Frauenstraflager Flußbach: Vortrag erinnert an fast vergessenes Kapitel der NS-Zeit

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Flußbach. Ein Stück verdrängter Geschichte rückt wieder ins Bewusstsein: Am Freitag, 12. September 2025, lädt die Gemeinde Flußbach gemeinsam mit dem Emil-Frank-Institut Wittlich und dem Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert zu einem Informationsabend über das ehemalige Frauenstraflager Flußbach ein. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Bürgerhaus (Kirchstraße 2).

Ein fast vergessenes Lager im Hunsrück

Das Frauenstraflager Flußbach existierte von 1942 bis 1944 als Außenstelle des Strafgefängnisses Wittlich. Vier große Baracken, zwei kleinere Gebäude und ein Stacheldrahtzaun bildeten die Anlage im Bereich Entelt unterhalb des Kaler Kreuzes. In dieser Zeit waren dort mindestens 1.885 Frauen inhaftiert.

Die Insassinnen stammten aus zwei Gruppen:

  • Französinnen und Luxemburgerinnen, die als politische Gefangene und „Nacht-und-Nebel“-Häftlinge verschleppt wurden. Viele warteten hier auf ihren Prozess.

  • Deutsche Frauen, die als Strafgefangene einsaßen.

Viele von ihnen mussten Zwangsarbeit leisten – nicht nur in Flußbach selbst, sondern an mehr als 26 Außenarbeitsstellen, etwa in der Trockenkartoffelfabrik „Appolonia“ in Gillenfeld, bei der Schuhfabrik Romika in Gusterath oder auf Bauernhöfen in der Region.

Zerstörung und Verlegung

Am 14. Juli 1943 traf ein alliierter Bombenangriff das Lager schwer. Im Spätsommer 1944, als die Front näher rückte, wurden die Frauen in andere Gefängnisse verlegt. Zahlreiche Häftlinge kamen später in Konzentrationslager wie das Frauen-KZ Ravensbrück.

Forschung und Erinnerung

Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels übernimmt seit vielen Jahren die Historikerin Dr. Lena Haase von der Universität Trier. Sie hat sich auf die Schicksale der inhaftierten Frauen spezialisiert und ist Vorsitzende des Vereins Arbeitskreis Erinnerung der Großregion.

Bei dem Vortrag wird Haase neueste Forschungsergebnisse vorstellen und aufzeigen, wie sehr das Schicksal der Frauen aus Flußbach mit der europäischen Geschichte des Zweiten Weltkriegs verflochten ist.

Einladung an alle Interessierten

Ortsbürgermeister Scheibe und VG-Bürgermeister Marcus Heintel betonen, wie wichtig es sei, „das Bewusstsein für dieses fast vergessene Kapitel regionaler Geschichte zu stärken und die Erinnerung wachzuhalten.“

Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, am Vortrag teilzunehmen und mehr über die Geschichte des Frauenstraflagers Flußbach zu erfahren. Der Eintritt ist frei.

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