Menschen aus der Region – Im Porträt: Fotografin und Bloggerin Lydia Thielgen

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Bildquelle: Lydia Thielgen, Lydia Thielgen , Lydia Thielgen Fotografie

Im Rahmen unserer Szene-Porträts stellen wir interessante Persönlichkeiten aus der Region vor. Diesmal haben wir Lydia Thielgen getroffen. Sie führt in Trier einen beliebten Lebens-und Modeblog, in dem sie offen und ehrlich über das schreibt, was sie berührt und dabei nicht vor schwierigen Themen zurückscheut.

Hallo Lydia, Du arbeitest hauptberuflich im Gesundheitswesen, worin besteht dein Beruf genau?

Ich arbeite als sogenannter Clinical Coder. Vor 10 Jahren habe ich mein Examen in der Krankenpflege gemacht und auch einige Jahre in einer Onkologie gearbeitet. Ich musste diesen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, was mir damals sehr schwer gefallen ist. Aus heutiger Sicht bin ich aber sehr glücklich, denn ich habe noch die Möglichkeit, gelegentlich in diese Tätigkeit einzutauchen. Ich spreche allen Krankenschwestern meinen größten Respekt aus. Es gibt kaum einen Beruf, der soviel von einem abverlangt.

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Wie lange bist du schon in Trier?

2004 sofort nach meiner Ausbildung bin ich nach Trier gezogen und hier bin ich noch heute. Öfter hatte ich die Ambitionen, von Trier wegzugehen, insbesondere Berlin hat mich gereizt. Aber Trier ist meine Heimat und egal wie oft und wohin ich verreise, ich habe immer Sehnsucht nach dieser Stadt.

Was magst Du besonders an Trier?

Inzwischen mag ich genau das, was ich früher gehasst habe, z.B. wenn ich morgens zum Bäcker gehe und nicht mehr sagen muss, was ich gerne hätte, weil man sich mein Gesicht und meine Vorlieben schon eingeprägt hat. Das bringt mich immer wieder zum Schmunzeln. Besonders mag ich Trier aber wegen den Menschen, die hier leben und die ich liebe. Die Trierer haben eine spezielle Mentalität, aber wurde man einmal in ihr Herz geschlossen, bleibt man auch dort. Ich finde die Trierer sehr bodenständig.

Welche sind Deine Lieblingsplätze in Trier?

Es gibt viele Orte, die ich gerne habe. Jeden Tag, wenn ich durch die Fußgängerzone zur Arbeit gehe, erfreue ich mich an dieser. Trier hat eine der schönsten Fußgängerzonen, die ich bisher gesehen habe. Ich liebe auch die Altbauten mit ihren Fassaden. Im Sommer bin ich am liebsten im Palastgarten und  fotografiere dort viel, weil alles immer perfekt gepflegt ist und schöne Kulissen bietet.

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Wann hast Du damit angefangen deinen Blog Lydialiebt.com zu schreiben?

Am 19.05.2014 habe ich den Blog lydialiebt.com gestartet. Davor habe ich schon eine ganze Weile viele andere Blogs gelesen, die mich auch dazu inspiriert haben. Ich hatte Lust, etwas Kreatives anzufangen und da ich gerne schreibe und fotografiere, war dies für mich eine gute Option. Eigentlich wollte ich mich selbst gar nicht so präsentieren und habe auch angefangen meine Freundinnen dafür zu fotografieren. Dass sich aus einfachen Outfitshootings dann eine so intensive Leidenschaft entwickelt, war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar.

Welche Themen behandelst du in deinem Blog?

Ich schreibe über alles, was mein Herz begehrt: Mode, Reisen und emotionale Themen wie Freundschaft. Einen richtigen roten Faden gibt es noch nicht, weil ich mich für viele Themen begeistern kann. Mir macht es einfach Spaß, mich immer wieder in neue Gebiete einzulesen und zu recherchieren. Im Vordergrund stehen aber zumeist die Fotos, die ich für den Blog mache. Bis auf gelegentliche Fotostrecken, die ich von anderen Fotografen veröffentliche, stammen alle Bilder aus meiner Kamera. Nur über Mode zu schreiben wäre mir zu einseitig. Geschichten über persönliche Erfahrungen sind das, was die Menschen wirklich interessiert. Texte, in denen man sich selber wiederfindet.

Du schreibst aber auch über persönliche Dinge. Wieso hast du dich für einen so persönlichen Ton in deinen Posts entschieden?

Diese Entscheidung war gar nicht so leicht. Zu Beginn hatte ich noch ein ziemliches Problem, mich selbst so zu exponieren, weil ich Angst vor negativen Äußerungen  hatte. Wenn man sich auf diese Weise darstellt, wird man von den Menschen schnell als Narzisst abgestempelt.  Durch den stetig wachsenden Zuspruch von Freunden und Bekannten habe ich mich aber Stück für Stück getraut, mehr von mir preiszugeben.

Zu diesen persönlichen Dingen gehört auch deine Krankheit…

Ja, ich leide seit 14 Jahren an der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn. Dies ist kein Grund mich zu schämen. Ganz im Gegenteil, ich bin stolz darauf, dass ich trotz meiner Schwerbehinderung meine Träume verwirkliche und mein Leben nicht von der Krankheit dominieren lasse. Die Krankheit gehört zu mir und ich habe gelernt, damit zu leben. Klar wäre es schöner, gesund und unbelastet zu sein, doch dann wäre ich heute bestimmt ein anderer Mensch mit weniger Einfühlvermögen. Es gibt zwar auch schlimme Tage, an denen ich kaum Kraft und viele Schmerzen habe. Aber das trübt nicht meine positive Grundstimmung.

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Wann hast du angefangen zu fotografieren?

Meine erste Spiegelreflexkamera habe ich mir vor 8 Jahren gekauft. Die Kamera war zuvor aber nur auf Reisen im Einsatz. Im Mai habe ich Outfitfotos von meiner Freundin in Düsseldorf gemacht. Das hat mir soviel Freude bereitet, dass ich dann nicht mehr damit aufhören konnte und seitdem auch Menschen fotografiere.

Was fasziniert dich an der Fotografie?

Emotionen auf Bildern zu dokumentieren. Wenn man auf einem Bild Liebe sehen kann, oder das Gefühl hat, den Menschen hinter der Fassade sehen zu können. Wenn sich Menschen auf meinen Bildern betrachten und sich selbst darauf schön finden, dann ist das ein tolles Gefühl. Fast jeder sagt zu mir Sätze wie „ich bin aber nicht fotogen“ etc. und bisher konnte ich für jeden etwas Schönes herauskitzeln. Das ist die Kunst an der Fotografie. Sich auf den Menschen einzulassen und ihm ein vertrautes Gefühl zu geben, dann entstehen die schönsten Bilder.

Wo und wovon lässt Du dich inspirieren?

Meistens auf Reisen, ich mache sehr gerne Städtetripps und schaue mir dort immer viele neue Streetstyles ab. Meine Lieblingsstädte sind Lissabon, London, New York und Berlin. Was die Fotografie angeht bin ich ein Fan von Emily Soto, die wundervolle zerbrechliche Bilder macht. Inspiration findet man überall, ob nun auf der Straße, in Zeitschriften, durch gute Filme, andere Modeblogger und Fotografen oder beim Spazierengehen.

Was bedeutet „Mode“ für Dich?

Moden sind Momentaufnahmen innerhalb eines fortwährenden Wandels. Im Gegenzug dazu gibt es Klassiker, die sich über einen längeren Zeitraum durchsetzen. Diese beiden Komponenten  miteinander zu verbinden wäre für mich persönlich stilvoll, z.B. die klassische Chanel Tasche mit einem modernen Outfit. Solange man ein Kleidungsstück mit voller Überzeugung trägt, kann es niemals unmodern sein. Kleidung  ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Wie könnten wir anders unser Innerstes nach außen kehren, wenn nicht über unseren Stil.

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Beschreibe kurz deinen Kleidungsstil!

Meinen Stil würde ich als schlicht und bequem bezeichnen. Komfort und Gemütlichkeit sind mir bei meiner Kleidung sehr wichtig. Ich spiele dabei aber auch gerne mit dem femininen mädchenhaften, was ich ausstrahle, da ich immer  jünger geschätzt werde. Ich trage am liebsten Röcke oder Kleider, im Sommer wie im Winter, lange Cardigans und schicke Boots dazu. Generell verzichte ich auf zu viel Freizügigkeit – ein tiefes Dekolleté oder ein zu kurzer Rock passen einfach nicht zu mir. Ich finde weniger ist immer mehr. Das gilt auch für Schmuck. Ich trage höchstens eine Uhr und immer flache Schuhe.

Was ist dein Lieblings-Kleidungsstück?

Im Moment bin ich fixiert auf rosa und trage total gerne einen flauschigen Pulli, in dem ich, wie mein Kollegin sagt, aussehe wie ein süßes frisch geschlüpftes Küken. Zur Kleidung gehört für mich auch die Handtasche – Handtaschen sind übrigens meine Schwäche. Ansonsten trage ich gerne Biker Jacken und karierte Hemden.

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Bist Du glücklich und was bedeutet Glück für dich?

Ich bin sehr glücklich. Glück sind für mich die kleinen Dinge im Leben, eine liebe Geste, eine Umarmung, ein herzhaftes Lachen, sich gesund und vital zu fühlen, einen freien Geist zu haben, Freunde, die hinter einem stehen, eine Arbeit zu haben, die einen erfüllt und positiv zu denken, obwohl die Lage vielleicht aussichtslos ist. Glück ist nichts, was einem einfach so zufliegt. Man muss dafür auch etwas geben und es sich erarbeiten.

Ich habe mir irgendwann mal vorgenommen, jeden Tag mindestens einen Menschen auf irgendeine Art glücklich zu machen. Sei es durch ein Kompliment, eine Hilfestellung oder einfach durch Zuhören. Das Gefühl, jemandem ein Lächeln geschenkt zu haben, ist das pure Glück und kommt in der Regel auch doppelt zurück. Solch eine Einstellung zu bekommen, bedarf aber auch an ganz viel Selbstreflektion und Einsicht über vergangenes Fehlverhalten. Ich habe mich früher bestimmt nicht immer beliebt gemacht, weil ich mit dem Glück anderer nicht klar kam, wenn es mir selbst nicht gut ging. Wenn man ganz unten am Boden ist, gehört viel Charakter dazu, anderen ihr Glück zu gönnen. Das habe ich inzwischen gelernt.

Wo siehst Du dich in 5 Jahren? Was sind deine Träume?

Ich plane nicht soweit im Voraus, weil meine Krankheit mir schon oft einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Ich bin aber auch kein Typ Mensch, der in den Tag hineinlebt, sondern versuche mir kurzfristige Ziele zu setzen. Das bewahrt vor Enttäuschung und setzt einen nicht unter Druck.

Dafür Träume ich umso mehr. Ohne das Träumen wäre das Leben auch sinnlos. Ich bin ja nun schon 30 und hätte gerne irgendwann ein Kind. Aber ob das klappt, ist leider nicht so gewiss, da durch meine Medikamente mein Immunsystem sehr geschwächt ist. Ich möchte noch viel von der Welt sehen und ganz viel reisen.  Mein absoluter Traum ist es, einmal Machu Picchu zu sehen. Ich will mich in Zukunft mehr engagieren, sei es für Obdachlose, Tierschutz oder die Asylbegehrenden, deren Schicksale mir unheimlich nahe gehen.

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Was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ein Buch und einen Stift, um meine Gedanken zu Papier zu bringen. Einen Jahresvorrat an Capri Sonne, danach bin ich nämlich süchtig und meine kleine Spieluhr aus Paris, die die Melodie von der „fabelhaften Welt der Amelie“ vorspielt. Das beruhigt mich und ist einfach wunderschön anzuhören.

Hast Du ein Lebensmotto?

„Wer immer nur tut, was er schon kann, bleibt auch immer nur das, was er schon ist.“  Diesen Satz habe ich mal in Berlin-Friedrichshain an einer Hauswand gesehen und er hat sich bei mir eingebrannt. Für mich gibt es nichts Schlimmeres als Stillstand. Deshalb probiere ich auch immer wieder Neues aus, weil ich sonst das Gefühl habe im Leben nicht weiterzukommen. Mich mit einem gewöhnlichen Alltag abzufinden, wäre für mich der Untergang.

„Das Leben ist wundervoll. Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben. Aber dann geschieht etwas Neues und man glaubt, man sei im Himmel“- Édith Piaf. Aus meiner persönlichen Erfahrung habe ich gelernt, dass  jeder Rückschlag auch wieder einen Vorwärtsschritt mit sich bringt. In manchen Situationen positiv zu bleiben ist nicht einfach, aber für mich haben sich aus den schlimmsten Situation die schönsten Dinge ergeben. Man muss nur Geduld haben und darf sich nicht selbst aufgeben.

Vielen Dank für das schöne und persönliche Gespräch, Lydia.

Mehr Bilder gibt es bei Facebook unter Lydia Thielgen Fotografie.

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