Gewalt gegen Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Sanitäter – Land startet wieder Kampagne

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Ein Aufkleber des Feuerwehrverbands mit der Aufschrift "Gewalt geht gar nicht". Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

MAINZ. Die Kriminalität ist in der Corona-Pandemie zurückgegangen, aber Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat zugleich einen Anstieg von Aggressionen und Gewalt gegen Polizeibeamte ausgemacht.

Von Januar bis September sei eine leichte Zunahme bei diesen Gewaltdelikten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erkennbar – auf insgesamt rund 1230 Taten, darunter 425 tätliche Angriffe, sagte Lewentz am Dienstag in Mainz. Auffällig sei die Zahl der Bedrohungen (plus 20 Prozent) und die Zahl der Fälle von Widerstand gegen Polizisten (plus 7,8 Prozent). Der Innenminister sprach beim digitalen Auftaktgespräch der Landesregierung zu den Aktionstagen 2020 gegen Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Das Motto: „Respekt. Bitte!“

Vielen Menschen fehle jetzt – anders als im Frühjahr – das Verständnis für Kontrollen bei Corona-Maßnahmen, sagte eine 29 Jahre alte Oberkommissarin. In Mainz sei sie auch schon vor Corona als Streifenpolizist fast täglich mit Gewalt, Beleidigungen und sexuellen Übergriffen konfrontiert gewesen, insbesondere nachts und an Wochenenden, wenn Alkohol und Betäubungsmittel die Hemmschwelle senkten.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erinnerte an gewalttätige Übergriffe auf Polizisten in Andernach und Worms in diesem Jahr und betonte: „Ich werde mich persönlich nie mit einer solchen Verrohung in der Gesellschaft abfinden.“ Die Corona-Zeit habe gezeigt, wie wichtige die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes für die Gesellschaft seien. Mit den Aktionstagen wolle die Landesregierung zeigen, „dass wir uns schützend vor unsere Beschäftigten stellen“ und der Öffentlichkeit deutlich machen, dass Respekt und Wertschätzung selbstverständlich sein sollten.

Mehr als die Hälfte der rund 1700 Befragten der Studie mit dem Titel „Retter in Not: Wie sieht es mit der Gewaltzunahme im ländlichen Raum aus?“ seien Rettungskräfte und Sanitäter, etwa 44 Prozent Feuerwehrleute, sagte Jüchser. Die meisten arbeiteten Vollzeit und in ländlichen Regionen mit weniger als 20 000 Einwohnern.

Die Gewalterfahrungen der Helfer reichten von Beschimpfungen und Bedrohung über körperliche und sexuelle Gewalt bis zur gewalttätigen Behinderung von Rettungsmaßnahmen. Die Angst vor Gewalt habe auch zugenommen. Fast jeder Dritte (30 Prozent) habe Angst vor körperlicher Gewalt geäußert. Von denen, die bereits einmal Opfer tätlicher Angriffe geworden sind, sei es sogar mehr als jeder Zweite.

Gut die Hälfte der Teilnehmer wünschten sich deutlich mehr Unterstützung von Öffentlichkeit und Politik, sagte Jüchser. Von denen, die bereits Gewalt-Erfahrungen machen mussten, seien es sogar drei Viertel. Als Beispiele nannte sie mehr Aus-, Fort- und Weiterbildung, bessere Schutzausrüstung und die Ausschöpfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Die Daten für die Studie wurden laut Staatskanzlei flächendeckend für Rheinland-Pfalz erhoben. Insgesamt nahmen mehr als 2500 Menschen aus allen Bereichen des Rettungswesens teil.

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