«Wir sind alle Ruander»: Überlebender schildert Attacke bei Dreyer-Besuch

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Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und die ruandische Bildungsministerin Valentine Uwumariyazu. Foto: @fulmidas/Staatskanzlei Rheinland-Pfalz/dpa

NYANGE. In Begleitung des ruandischen Innenministers hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) auf ihrer Ruanda-Reise den Ort einer Attacke auf eine Schule vor 25 Jahren besucht. Ein Überlebender berichtete am Dienstag vom 18. März 1997, als Milizionäre in zwei Gebäude der Sekundarschule eindrangen und Schüler aufforderten, sich in Hutu und Tutsi aufzuteilen. Die Schüler weigerten sich und sagten: «Wir sind alle Ruander.» Daraufhin warfen die Angreifer Granaten in ein Gebäude und schossen auf Schüler.

Sechs junge Menschen waren sofort tot, ein weiterer starb später, 40 Menschen wurden teils schwer verletzt, darunter auch Phanuel Sindayiheba, der bei Dreyers Besuch berichtete.

Die Schule liegt in dem Ort Nyange im Distrikt Ngororero, der an die Demokratische Republik Kongo grenzt. Dorthin hatten sich nach dem Genozid an den Tutsi im Jahr 1994 mit mehr als einer Million Toten Hutu-Gruppen zurückgezogen. Sie kehrten in den Folgejahren immer wieder nach Ruanda zurück und griffen Menschen an, in Kirchen, Schulen oder bei Straßenblockaden.

All das wird in einem Museum auf dem Gelände der heute noch aktiven Schule erzählt. Bei der Entwicklung des Museums arbeiteten der Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz-Ruanda und die ruandische Organisation CHENO zusammen, finanziert wurde es vom Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Mainz. CHENO bedeutet Chancellery for Heroes, National Orders und Decoration of Honour, sie kümmert sich um die Erinnerung an Helden aus der Zeit des Völkermords. Jedes Jahr am 1. Februar wird in Ruanda der Nationale Heldentag gefeiert.

Sindayiheba berichtete, die Angreifer seien am 18. März 1997 gegen 20 Uhr im Dunkeln gekommen. Rund 40 Minuten dauerte die Attacke, dann seien die Milizionäre zu Fuß geflüchtet. Er selbst habe wegen seiner Verletzungen 18 Monate im Krankenhaus gelegen. Der ruandische Innenminister Jean Marie Vianey Gatabazi sagte mit Blick auf die Geschichte seines Landes: «Wir kommen aus der Asche.» In Nyange zeige sich, wie weit Ruanda schon gekommen sei.

Es sei wichtig, die junge Generation in Ruanda für jede Form von Diskriminierung zu sensibilisieren, betonte die CHENO-Vizekanzlerin Godelive Mukasarasi. Dreyer nannte die Geschehnisse an der Schule im Jahr 1997 «tief schockierend», sie zeigten aber auch «heroischen Mut der Schüler». Es sei wichtig, sich Diskriminierung schon in den Anfängen entgegenzustellen. Es fange mit kleinen Schritten an. «Wir müssen wachsam sein», sagte Dreyer. (dpa)

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