Trierer Politologe Uwe Jun: Wahlausgang im Saarland hat drei Gründe

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Der Trierer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Uwe Jun in seinem Büro. Foto: Birgit Reichert/dpa/Archivbild

SAARBRÜCKEN. Die SPD im Saarland hat mit ihrer Spitzenkandidatin Rehlinger die absolute Mehrheit der Mandate errungen. Die Hauptgründe für den deutlichen Sieg werden vor allem im Land gesehen.

Das starke Abschneiden der SPD im Saarland ist nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Uwe Jun auf drei Gründe zurückzuführen: «Die Popularität der Spitzenkandidatin, die Schwäche des Hauptkonkurrenten, der einen schwachen Wahlkampf geführt hat, und die Schwäche der kleinen Parteien», sagte der Wissenschaftler der Universität Trier der Deutschen Presse-Agentur. Die SPD habe sowohl von der Schwäche der kleinen Parteien als auch von dem schwachen Wahlkampf des bisherigen Ministerpräsidenten Tobias Hans und der CDU profitiert.

«Die Bundespolitik hat nur eine untergeordnete Rolle gespielt», sagte Jun. Die CDU werde es schmerzen, dass sie ein historisch schlechtes Ergebnis im Saarland eingefahren habe. Aber dies habe sie im vergangenen Jahr auch schon etwa bei der Wahl in Rheinland-Pfalz hinnehmen müssen. «Insofern hat sich der Trend nicht gedreht.» Es war aber «primär eine landespolitische» Wahl. «Sicherlich kann man sagen, dass es für die SPD ganz günstig war, dass im Moment die Zustimmungswerte für die Bundesregierung wieder nach oben gegangen sind.»

Der Politikwissenschaftler sagte, er sehe keinen Grund, warum die SPD mit der absoluten Mehrheit der Mandate nicht eine Alleinregierung wagen sollte. Die Saar-SPD sei «eine eher einheitliche Partei, in der es in der jüngeren Vergangenheit keine größeren Differenzen gegeben hat». Oskar Lafontaine habe 1985 auch schon einmal mit gerade 26 Mandaten für die SPD ohne Koalitionspartner regiert. Der Landtag in Saarbrücken hat 51 Sitze.

Aus CDU-Parteikreisen verlautete, dass die Mandatsträger aus Landesvorstand und Fraktion nun einen Neuanfang wollten. Es sei wohl unvermeidbar, dass Hans als Parteivorsitzender zurücktrete, hieß es. Vermutet wurde, dass er aber Landtagsabgeordneter bleiben werde.

Die Hauptverantwortung für die Wahlniederlage liege bei Hans und der Saar-CDU, weil sie es nicht geschafft hätten, sich von der Bundes-CDU zu emanzipieren, hieß es in Insiderkreisen. Andererseits habe es aber auch von der CDU im Bund keinen Rückenwind für Hans gegeben. (dpa)

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