TRIER. Im Jahr 1926 gab es zwar keine Europameisterschaft, dafür aber ein anderes Großereignis für Fußballbegeisterte in Trier. Als Objekt des Monats präsentiert das Trierer Stadtarchiv eine festliche Schleife, die an ein Duell auf internationalem Niveau erinnert: Am Sonntag, 21. März, trat eine Trierer Auswahlmannschaft gegen den Kader des luxemburgischen Landesverbandes an. Der Anpfiff ertönte um 15 Uhr vor rund 2.000 Zuschauern auf dem Sportplatz im Weißhauswald, der heute als Waldstadion unter Denkmalschutz steht. 1922 war es eröffnet worden.
Während für Trier ausgewählte Fußballer von Trier 05, Eintracht 06 und FV Hansa 1912 aufliefen, schickte Luxemburg seine besten Spieler von Red Boys Differdingen, Fola Esch und dem Hauptstadtverein Spora auf den Platz. Mit wenigen Ausnahmen handelte es sich um erfahrene Nationalspieler. Auf dem Spielfeld tauschten die Mannschaften Souvenirs aus – davon zeugt heute noch die Schleife, die damals an einem Blumenstrauß befestigt war.
Organisiert wurde das prestigeträchtige Duell vom 1920 gegründeten „Zweckverband der sporttreibenden Vereine Triers und Umgebung“, der sich die Förderung von Sport und Spiel auf die Fahnen geschrieben hatte. Der Verband diente als Bindeglied zwischen den lokalen Vereinen und den staatlichen Stellen. Infolge der Demilitarisierungsbestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 war die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland abgeschafft worden, sodass den Behörden an einem sportlichen und jugenderzieherischen Ersatz für den fehlenden Wehrdienst gelegen war. In diesem Sinne betrieb der Zweckverband eine intensive Werbung für allerlei Sportdisziplinen. Dazu gehörten etwa Wettkämpfe im Barren- und Reckturnen, Box-Schaukämpfe, Handballspiele, Staffelläufe, Ruder-Regatten und Radrennen sowie Informationsveranstaltungen und Vorträge von Sportärzten. Das Fußballspiel zwischen Trier und Luxemburg verschrieb sich ebenfalls der Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes und bildete den Höhepunkt des Jahresprogramms. Wie der Trierische Volksfreund am Vortag schrieb, war es „fußballsportlich […] die bedeutendste Veranstaltung vielleicht überhaupt“.
Die Trierer Elf entschied das Spiel mit 2:1 für sich. Dass die Auswahl aus der Moselstadt einen Sieg gegen die hochkarätige Mannschaft aus Luxemburg davontrug, überraschte auch die Experten. Denn bereits nach zehn Minuten hatte der Stürmer und Leistungsträger Fritz „Nippes“ Adams das Spielfeld angeschlagen verlassen müssen.
Außerdem war sein herausragender Sturmpartner, Michael „Mippi“ Walsdorf, erst gar nicht angetreten. Für die Trierer Elf dürfte der sportliche Erfolg am Ende umso bedeutender gewesen sein. Dass die Auswahl das Rückspiel am 3. Oktober in Luxemburg deutlich mit 1:4 verlor, wog deshalb nicht ganz so schwer. Immerhin hatte man vor heimischer Kulisse eine Nationalmannschaft – noch dazu ersatzgeschwächt – geschlagen.
(Quelle: Rathaus-Zeitung)














