TRIER. Dreieinhalb Jahre nach dem Mord an einem Arzt in der Eifel hat seine frühere Lebensgefährtin in einem neuen Prozess am Landgericht Trier überraschend ein Geständnis abgelegt. Sie räumte ein, den Anfang der Tat im Wohnhaus in Gerolstein doch mitbekommen zu haben.
«Sie hat gestanden, dass sie gesehen hat, dass ihr Sohn einen Schlag auf den Kopf des Opfers gesetzt hat, aber es billigend in Kauf genommen hat, vorbei und nach oben gegangen ist und nicht weiter eingeschritten ist», sagte ihr Anwalt, Walter Teusch. Das bedauere sie.
Nach dem Geständnis wurde die 37-Jährige wegen Totschlags durch Unterlassen zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Zuvor hatte die Krankenschwester stets bestritten, von der Ermordung ihres früheren Lebensgefährten etwas mitbekommen zu haben.
Sohn und Halbbruder rechtskräftig verurteilt
Sie habe zu dem Zeitpunkt mit den drei kleinen Kindern, die sie mit dem Opfer hatte, im ersten Obergeschoss geschlafen, hatte sie beteuert.
Ihr damals 16 Jahre alter Sohn und dessen Halbbruder hatten den Arzt Ende 2022 mit einem Baseballschläger und Schraubenschlüssel von hinten attackiert und dann mit einem um den Hals gezogenen Kabelbinder erdrosselt. Beide sind wegen Mordes rechtskräftig verurteilt: Im August 2024 bekamen sie Jugendstrafen von neun und sechs Jahren.
Die 37-Jährige war in diesem ersten Prozess zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden: wegen unterlassener Hilfeleistung und Brandstiftung. Die Staatsanwaltschaft sah Totschlag und ging erfolgreich in Revision, sodass es zur Neuauflage des Prozesses gegen die Frau kam.
Richterin: Mutter hätte Sohn stoppen müssen
Die Vorsitzende Richterin Theresa Hardt sagte jetzt im Urteil: «Als Mutter eines minderjährigen Sohnes war sie verpflichtet, ihren Sohn von der Tat abzuhalten.» Es wäre «ein Minimum» gewesen, zu sagen: «Hör auf!». Stattdessen sei sie wortlos an dem Sohn und Opfer vorbei nach oben gegangen.
Damit habe sie den Tod ihres früheren Partners, mit dem sie noch zusammen lebte, billigend in Kauf genommen.
Das Urteil kam nach einer Verständigung der Beteiligten zustande. Es hätte sonst womöglich eine noch höhere Strafe im Raum gestanden, sagte der Verteidiger. Die Angeklagte sei seit zwei Jahren und zehn Monaten in U-Haft. Mit dem jetzigen Urteil habe sie die Chance, dass sie nach der Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe entlassen werde.
Motiv der Tat soll gewesen sein, dass der 53-Jährige seit längerem übermäßig Alkohol getrunken habe – und es dann zu verbalen und körperlichen Übergriffen gekommen sei. «Es war eine schwierige Beziehung», sagte die Richterin.
Leiche im Wald gemeinsam vergraben
Nach der Tat vergruben die drei die Leiche in einem Wald bei Rockeskyll und setzten gemeinschaftlich das Auto, in dem der Tote transportiert wurde, in Brand.
Der Orthopäde war am 30. Dezember 2022 zuletzt an seiner Arbeitsstelle in einem Krankenhaus in Daun gesehen worden und galt lange als vermisst. Im Juni 2023 hatte ein Spaziergänger einen Teil der sterblichen Überreste im Wald entdeckt. (Quelle: dpa)













