Sexueller Missbrauch und Stockschläge: Zwischenbericht zu Übergriffen in Eifel-Internat

Viele Gewaltvorwürfe: Zahlreiche Männer berichten von Schrecken ihrer Kindheit in einem früheren katholischen Internat in der Eifel. Ihre Aussagen spielen eine zentrale Rolle in einem Aufarbeitungsprojekt.

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Foto: dpa-Archiv

TRIER/GEROLSTEIN. Sexueller Missbrauch und Stockschläge: Die beiden Leiterinnen eines kirchenunabhängigen Projekts zu mutmaßlichen Gewalttaten an Schülern in einem früheren katholischen Internat in Gerolstein haben einen Zwischenbericht vorgestellt.

Herzstück des Aufarbeitungsprojekts mit Blick auf das einstige Jungeninternat Albertinum Gerolstein in der Eifel seien 25 anonymisierte Interviews mit ehemaligen Schülern, erklärte die Rechtsanwältin Bettina Janssen am Mittwoch laut Mitteilung in Trier. «Hinzu kommen sieben schriftliche Erfahrungsberichte.»

In dem 25-seitigen Zwischenbericht heißt es: «Bislang wurden acht männliche Fachkräfte beschuldigt, Gewalt ausgeübt zu haben.» Der Vorwurf der sexuellen Gewalt richte sich gegen vier davon. Drei Beschuldigte seien inzwischen gestorbene Priester. Das Internat in Trägerschaft des Bistums Trier existierte von 1946 bis 1983.

Ehemalige Schüler berichten in dem Zwischenbericht etwa von sexuellem Missbrauch beim Duschen und Klavierspielen. Auch von Ohrfeigen, Kopfnüssen, Backenkneifen, Stockschlägen und Haarziehen ist die Rede. Ebenso von Ausgangssperren auch am Wochenende und Geldstrafen wegen banaler Anlässe. Und von zeitweise verbotenen Toilettengängen.

Ein ehemaliger Schüler sagte laut Mitteilung: «Die Mitwirkung am Aufarbeitungsprojekt wühlt mich regelmäßig auf, doch ich fühle mich, nach Jahren, auch von einigen Lasten befreit.» Ein anderer Ex-Schüler wünschte sich, dass solche Projekte dazu führten, künftig ähnliches Leid bei Kindern zu verhindern.

Laut der Projektleiterin Janssen soll der Zwischenbericht weitere Ehemalige ermutigen, «ihre Erfahrungen offenzulegen». Der Abschlussbericht des im Oktober 2019 begonnenen Projekts ist für Ende 2021 angekündigt. Er soll auch die Rahmenbedingungen der damaligen Erziehung, Bildung, Familien, Gesellschaft und des Bistums Trier beleuchten.

Bei dem Projekt handelt es sich laut seinen Leiterinnen um die erste einrichtungsbezogene und unabhängige Aufarbeitung im Bistum Trier. Die Kosten werden nach früheren Angaben nicht aus Kirchensteuereinnahmen beglichen, sondern vom Bischöflichen Stuhl.

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