BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Die Geschichte des Ahrtals und seiner Bewohnerinnen und Bewohner hat sich in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 schlagartig verändert. Bei der Flutkatastrophe starben in Rheinland-Pfalz mindestens 136 Menschen.
Im Ahrtal gehen Schätzungen von rund 42.000 Betroffenen aus, es wurden mehr als 9.000 Gebäude zerstört. Auch nach fünf Jahren ist noch nicht wieder alles aufgebaut. Ein Überblick.
Brücken
Dem Bauministerium zufolge wurden bei der Flutkatastrophe rund 30 Brücken im klassifizierten Straßennetz substanziell beschädigt und zehn Brücken komplett zerstört. Fünf Jahre später seien davon 14 Brücken baulich wieder hergestellt. Dafür fielen Baukosten in Höhe von rund 15,7 Millionen Euro an. Weitere 9 dieser Brücken werden derzeit entweder noch geplant oder bereits gebaut.
Das Ministerium verweist auf eine Vielzahl an Brücken im kommunalen Bereich, über die die Kommunen nicht berichten mussten. Dahinter steckt das Ziel der Landesregierung, Verfahren zu verschlanken und so den Wiederaufbau zu beschleunigen. Ein Beispiel sei etwa die Heppinger Brücke in Bad Neuenahr-Ahrweiler, die mit einer Förderung aus dem Aufbauhilfefonds von rund 6,9 Millionen Euro fertiggestellt wurde.
Kirchen
Von der Flut waren sowohl Gebäude der Katholischen als auch der Evangelischen Kirche betroffen. Für 18 Kirchengebäude wurden Anträge auf Wiederaufbauförderung bewilligt, informierte das Bauministerium. An die betroffenen Kirchengemeinden wurden demnach bis zum 1. Juni 2026 Fördermittel in Höhe von rund 11,1 Millionen Euro für die Kirchengebäude bewilligt.
Schulen
Im Landkreis Ahrweiler waren 17 Schulen betroffen, wie das Ministerium aufzeigt. Bei zwei Schulen – der Grundschule Antweiler und der Grundschule Ahrbrück – ist der Wiederaufbau abgeschlossen. Zwölf weitere Schulen werden aktuell saniert, dazu zählt das Peter-Joerres-Gymnasium in Bad Neuenahr-Ahrweiler, das fast fertiggestellt ist. Voraussichtlich in diesem Jahr sollen es auch die Erich-Kästner-Realschule plus in Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Barbarossaschule in Sinzig auf die Fertig-Liste schaffen. Für drei Schulen wird es dem Ministerium zufolge einen Ersatzneubau geben.
Da die Arbeiten noch laufen, könne das Ministerium noch keine abschließende Kostensumme benennen – es dürfte sich jedoch nach derzeitigen Schätzungen um mehr als 200 Millionen Euro handeln.
Straßen
Im Bereich der Landes- und Bundesstraßen wurden dem Ministerium zufolge mehrere Streckenabschnitte dauerhaft wiederhergestellt:
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- B257 Ortsumgehung Hönningen (1,1 Millionen Euro)
- B267 – Ostportal Tunnel Altenahr (2,4 Millionen Euro)
- L76 von Kreuzberg bis zur L77 mit Ortsdurchfahrt Binzenbach (6 Millionen Euro)
- L77 von der L76 bis zur Landesgrenze mit Ortsdurchfahrt Kirchsahr (2,5 Millionen Euro)
- B267 Ortsdurchfahrt Reimerzhoven (1 Million Euro)
Bahngleise und BahnhöfeErsten Schätzungen der Deutschen Bahn (DB) kurz nach der Flut zufolge wurden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz rund 600 Kilometer Schiene, 50 Brücken, 40 Stellwerke, 180 Bahnübergänge und mehr als 100 Bahnhöfe beschädigt oder zerstört. Die Bahn schätzte die Schadenshöhe auf rund 1,4 Milliarden Euro.
Heute informiert die Bahn: Der Wiederaufbau nach der Flut sei abgeschlossen. Betroffen waren demnach die Ahrstrecke, die Eifelstrecke, die Erftalbahn, die Volmetalbahn und die Voreifelbahn.
Dafür hat die Deutsche Bahn beispielsweise für die stark zerstörte Ahrtalbahn auf der 29 Kilometer langen Strecke zwischen Remagen und Ahrbrück 18 Kilometer Gleise, 22 Brücken, fünf Tunnel sowie zehn beschädigte Stationen wiederhergestellt.
Krankenhäuser
Die Wassermassen beschädigten nach Ministeriumsangaben fünf Krankenhäuser und drei Rehakliniken. Demnach konnte ein Krankenhaus und eine Rehaklinik nach kurzer Unterbrechung wieder in Betrieb gehen. Der Träger des Krankenhauses Trier-Ehrang habe sich dagegen für eine Schließung entschieden.
Aktuell befinden sich laut Ministerium zwei Krankenhäuser im Teilbetrieb, da noch nicht alle Gebäudeteile wiederaufgebaut sind. Die restlichen Häuser seien vollständig im Betrieb. Bis zum 1. Juni 2026 wurden den Angaben nach Aufbauhilfen in Höhe von rund 141,3 Millionen Euro für die betroffenen Kliniken bewilligt.
Kommunen
Der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) lagen nach eigenen Angaben Ende Juni rund 2.600 Förderanträge für die «allgemeine kommunale Infrastruktur» vor – also etwa für Straßen, Wege, Plätze und Schulen. Rund 73 Prozent der Anträge mit einem Volumen von knapp 1,3 Milliarden Euro seien bereits bewilligt. (Quelle: Alina Grünky, dpa)












