Trauma-Expertin nach Amokfahrt in Trier: «Noch ein längerer Weg»

Nach der Amokfahrt in Trier mit 5 Toten und 24 Verletzten läuft die langfristige Nachsorge für Hinterbliebene und Betroffene langsam an. Viele haben die gleichen Symptome - etwa Angst vor Autos.

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Trauerkerzen vor der Porta Nigra
Viele Kerzen stehen nach der Amokfahrt vor der Porta Nigra in Trier. Foto: dpa-Archiv

TRIER. Drei Monate nach der Amokfahrt in Trier mit fünf Toten und vielen Verletzten sieht Trauma-Expertin Sybille Jatzko die Nachsorge für die Hinterbliebenen auf einem guten Weg.

Betroffene seien derzeit dabei, zu einer «Schicksalsgemeinschaft» zu werden, sagt Jatzko. Es habe bereits erste Gespräche gegeben, einen ersten Austausch, ein erstes Kennenlernen. «Sie müssen diesen Weg, der doch so schwer ist, nicht alleine gehen», sagt Jatzko, die mit ihrer Stiftung «Katastrophen Nachsorge» Angehörige, Betroffene und Traumatisierte in Trier begleitet.

«Sie fangen gerade erst an zu lernen, dass eine Gruppe nicht belastend, sondern entlastend sein kann», sagt die Psychotherapeutin, die seit mehr als 30 Jahren Hinterbliebenen nach Katastrophen zur Seite steht. «Sie tauschen Symptome aus, und merken plötzlich, dass alle Angst vor Autos haben, dass sie alle Angst haben, in die Fußgängerzone zu gehen.»

Am 1. Dezember war ein Amokfahrer mit einem Sportgeländewagen durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angesteuert. Neben den Toten gab es 24 zum Teil schwer verletzte Menschen plus rund 300 Personen, die psychische Folgen erlitten haben. Der 51 Jahre alte mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft.

«Die Frage nach dem Motiv für die Tat ist nach wie vor noch nicht geklärt», sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. Das psychiatrische Gutachten, das der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben hatte, liege noch nicht vor. Nach der Tat hatten sich rund 400 Zeugen gemeldet: Die Vernehmungen seien inzwischen abgeschlossen. Die Ermittler seien nun damit befasst, anhand der Vernehmungen und der kriminaltechnischen Untersuchungen die Einzelheiten des Tatgeschehens herauszuarbeiten, sagt Fritzen.

Jatzko schätzt, dass 30 bis 40 Betroffene Einladungen der Stadt Trier und des Opferbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek, zu Treffen angenommen hätten. «Es werden immer mal wieder mehr oder mal wieder weniger sein.» Im März sei noch ein administratives Treffen geplant. Dabei solle es auch um rechtliche Fragen gehen, zum Beispiel, ob die Hinterbliebene in einem Gerichtsprozess gemeinsam als Nebenkläger auftreten wollten.

Möglicherweise von April an werde die Stiftung dann die Nachsorge ganz übernehmen. «Der Weg wird natürlich ein längerer Weg sein. Es wird noch viel und lange darüber gesprochen werden, bis es ganz langsam besser wird», sagt die Expertin. Die Langzeitwirkungen vor allem der Traumatisierten, die sei einfach da: «Es ist eine Lebensveränderung.» Es werde immer mal wieder besser, immer mal wieder schlechter gehen.

Die kurzfristige Krisenintervention direkt nach der Amokfahrt sei in Trier «beispielhaft» abgelaufen, sagt Jatzko aus Krickenbach bei Kaiserslautern. «Das haben die toll gemacht, das große Bemühen war zu spüren.» Jatzko war teils federführend bei vielen Nachsorgen im Einsatz: Nach der Flugtagkatastrophe von Ramstein (1988), dem Flugzeugabsturz der Birgenair (1996), dem Terroranschlag in Bali (2002), der Tsunami-Katastrophe in Thailand (2004), dem Loveparade-Unglück in Duisburg (2010), dem Absturz der Germanwings-Maschine (2015) und der Amokfahrt in Münster (2018).

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1 KOMMENTAR

  1. Das Trauma in Trier wird niemals enden, so lange Raser und Poser in der Stadt unterwegs sind und mit Auspuffgeknalle, ähnlich Fehlzündungen, die Menschen erschrecken. Das muß aufhören. Nummernschild notieren und den Fahrer wegen Lärmbelästigung zur Anzeige bringen.

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