Trier und Metz beurkunden Partnerschaft nach 64 Jahren

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Erstmals findet die Unterzeichnung einer Partnerschaftsurkunde im Rahmen einer Videokonferenz statt. OB Leibe (l.) begrüßt seinen Metzer Amtskollegen François Grosdidier (Mitte). Dieser wird begleitet von dem ersten Beigeordneten Dr. Khalifé Khalifé sowie von Laurence Molé-Terver, der für die Städtepartnerschaften verantwortlichen Stadträtin. (Foto: Presseamt Trier)

TRIER. Zur großen Überraschung aller Beteiligten stellte sich 2017 beim 60. Geburtstag der Städtefreundschaft zwischen Trier und Metz heraus, dass in keinem der beiden Rathäuser eine Partnerschaftsurkunde aufzufinden war. Das Nachholen dieser offiziellen Besiegelung gestaltete sich aber deutlich komplizierter als gedacht. Der erste Anlauf fand am 20. März 2020 im Rahmen einer Stadtratssitzung in Trier mit dem damaligen Metzer Bürgermeister Dominique Gros statt. Dieser Prozess als Ausdruck der jahrzehntelangen engen Verbindung zwischen beiden Städten wurde dann aber durch die corona-bedingte Grenzschließung im Frühjahr 2020 unterbrochen: Die zweite erforderliche Ratssitzung in Metz konnte nicht mehr stattfinden. Jetzt unterzeichneten bei einer Digitalkonferenz der seit 3. Juli 2020 amtierende Metzer Bürgermeister François Grosdidier und sein Trierer Amtskollege Wolfram Leibe jeweils ein Exemplar des offizielle Dokuments.

Es war der 13. Oktober 1957, als der damalige Trierer Bürgermeister Emil Zenz und sein französischer Kollege Raymond Mondon in der lothringischen Metropole ihre Städtepartnerschaft ausriefen – offenbar jedoch ohne eine Urkunde zu unterzeichnen. „Die damaligen Oberbürgermeister waren flexibel, schnell und unbürokratisch. Sie haben es einfach getan und die Partnerschaft gelebt“, sagte OB Wolfram Leibe in der Ratssitzung 2020 und ergänzte: „Unsere Vorgänger haben die Partnerschaft aufgebaut, wir haben sie fortgesetzt und heute sind die Beziehungen enger denn je, denn wir leben Europa konkret.“ Man stimme sich in der Großregion bei gemeinsamen Herausforderungen immer wieder ab.

Das Thema Herausforderungen spielte auch in den kurzen Reden beider Stadtoberhäupter bei der digitalen Vertragsunterzeichnung am Donnerstag eine wichtige Rolle. Grosdidier blickte zurück auf den Beginn der Pandemie vor einem Jahr: „Trier hat nicht gezögert, uns bei der Versorgung der Covid-Patienten zu helfen.“ Er bedankte sich ausdrücklich für die Unterstützung. Gefühle der Dankbarkeit kamen auch in den Kommentaren von Social Media-Nutzern zum Ausdruck, während Metz die Zeremonie auf seinem Facebook-Portal präsentierte. Leibe ging in seinem Statement ebenfalls auf die Hilfsaktion ein und betonte: „Ich bin mir sicher: Hätte ich in Trier Unterstützung gebraucht, hätte Metz mir genauso geholfen.“

Der OB drückte seine Freude aus, dass es nun gelungen sei, die Unterzeichnungszeremonie nach einem Jahr zu wiederholen und warf einen Blick in die gemeinsame Geschichte: „Die Erinnerung an den Ersten und Zweiten Weltkrieg ist in unseren Ländern noch sehr lebendig. Für uns als Nachkriegsgeneration ist Europa der gemeinsame Auftrag und wir haben ihn durch unsere Städtepartnerschaft eingelöst.“ Gerade mit Blick auf die Pandemie seien offene Grenzen und ein gemeinsames Agieren in Europa sehr wichtig.

François Grosdidier zeigte sich erfreut und stolz über diese Zeremonie und bezeichnete sie als Erneuerung einer außergewöhnlichen Beziehung. Der Metzer Bürgermeister erinnerte an die Opfer der Amokfahrt vom 1. Dezember 2020 in Trier und drückte seine Anteilnahme aus. Er hob zudem hervor, dass die Städtefreundschaft schon mehrere Jahre vor Unterzeichnung des für die deutsch-französische Freundschaft grundlegenden Elysee-Vertrags im Januar 1963 durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer begründet wurde. Die nachgeholte Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags sei ein Zeichen des Vertrauens. Grosdidier sprach sich zudem dafür aus, europäische Ideen noch mehr im Alltagsleben der Bürger zu verankern.

Leibe hatte kürzlich in einem Brief nach Metz die Unterstützung für die Bewerbung der Partnerstadt als Europäische Kulturhauptstadt 2022 zum Ausdruck gebracht. Die Entscheidung fällt Ende März. Wenn Metz den Zuschlag erhält, gibt es nach Aussage von Leibe „noch viel mehr Gründe nach Metz zu fahren, nicht nur für den Oberbürgermeister“. Grosdidier bedankte sich für die Trierer Unterstützung bei der Bewerbung.

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