Sicherheitskonzept für Trier: Nach hitziger Debatte – Stadtrat lehnt „Ringlösung“ ab!

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Die Poller am Domfreihof sind Bestandteil des Urbanen Sicherheitskonzepts, mit dem die Zufahrt in die Fußgängerzone besser kontrolliert werden soll. Foto: Trierer Rathaus Zeitung

TRIER. Das Sicherheitskonzept für die Innenstadt sorgt weiter für hitzige Debatten. Der Stadtrat hat nun die von Dezernent Ralf Britten vorgeschlagene „Ringlösung“ abgelehnt. Stattdessen setzt das Jamaika-Bündnis (CDU, Grüne, FDP) auf ein alternatives Modell mit deutlich weniger Pollerlinien und dem Einsatz von schwerem Stadtmobiliar. Die Entscheidung fiel nach kontroverser Diskussion und bringt eine Neuausrichtung beim Schutz der Innenstadt.

Vom „Wabenkonzept“ zur „Ringlösung“ – und zurück

Nach der Amokfahrt 2020 wurden Schutzmaßnahmen für die Trierer Innenstadt beschlossen. 2021 kam das sogenannte Wabenkonzept, das die Innenstadt in Sicherheitszonen unterteilen sollte. Auf Grundlage dessen präsentierte Dezernent Britten nun ein Zwei-Ring-Modell:

  • Ein äußerer Ring mit festen und versenkbaren Pollern

  • Ein innerer Ring zum Schutz besonders frequentierter Plätze

Doch die Mehrheit im Rat sah darin mehr Risiken als Vorteile.

Jamaika-Bündnis: „Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“

Die CDU kritisierte, dass allein der äußere Ring 11 bis 12 Millionen Euro kosten würde. Fraktionschef Thomas Marx warnte vor übermäßigen Eingriffen in den öffentlichen Raum: „In einer freien Gesellschaft gibt es keine absolute Sicherheit.“

Der Beschlussvorschlag des Bündnisses sieht vor:

  • Konzentration auf stark frequentierte Bereiche: Dom, Hauptmarkt, Stockplatz, Kornmarkt, Palaststraße, Brotstraße-Nord

  • Beschränkung der Neustraße-Durchfahrt

  • Einsatz von Stadtmobiliar (Sitzbänke, Pflanzkübel etc.) als physische Barrieren

  • Reduktion der Pollerlinien von 23 auf 9

Sicherheit durch Blumenkübel?

Defekte Polleranlage in der Meerkatzstraße Trier vor dem Modehaus Marx mit Polizeifahrzeug und Absperrung – Blick Richtung Konstantinbasilika.
Die Polleranlage in der Meerkatzstraße in Trier, unmittelbar vor dem Modehaus Marx und nahe der Konstantinbasilika. Im Bild sichtbar sind mehrere versenkbare Poller, ein Polizeifahrzeug, eine Baustellenabsperrung mit Warnleuchten und ein Hinweis-Schild zur Durchfahrtregelung. Foto: lokalo.de

Der Einsatz von schwerem Stadtmobiliar als Sicherheitsmaßnahme stieß auf geteilte Meinungen. SPD-Politiker Rainer Lehnart kritisierte die Entscheidung scharf: Blumenkübel und Bänke entsprechen nicht den Sicherheitsanforderungen.
Er nannte es „peinlich“, dass die CDU dem Vorschlag ihres eigenen Dezernenten nicht folgte.

Stimmen aus dem Stadtrat

  • Nancy Rehländer (Grüne): „Die Innenstadt soll sicher UND lebenswert sein. Poller-Baustellen helfen da nicht.“

  • Michael Frisch (Die Demokraten): „Seit Jahren warnen wir vor Scheinsicherheit – nun kommt die Kehrtwende.“

  • Matthias Koster (Linke): Unterstützt die Ringlösung – aber offen für Stadtmobiliar, „wenn die Sicherheit nicht leidet“

  • Tobias Schneider (FDP): „Wir brauchen einen klugen Mix – nicht nur Beton.“

  • Marco Berweiler (Freie Wähler): „Poller sind zu fehleranfällig und zu teuer.“

  • Christian Schenk (UBT): „Sicherheit ja – aber ohne eine Innenstadt auszubremsen.“

  • Franz Thiel (AfD): „Sicherheit darf nicht am Geld scheitern.“

Was passiert als Nächstes?

Das zuständige Dezernat V muss nun den Änderungsantrag des Jamaika-Bündnisses prüfen. Eine abschließende Entscheidung ist bis September 2025 geplant. Bis dahin bleibt die Umsetzung offen. Mehr News aus Trier

Dezernent Britten kritisiert neues Konzept

Da Ralf Britten bei der Sitzung fehlte, verlas Dr. Thilo Becker seine Stellungnahme:
Das Jamaika-Konzept biete nur „partielle Sicherheit“. Zudem stehe die gesamte Blaulichtfamilie (Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte) hinter dem Ringmodell.

OB Leibe: „Ein Versprechen an die Opfer“

Oberbürgermeister Wolfram Leibe zeigte sich enttäuscht: „Nach fünf Jahren dachte ich, wir sind am Ziel.“ Er forderte, den Hauptmarkt unbedingt abzusichern – auch mit Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer der Amokfahrt:

„Wir haben versprochen, uns um dieses Thema zu kümmern – und das sollten wir halten.“

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