Wirtschaftsministerin Schmitt: Kaufverhalten entscheidet über Innenstädte

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Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) im Interview. Foto: Helmut Fricke/dpa

MAINZ. Kaufe ich online oder doch lieber beim Händler vor Ort? Wie die Stadtzentren in Zukunft aussehen, hängt nach Ansicht der Wirtschaftsministerin auch von der Antwort auf diese Frage ab.

Die Menschen in Rheinland-Pfalz entscheiden mit ihrem Einkaufsverhalten darüber mit, wie die Innenstädte in Zukunft aussehen. Das sagte Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) in einem Redaktionsgespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Ich weiß um die wirtschaftlich angespannte Situation vieler Bürgerinnen und Bürger», sagte sie. Aber jeder Einkauf – ob im Laden oder online – sei auch eine Abstimmung darüber, ob es den Händler vor Ort auch in Zukunft noch gebe.

Die Städte stehen nach Ansicht Schmitts vor einem enormen Strukturwandel und großen Herausforderungen. «Wir werden uns – trotz der aktuellen Auswirkungen des russischen Krieges in der Ukraine – damit beschäftigen, welche Rolle die Innenstädte in der Zukunft spielen sollen.» Diese Aufgabe könne man nur in einem breit angelegten Beteiligungsprozess gestalten. «Wir wollen mit den Akteuren vor Ort – den Händlern, den kommunal Verantwortlichen, den Kammern, den Vertretern aus Kunst, Kultur und Gastronomie – passgenaue Konzepte entwickeln», erklärte Schmitt. «Es gibt nicht die pauschale 08/15-Lösung. Was in Pirmasens funktioniert, muss nicht in Neuwied funktionieren.»

Bei einer bereits angelaufenen Workshop-Reihe zu dem Thema sind laut Wirtschaftsministerin an verschiedenen Stationen im Land «viele interessante Ideen und Anregungen für Initiativen» zusammengetragen worden. Ein zentrales Thema sei die Notwendigkeit, mehr Besucher in die Innenstädte zu bringen. «Dabei müssen wir neu darüber nachdenken, was ergänzend zum Einzelhandel in Innenstädten angesiedelt werden kann», betonte Schmitt.

So betreibe zum Beispiel die Handwerkskammer der Pfalz ihr Berufsorientierungszentrum in der Innenstadt von Kaiserslautern, erläuterte die Ministerin. Die Handwerkskammer Rheinhessen etwa biete einen «Maker Space» in der Innenstadt von Alzey, also eine Art Werkstatt zum Ausprobieren von Ideen. Ärztezentren sowie Kunst- und Kulturangebote können nach Ansicht der Wirtschaftsministerin ebenfalls die Zentren beleben. Die Erfahrung zeige auch, dass Bauern- und Winzermärkte viele Besucher in die Städte lockten.

Wirtschafts- und Innenministerium haben nach Schmitts Worten gemeinsam ein breites Förderangebot zusammengestellt, das es ermögliche, Leerstände in Innenstadtlagen übergangsweise zu nutzen. Nach den guten Erfahrungen mit dem Förderprogramm «Digi Boost», das kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Arbeitsprozesse unterstützt, habe das Wirtschaftsministerium nun für die Innenstädte den «City Boost» entwickelt, sagte Schmitt. Dabei werde die Einführung von sogenannten Business Improvement Districts (BID) zur Verbesserung von Standortqualitäten gefördert.

Vor einigen Monaten sei in der Schloßstraße in Koblenz ein entsprechendes Pilotprojekt gestartet, berichtete Schmitt. «Das Programm öffnen wir nun für Initiativen in anderen Städten.» Der «City Boost» ist den Angaben zufolge zweistufig angelegt: Zunächst gibt es 15.000 Euro in der Vorgründungsphase eines BID. Beim Start des Projektes könne ein hauptamtlicher BID-Manager mit insgesamt bis zu 150.000 Euro gefördert werden. (dpa)

3 Kommentare

  1. Der Niedergang der bundesdeutschen Innenstädte, hat nicht primär,
    aber auch etwas mit dem Kaufverhalten zu tun.

    Da spielen auch die nur begrenzt vorhandenen Parkflächen und
    exorbitant gestiegenen Parkgebühren eine Rolle.

    Wenn an gefühlt jeder Ecke, ein Bettler sitzt und man zudem ständig
    von jemandem angesprochen wird, oder Angst haben muß,
    Opfer eines Trickdiebstahls zu werden, meidet man diese Plätze.

    Im Grunde eine ganz einfache Geschichte, die sich nicht jedem
    Politiker erklären läßt…, weil er sie nicht verstehen will.

    Aber das kennen wir ja.

    • @Weber
      Richtig – sehe ich auch so.
      Erst kürzlich erklärte mir und meiner Tochter eine Verkäuferin in einem Trierer Brillenfachgeschäft, als es ums Thema Parkplatzprobleme ging, das die Kunden mit dem Bus in die Stadt fahren sollten, weil die Mitarbeiter:innen der Trierer Geschäfte/Büros die Dauermietparkplätze in den ständig überfüllten Parkhäusern belegen. Ich war der Meinung, diese sollten möglichst Park & Ride, bzw. Jobtickets nutzen, damit die Parkhäuser nicht schon um 10:00h fast voll belegt sind. Immerhin benötigen diese ihr Kfz den ganzen Tag nicht mehr, bis zur Heimfahrt am Abend. Während Kunden häufig mehrere Einkaufsfahrten zusammenlegen…klar, kann man sich darüber streiten. Ich werde künftig meine Brillen ausserhalb der Innenstadt kaufen, sowie mir einen anderen Friseur auswählen. Somit „besuche“ ich diese Trierer Innenstadt höchstens noch zum unvermeidbaren Arzt-, bzw. Krankenhausbesuch. Aber selbst die raren Parkplätze an den Parkhäusern der Trierer Krankenhäusern werden von Stadtbesuchern-, bzw. Beschäftigten (?) belegt. Selbst die Parkzeiten der Kurzzeitparkplätze wurden von 2 Std. auf 1 Stunde verkürzt – in EINER STUNDE ist man kaum vom Arztbesuch, incl. Wartezeit, zurück zum Stellplatz!!!
      Von mir aus kann in der Trierer Innenstadt das Geschäftsleben komplett zum Erliegen kommen, können sich alle bei der Trierer Stadtverwaltung bedanken!

  2. Ach wieso soll ich in deutschen Innenstädten einkaufen, wenn ich über amazon bestellen kann. Während des Lockdowns wurde ich auch ausgeschlossen weil ich von meinem Recht auf körperliche Unversehrtheit Gebrauch machte, können alle bei der Tafel anstehen, mir egal.

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