Gezieltes Impfen und Testen muss Lockerungen begleiten

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Ministerpräsidentin Malu Dreyer; Foto: dpa

MAINZ. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verspricht sich von der Ankündigung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu neuen Empfehlung für den Impfstoff Astrazeneca schnellere Fortschritte beim Impfen älterer Menschen.

„Es ist eine gute Nachricht, dass die Ständige Impfkommission prüft, den Impfstoff Astrazeneca bald auch für Menschen über 65 freizugeben“, sagte Dreyer am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Die Europäische Arzneimittelagentur hatte dies bereits Ende Januar eigentlich ermöglicht.“ In Deutschland seien aber weitere Tests abgewartet und „offenbar für gut befunden“ worden.

„Sollte dies geschehen, könnten gerade Menschen über 65, die nach wie vor als besonders gefährdete Menschen gelten, früher und schneller geimpft werden“, sagte Dreyer. „Wenn wir diesen Menschen jetzt eine Impfung mit Astrazeneca anbieten können, gewinnen wir sehr viel Zeit und Sicherheit. Wir wissen, dass bereits die erste Impfung einen sehr großen Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe darstellt.“ Gezieltes Impfen und Testen müssten die Öffnungen von Einzelhandel, Kultur und Gastronomie begleiten. „Diese Kriterien müssen neben dem Inzidenzwert und der Situation in den Krankenhäusern die Messgrößen sein“, sagte Dreyer vor dem Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin an diesem Mittwoch.

Der Chef der Stiko, Thomas Mertens, hatte angekündigt, es werde „sehr bald zu einer neuen, aktualisierten Empfehlung kommen“. Die Stiko hatte – anders als die EU-Arzneimittelbehörde EMA – den Impfstoff vorerst nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen, weil Daten zur Wirkung bei Älteren fehlen.

„Ich sehe das total kritisch, jetzt Impfprioritäten zu verschieben“, sagte Dreyer. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte angesichts von Vorbehalten gegen Astrazeneca eine neue Impfpriorisierung angeregt. „In Rheinland-Pfalz haben wir keinen ungenutzten Überschuss an Astrazeneca-Impfstoff“, betonte Dreyer.

Rheinland-Pfalz gehört beim Impfen zur Spitzengruppe in Deutschland und hat derzeit den niedrigsten Inzidenzwert aller Bundesländer – die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. „Jede Dosis des bisher gelieferten Impfstoffs ist mit einer konkreten Planung für die kommenden Wochen belegt.“ Und: „Wir nehmen auch eine große Akzeptanz und Impfbereitschaft gerade auch für Astrazeneca wahr“, sagte die SPD-Politikerin.

„Wenn irgendwann so viel Impfstoff kommt, wie der Bund uns das immer ankündigt, dann können wir uns schon gut vorstellen, dass wir dann auch die Gesamtgruppe der Lehrer mit da reinnehmen“, sagte Dreyer. Seit diesem Montag werden auch Erzieher sowie Grund- und Förderschullehrer in Rheinland-Pfalz gegen das Coronavirus geimpft.

Außer in den 32 Impfzentren des Landes werde auch in Krankenhäusern, den Einrichtungen der Eingliederungshilfe, der Polizei und im Justizvollzug geimpft. „Sollten trotzdem Impfberechtigte ihren Termin nicht wahrnehmen, so gibt es bereits von Anfang an Listen von Nachrückern aus der jeweiligen Prioritätsgruppe.“ Das organisierten die Impfzentren selbstständig und dezentral.

Dreyer bedankte sich bei den Rheinland-Pfälzern für die Einhaltung der Corona-Regeln. „Wir haben als Landesregierung große Anstrengungen unternommen, um die Infektionszahlen zu drücken. Das kann aber nur gelingen, wenn die Bevölkerung mitmacht“, betonte die SPD-Politikerin. Die guten Werte zeigten: „Wir sind ein Zusammenhaltsland.“

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2 KOMMENTARE

  1. Alles gut und schön. Frage mich nur welche Töne generell angeschlagen werden würden, wenn es kein Wahljahr wäre. Habe selber Gastronomie und würde mich sehr über eine Öffnung freuen! Aber sollte das Motiv dafür politisch motiviert sein, dann wäre das falsch. Was passiert denn, wenn man öffnen darf und zwei Wochen später muss man wieder schließen? Die Impfungen sind noch nicht weit genug und das wird noch länger so sein. Der Unterschied wäre einzig, dass Wahlen vorbei, Machtverhältnisse geklärt und mancherleuts Tücher im Trockenen wären.
    Corona schert sich einen Dreck um Wahlen. Corona schert sich einen Dreck um Parteizugehörigkeiten. Ich hoffe nur, dass weise entschieden wird. Wenn Öffnungen zur jetzigen Zeit alles wieder verschlimmern, dann hat man schön alles hochgefahren und muss schnell wieder schließen. Aber wie gesagt… dann wären die Wahlen ja vorbei.
    Frau Dreyer – sind Sie sich derart unsicher, dass sie das wirklich erwägen müssen?

  2. Die Landesregierung unter Frau Dreyer versagt leider in der Pandemie. Man hört zu sehr auf wenige laute Schreihälse und die Wirtschaft.
    Es wurde gelogen, was die Sicherheit n Schulen und Kindergärten anbelangt, obwohl schon lange wissenschaftliche Fakten dagegen sprechen.
    Was den Astra Impfstoff angeht, glaube ich Frau Dreyer auch nicht. Die Stadt Trier hat es bereits auf dem offiziellen Twitteraccount bestätigt, dass es Probleme dahingehend gibt. Herr Söders Vorschlag, Astra für alle freizugeben, die sich impfen lassen wollen, ist gut und sinnvoll. Auch hier stellt sich Dreyer wieder quer.
    Ich kann nur hoffen, dass bei der Landtagswahl daraus Konsequenzen gezogen werden und diese Regierung(en) aus dem Landtag gewählt wird! Einziges Problem: Sämtliche etablierten Parteien und auch die A*D sind einfach nur verlogen und verfolgen bloß Eigeninteressen. Wen also wählen?
    Meine Wahlempfehlung an alle Leser: Die Partei, die Piraten oder die Klimaliste wählen!

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