„Dieses Haus soll ein Bethaus sein“ – junge Christen besuchen die Synagoge in Trier

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Peter Szemere erklärt den jungen Leuten Formen des jüdischen Gebets.

Trier. Ein blockförmiger Bau aus Backsteinen steht in der Trierer Kaiserstraße. Auf dem Dach ist eine kupferne Kuppel, darauf der Davidstern. Über die Geschichte der Trierer Synagoge und das jüdische Gemeindeleben haben sich rund 15 junge Leute auf Einladung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Trier am 13. April informiert. Bei der Führung durch die Synagoge kamen sie auch ins Gespräch mit sechs Jugendlichen der jüdischen Gemeinde.

„Ich finde es schön, dass sie sich für unseren Glauben interessieren“, sagte der zwölfjährige Daniel. Denn mehr über die Religion anderer zu lernen sei wichtig. Daniel geht öfters zum Gebet in die Synagoge. Und er nimmt auch Angebote des Jugendzentrums wahr, die einmal die Woche im Gemeinderaum unter dem Betsaal angeboten werden. Die 19-jährige Sofia leitet das Jugendzentrum. Die junge Jüdin ist zum Studieren von Kaiserslautern nach Trier gekommen. In der jüdischen Gemeinde in Trier hat sie „ein Stück Heimat“ gefunden. Auch sie fand den Besuch der christlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen gut. „Sich für den Glauben anderer zu interessieren zeigt Weltoffenheit.“

„Dieses Haus soll ein Bethaus sein für alle Völker der Welt“, steht auf Hebräisch über dem Eingang zur Synagoge. „Jeder ist jederzeit willkommen“, erklärte Peter Szemere, der die Besucher durch die Synagoge führte. Es sei ein Haus der Versammlung. Neben dem Betsaal und dem Gemeinderaum ist in dem Gebäude auch die Gemeindeverwaltung untergebracht. Auch bei sozialen Belangen von Gemeindemitgliedern kann ihnen hier geholfen werden.

Die Synagoge in Trier.
Die Synagoge in Trier.

1957 wurde die Synagoge in der Kaiserstraße eröffnet. Die alte Synagoge stand in der Trierer Zuckerbergstraße. Sie wurde 1938 beim Novemberpogrom der Nationalsozialisten zerstört. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten rund 800 jüdische Familien in Trier. 14 Juden sind nach der Shoah wieder zurück nach Trier gekommen. In den 1980er Jahren gab es rund 60 Gemeindemitglieder. Durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion hat die jüdische Gemeinde in Trier heute rund 500 Mitglieder.


„Ich finde es gut, dass die Gemeinde wieder so gewachsen ist“, sagte die 21-jährige Besucherin Anna Arent. Als Deutsche und Christen gebe es eine besondere Verantwortung gegenüber der jüdischen Gemeinde. Aber auch insgesamt sei es wichtig, „dass man sich mit allen Kulturen und Religionen auseinandersetzt“, erklärte die junge Frau aus Wittlich-Altrich. Es war ihr erster Besuch in einer aktiven Synagoge. „Es ist sehr interessant“, sagte sie. Besonders beeindruckend fand sie die alten Traditionen, die auch nach tausenden von Jahren im gottesdienstlichen Leben praktiziert werden – von der Kopfbedeckung „Kippa“ bis zum Toraschrein, in dem die fünf Bücher Moses aufbewahrt werden. Daniel Braun (23) aus Wallerfangen hat ein halbes Jahr in Israel studiert. Beim Besuch der Synagoge in Trier wollte er sehen, „wie der jüdische Glaube in Deutschland gelebt wird“, erklärte er. Und er findet es wichtig, „Brücken zwischen den Religionen zu schlagen“.

Um „religiöse Vielfalt“ geht es auch in der Verbandszeitschrift des BDKJ. Daher habe er zu dieser Führung eingeladen, erklärt der Diözesanvorsitzende Michael Kasel. Es sei wichtig, sich auszutauschen und über andere Religionen zu informieren. Es gebe viele Vorurteile in der Gesellschaft, „aber viele wissen gar nicht, wovon sie sprechen“. Der BDKJ möchte dabei helfen, aufzuklären und so für Verständnis untereinander sorgen. Der Besuch in der Synagoge war eine Auftaktsidee. Weitere Aktionen zur „religiösen Vielfalt“ sind in Arbeit.

Weitere Informationen gibt es bei der Jüdischen Kultusgemeinde, Tel.: 0651-9945575, E-Mail: jg-trier@gmx.de und beim BDKJ Trier, Weberbach 70, 54290 Trier, Tel.: 0651-9771-100, E-Mail: info@bdkj-trier.de und unter www.bdkj-trier.de.

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