Neue Feuerwehrhauptwache – Spitzmühle oder ehemaliges Polizeipräsidium?

Bildquelle: Feuerwehr Trier

TRIER. In einer Marathonsitzung hatte der Trierer Stadtrat gestern einen wahren Berg an Entscheidungen zu treffen und abzuarbeiten. Eines der Themen war der Standort der neuen Feuerwache. Zwar ging es noch nicht um den Startschuss für einen Neubau, aber die ins Auge gefassten Standorte sollten in einer Prioritätenfolge eingeordnet werden.

Vier mögliche Standorte werden derzeit für die dringend notwendige neue Hauptfeuerwache der Stadt Trier in die engere Wahl gezogen. Bei allen gibt es Probleme, die geklärt werden müssen, bevor es den ersten Spatenstich geben kann. Beigeordneter Thomas Egger als Leiter des Amtes für Brand-, Zivilschutz und Rettungsdienst hatte dem Rat eine Beschlussvorlage zukommen lassen, in der er in einer Prioritätenliste die in Frage kommenden Gelände aufgelistet hat.
Eine große Anzahl von Mitarbeitern der Trierer Berufsfeuerwehr war in Uniform zu der Sitzung gekommen und zeigte damit, wie groß das Interesse der Wehrleute an dieser Entscheidung ist. Einhellig waren dann auch die Äußerungen der einzelnen Fraktionen, die allesamt bekundeten, dass ihnen die Dringlichkeit einer neuen Hauptwache ist. Sie dankten den Wehrleuten, dass sie trotz der unwürdigen Zustände, die in der alten Wache herrschen, trotzdem unverdrossen ihren Dienst für die Sicherheit der Stadt und der Bevölkerung versehen.

10.000 bis 12.000 Quadratmeter werden gebraucht
Verschiedenste Bedingungen müssen für ein neues Gelände der Hauptwache beachtet werden. So muss es nach den Erfordernissen eine Größe von 10.000 bis 12.000 Quadratmetern haben. Der Standort muss so gewählt sein, dass die Einsatzkräfte von der Wache auch in der Regel zu jeder Zeit jeden an einer öffentlichen Straße gelegenen Ort in ihrem Zuständigkeitsbereich innerhalb einer vorgeschriebenen Einsatzgrundzeit zu Hilfe eilen können.


Egger favorisiert den Standort Spitzmühle für eine neue Brandzentrale. Es wäre mit derzeit geschätzten 37,4 Millionen Euro und mit einer, nach derzeitigem Stand der Dinge, möglichen Fertigstellung in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 die preiswerteste und schnellste Lösung, die sich anbietet. Zusammen mit der Feuerwache II in Ehrang, so sagt es die Vorlage Eggers, bietet dieser Standort von allen anvisierten auch den besten Abdeckungsgrad der vorgegebenen Einsatzgrundzeiten, wobei die direkte Anbindung an die Metzer Allee mit der Möglichkeit, dass mehrere Einsatzfahrzeuge zugleich ausrücken können, einen deutlichen Vorzug bildet.

Neue Außensportanlage für das FWG
Es gibt aber auch Probleme mit dem Gelände. Klimaökologische Bedenken sind, so die Egger-Vorlage, durch Gutachten inzwischen ausgeräumt. Und auch die Einwände der Kleingärtner, die durch den Bau ihre Parzellen verlieren würden, konnten mit dem Vorstand der Kleingartenanlage inzwischen geklärt werden. Ebenso wäre ein Ersatz der Außensportanlagen des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in der Planung vorgesehen.
Es bleibt das für Trier typische Problem der Archäologie. Auch Egger räumt ein, dass das Gelände unter diesem Gesichtspunkt noch nicht untersucht ist. Es scheint aber auch sicher zu sein, dass sich hier eine römische Tempelanlage befindet. Bevor hier also die Bagger anrollen können, wird das Landesmuseum zunächst einmal seine Arbeit aufnehmen müssen. Und noch ein weiteres Problem könnte sich bei den Ausgrabungen ergeben. Nämlich das von Altlasten von einer Gerberei, die auf diesem Gelände einmal stand. Hier könnten eventuell zusätzliche Kosten für die sachgerechte Entsorgung auf die Stadt zukommen.

Polizeipräsidium an zweiter Stelle
An zweiter Stelle kommt der Standort Polizeipräsidium. Die Vorlage aus dem Haus Egger zählt eigentlich nur Nachteile dieses Standortes auf, angefangen damit, dass das Gelände mit 9.600 Quadratmetern zu klein ist. Dies würde bedeuten, dass es eine Auslagerung von Einsatzfahrzeugen geben müsste, die dann aber einen erhöhten Personalaufwand und damit erhöhte Kosten darstellten. Auch die Alternative eines Grundstücksankaufes, um das Gelände zu vergrößern, wird in der Vorlage mit erheblichen Zusatzkosten verbunden.
Gegen die ehemalige polizeiliche Schaltzentrale spricht auch die verkehrstechnische Anbindung. Das rechtzeitige Freihalten der Straße im Einsatzfall ist laut Egger zumindest schwierig und bedeutet die Verlängerung der Einsatzgrundzeit um wahrscheinlich eine Minute. Das klingt nach nicht viel, aber bei einem Einsatz der Feuerwehr zählt eben jede Minute. Eine Fertigstellung wäre erst Anfang 2021 zu erwarten.

Doch ein Hotel an den Kaiserthermen?
Aufmerksam musste man allerdings werden, als Michael Frisch von der AfD anmerkte, Oberbürgermeister Klaus Jensen habe unlängst bei einer Ausschusssitzung davon gesprochen, dass das Land an dem Gelände großes Interesse habe. Zwar dürften darüber noch keine Einzelheiten bekannt gegeben werden, aber Jensen habe gesagt, dass die Planungen für Trier von großem Interesse seien. lokalo.de hatte im August letzten Jahres schon darüber berichtet, dass es eine große Hotelkette gibt, die an diesem Gelände Interesse hat. Ein Hotel mit direktem Blick auf die Kaiserthermen hätte natürlich einen sehr großen Standortvorteil.

Das alte Polizeipräsidium in der Südallee. Entsteht dort ein neues Hotel?
Das alte Polizeipräsidium in der Südallee. Entsteht dort ein neues Hotel?

Erst Anfang 2023 wäre die Fertigstellung einer neuen Hauptwache auf dem Gelände des Betriebshofes der Stadt und der ART in der Löwenbrückener Straße. Gegen eine Realisierung sprechen aber auch hier unterschiedlichste Gründe. So ist hier eigentlich eine Wohnbebauung vorgesehen. Kritischer aber dürfte das Fehlen des Geländes an das Hauptstraßenverkehrsnetz sein. Bevor die Einsatzfahrzeuge eine Hauptstraße erreichen, müssten, so sagt es der Egger-Bericht, erst enge Straßenräume durchfahren werden.
Ähnliche Probleme gibt es beim vierten Standort, der ins Auge gefasst wird, dem SWT-Betriebshof in der Ostallee. Auch wären, bedingt durch die Lage, im Einsatzfall nahezu 8.000 Einwohner nicht mehr in den vorgeschriebenen Zeiten zu erreichen.

Spitzmühle und Polizeipräsidium gleichauf
Ein Antrag der AfD, einen Beschluss über die Gewichtung der einzelnen Standorte insgesamt zu verschieben, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Ebenso erging es dem Antrag der Bündnis-Grünen, die den Standort Polizeipräsidium favorisieren und eine genauere Erkundung des Anwesens Ostallee forderten. Sie sprechen sich gegen die Spitzmühlenlösung aus und geben dafür stadtökologische und klimatische Gründe an.
Angenommen wurde dagegen ein gemeinsamer Antrag von SPD und CDU, die Standorte Spitzmühle und Polizeipräsidium gleichwertig zu behandeln und auf die Machbarkeit zu prüfen. Damit wurde mit den entsprechenden Änderungen der Antrag Eggers angenommen und gleichzeitig wurde ein Betrag von 90.000 Euro für die erforderlichen archäologischen Grabungen und die Altlastenuntersuchung bewilligt.

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3 KOMMENTARE

  1. Auf welcher Grundlage basieren die Werte, nach denen der Standort erkoren werden soll? Nach den derzeitigen Verhältnissen oder sind hierbei bereits die geplanten Baugebiete in Ruwer, Irsch, Filsch, Mariahof und ins besonders Zewen und Kockelsberg mit einkalkuliert? Welche Verkehrswege und Zeiten werden zugrunde gelegt? Die aktuellen oder die geplanten? Wenn z.B. die neuen Straßen ( Erschließung Höhenstadtteile / Moselbahndurchbruch/ Osttangente / Umgehung Zewen ) nicht kommen, jedoch die neuen Stadtgebiete, wie will man dann vom Ostkreisel aus z.B. mittags um 16 Uhr mit den 16 Tonnern innerhalb 8 Minuten nach Zewen kommen? Oder auf den Kockelsberg/Sevenicher Hof? Wie lange verzögern sich die Einsatzzeiten des Rettungsbootes auf der Mosel, wenn die Besatzung erst mal dahin fahren muss? Wäre es nicht Zukunftsorientierter, den jetzigen Standort beizubehalten ( mit Neubau an der Stelle) und z.B. eine zusätzliche Staffelwache nach Frankfurter Vorbild auf die Höhe im Uni-Umfeld zu setzen? Fragen über Fragen .

  2. @ R.Roos sehr gute Einwände,die bei den Verantwortlichen vorrausschauendes Denken und Handeln
    vorraussetzt, und da sehe ich dunkel/grün!

    • Der Einwand, der dann immer kommt: Kostet Geld. ( Feuerwehr: 150 bezahlte Kräfte, Theater: 230 ).
      Wußten Sie, das die (Freiwilligen)Feuerwehrleute sogar das Klopapier und die Putzutensilien in den Feuerwachen selbst bezahlen müssen? Teilweise sogar die Schutzausrüstung wie Stiefel/Handschuhe? So sieht es in Trier aus. Und die Verwaltung wundert sich, wieso immer weniger Leute Lust auf Ehrenamt haben.

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