RLP: Kliniken, Rettungskräfte, Wasserversorgung – Das sind Erkenntnisse nach der großen Hitze

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Foto: dpa-Archiv

MAINZ – Die Hitze der vergangenen Tage hat in Rheinland-Pfalz eine neue Dimension erreicht.

Die gemessenen Temperaturen über 40 Grad markieren Allzeitrekorde im Land. Gleichzeitig gab es nachts kaum Abkühlung – was die Belastung der Menschen stark erhöht hat. Welche Schlüsse zieht das Land daraus?

Kühlere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen

Die Hitzewelle habe gezeigt, dass man in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nachrüsten müsse, sagt der Direktor des Landkreistages, Andreas Göbel. «Man muss darauf achten, dass es dort kühler wird mit den technischen Möglichkeiten, die man hat.» Das könnten Klimaanlagen sein, aber auch Luftwärmepumpen zum Kühlen. «Wir brauchen ein unverkrampfteres Verhältnis zu Klimaanlagen», sagte Göbel.

Bei Neubauten sieht er keine Probleme, da diese nach neuestem technischem Stand gebaut würden. Das Problem sei der Bestand. «Und dabei muss man sich jetzt in erster Linie auf die Gruppen konzentrieren, die am meisten schutzbedürftig sind.»

Die Kreise haben eine Grundzuständigkeit für Krankenhäuser. Die Finanzierung für eine mögliche Nachrüstung sei unklar. «Es müsste da eine faire Verteilung geben.» Die Kommunen hätten nicht das Geld dafür.

Kein Einzelfall mehr

Die Hitzewelle gilt nicht mehr als Ausnahme, sondern liegt im Trend zu häufigeren Extremereignissen. Die Belastung durch Hitze betreffe alle, vor allem aber ältere Menschen, Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit Vorerkrankungen, schreibt das Gesundheitsministerium. Ziel sei, hitzebedingte Todesfälle zu reduzieren. Dazu brauche es Aufklärung und Prävention, aber auch eine gute Kommunikation – für Warnmeldungen.

Extreme Hitze fordert Sicherheits- und Gefahrenabwehr

Die Hitzetage haben Polizei, Brand- und Katastrophenschutz sowie den Rettungsdienst spürbar gefordert: Es gab etliche Vegetations- und Flächenbrände und eine erhöhte Einsatzbelastung bei Rettungskräften. Dabei habe sich gezeigt, dass die bestehenden Strukturen in Rheinland-Pfalz leistungsfähig sind, wie das Innenministerium mitteilte.

Um auf solche Lagen vorbereitet zu sein, komme der regelmäßigen Übung entsprechender Szenarien, der Fortschreibung von Alarm- und Einsatzplänen sowie Einsatzmitteln für die Brandbekämpfung eine besondere Bedeutung zu. Dazu gehörten etwa flexibel einsetzbare Tanklöschfahrzeuge.

Bewusstsein für Gesundheitsrisiken schärfen

Der Hitzeaktionsplan des Landes soll dem Gesundheitsministerium zufolge Kommunen dabei unterstützen, Menschen beim Umgang mit Hitzeperioden zu helfen. Gleichzeitig müsse das Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken weiter geschärft werden. Der Schutz vor Hitze im Alltag sei keine Aufgabe, die ein Ressort alleine lösen könne.

Helfer und Rettungskräfte sind an heißen Tagen sehr gefragt. Foto: Andreas Arnold/dpa

Der Hitzeaktionsplan beinhaltet Handlungsempfehlungen und eine Informations- und Alarmkette auf der Grundlage der Einschätzungen durch den Deutschen Wetterdienst. Wie ein Gebäude gebaut oder angepasst werde, müsste Akteure vor Ort entscheiden. Eine pauschale Lösung sei nicht sinnvoll, da die Möglichkeiten stark von den individuellen Gegebenheiten abhingen.

Hitze bremst Verkehr aus

Auf der A1 bei Wittlich haben sich bei mehr als 40 Grad auf der Betonfahrbahn sogenannte Blow-Ups gebildet: Die Fahrbahnplatten wölbten sich laut Autobahn GmbH zeltartig nach oben. Grund: Beton dehnt sich bei Hitze aus. «Deshalb kann es, insbesondere bei älteren Fahrbahnen, zu Aufwölbungen – den sogenannten Blow-ups – kommen.»

Auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen gab es keine größeren Schäden, wie der Landesbetrieb Mobilität berichtet. Diese seien bis auf wenige Ausnahmen in der Asphaltbauweise gefertigt und weniger hitzeanfällig.

Gewässer unter Druck

Flüsse erwärmen sich stark. Der Rhein erreichte bei Worms über 28 Grad, die Mosel (bei Palzem) sogar mehr als 29 Grad. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff: Das kann Stress und den Tod für Fische bedeuten. Die Hitzewelle offenbart, wie verletzlich die Ökosysteme sind. Auch Industrie und Betriebe geraten unter Druck, weil sie Kühlwasser begrenzen müssen.

Hitze fordert auch die Kommunen

Die Kommunen passten ihre Abläufe an. In Mainz führte die Hitzeperiode zu einer hohen Belastung für Feuerwehr, Leitstelle und Katastrophenschutz, wie die Stadt mitteilte. Alleine am Hitzesonntag habe die Feuerwehr 45 Einsätze bewältigen müssen – mehr als dreimal so viele wie an einem durchschnittlichen Tag. Zudem sei das Notrufaufkommen binnen zwölf Stunden von üblicherweise rund 1.600 auf 2.528 Anrufe gestiegen.

Foto: dpa / Symbolbild

In Koblenz behielt der Kommunale Vollzugsdienst gefährdete Gruppen verstärkt im Blick und informierte sie bei Bedarf über Schattenplätze und Trinkwassermöglichkeiten. Präventions-, Informations- und Schutzmaßnahmen würden angesichts des Klimawandels kontinuierlich weiterentwickelt, ein akuter Anlass für Anpassungen nach der Hitzewelle sei deshalb nicht erforderlich, teilte die Stadt mit.

Deutlich gestiegener Wasserverbrauch in Trier

Die Stadt Trier meldete, dass der Wasserverbrauch während der Hitzeperiode deutlich gestiegen sei, Engpässe habe es jedoch dank eines gut ausgebauten Versorgungssystems nicht gegeben. Der Bedarf habe in der vergangenen Woche mit rund 184.350 Kubikmetern 20 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und etwa ein Drittel über Anfang Juni 2026 gelegen.

Notaufnahmen müssen sich einstellen

Die Notaufnahmen verzeichneten ein erhöhtes Patientenaufkommen. In der Uniklinik in Mainz etwa hatten sich die hitzebedingten Notfälle am Sonntag so erhöht, dass vorübergehend ein Krisenstab einberufen worden war.

«Wir haben alle Kräfte mobilisiert, um die Versorgung der Bevölkerung auch in dieser herausfordernden Situation sicherzustellen», teilte der Kaufmännische Vorstand der Universitätsmedizin, Stephan Weinberg, mit.

Auch in den nächsten Tagen werde mit mehr Patienten gerechnet: Vor allem bei chronisch Erkrankten oder bestimmten älteren Menschen wirke die Hitze medizinisch gesehen noch einige Tage nach.

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