen in den eigenen Körper, um Sicherheit auf dem Rad und um die mentale Ruhe vor einem Rennen, das ohnehin alles abverlangt.
Feilen lässt sich davon jedoch nicht stoppen. Der Blick geht nach vorne – Richtung Flensburg, Richtung Garmisch, Richtung Ziel.
Wenn der Kopf wichtiger wird als die Beine
Das Race Across Germany ist kein gewöhnlicher Radmarathon. Gefahren wird Tag und Nacht, möglichst mit nur minimalen Pausen. Nach vielen Stunden im Sattel entscheidet nicht mehr allein die körperliche Leistungsfähigkeit.
Genau darin liegt die besondere Faszination des Ultracyclings. Es ist Sport an der Grenze. Nicht laut, nicht glamourös, aber brutal ehrlich. Jeder Kilometer muss selbst gefahren werden. Jede Schwäche kommt irgendwann. Und irgendwann stellt sich jedem Fahrer dieselbe Frage: Aufhören, oder weiter?
Ein Team, das rund um die Uhr mitkämpft
Allein ist Stefan Feilen bei diesem Abenteuer nicht. Bei einem Rennen dieser Größenordnung steht hinter dem Fahrer ein Team, das fast genauso gefordert ist wie der Athlet selbst. Navigation, Verpflegung, Motivation, Sicherheit, Organisation – vieles muss über Stunden und Tage funktionieren.
Feilen wird während der gesamten Distanz von Ines, Dirk und Fränk begleitet. Das Team sorgt dafür, dass der Fahrer sich auf das konzentrieren kann, was entscheidend ist: fahren, essen, trinken, durchhalten, weiterfahren.
„Mein Dank gilt allen, die mich in den vergangenen Monaten unterstützt haben – sei es durch Motivation, Verständnis oder praktische Hilfe“, sagt Feilen. „Ein ganz besonderer Dank geht an mein Team. Ohne diesen Rückhalt wäre ein Projekt dieser Größenordnung nicht möglich.“
Mehr als nur ein Zielstrich
Wenn in Flensburg der Countdown heruntergezählt wird, beginnt für Stefan Feilen nicht einfach nur ein Rennen quer durch Deutschland. Es beginnt der Versuch, eine alte Enttäuschung hinter sich zu lassen und eine monatelange Vorbereitung in ein starkes Ergebnis zu verwandeln.
Das Ziel in Garmisch-Partenkirchen ist für den 49-Jährigen mehr als das Ende einer Strecke. Es ist die Chance, eine persönliche Geschichte neu zu schreiben.
Vor drei Jahren stoppte ihn das Knie. Diesmal soll es anders laufen. Oder besser gesagt: rollen.

















