SAARBURG. Nach zwei Jahren Pandemie-Pause wurde Mitte Mai zum vierten Mal an der Realschule plus und an der angrenzenden Berufsbildenden Geschwister-Scholl-Schule in Saarburg eine große Berufsmesse organisiert.
400 Schülerinnen und Schüler der neunten und zum Teil achten Klassen konnten sich drei Workshops aus mehr als zwei Dutzend vorgestellten Berufen aussuchen. Neben Handwerksbetrieben waren unter anderem die Polizei, der Einzelhandel und die Pflege vor Ort. Organisiert wurde die Messe von Hans Löber von der Berufsbildenden Schule, Olaf Hoffmann von der Realschule plus und Brigitte Brink vom Gymnasium in Saarburg.
„Wir hoffen, dass wir durch eine frühzeitige Berufsorientierung die Jugendlichen in der Entscheidung für ihre berufliche Zukunft unterstützen können“, sagt Hoffmann. Sein Kollege Rainer Olinger sagt: „Das Handwerk ist keine Einbahnstraße, sondern ein Sprungbrett.“ Aber das müssten auch die Eltern verstehen. „Früher war die Berufsorientierung ein Stiefkind in Gymnasien“, sagt Brink, die sich nun für eine frühzeitige Orientierung bemüht und mit 60 Schülern aus zwei neunten Klassen gekommen ist.
„Viele Jugendliche sind mit 15, 16 Jahren noch sehr orientierungslos“, sagt Miriam Moreth von der Realschule plus. Es gebe immer weniger junge Menschen, die eine Ausbildung beginnen würden. So ist laut Statista die Zahl der Menschen in einer dualen Ausbildung von 570.000 im Jahr 2007 auf aktuell 440.000 gefallen. Die Zahl der Studienanfänger stieg hingegen von Mitte der 2000er Jahre von 350.000 auf aktuell 520.000. Moreth sagt: „Unser Bildungssystem ist durchlässig. Wir wollen die Jugendlichen für Ausbildungsberufe begeistern und ihnen die Möglichkeit geben, etwas Neues kennenzulernen.“ Der Landrat von Trier-Saarburg, Stefan Metzdorf, sagt: „Man muss immer lernen. Nur die Technik und die Rahmenbedingungen ändern sich.“
Ludwig Kohn hat die Geschichte auf seiner Seite. „Das Zimmerer-Handwerk ist das älteste eingetragene Handwerk der Welt“, sagt der Zimmerermeister im Ruhestand. Rund ein Dutzend Schüler – alles Jungs – hören zu, wie er im Werkraum der Realschule plus in Saarburg von seinem Gewerk erzählt. „Als Zimmerer baut man oft Dachstühle, aber auch ganze Holzhäuser oder man installiert Solaranlagen auf Dächern“, sagt Kohn. „Holz ist ein toller Werkstoff und Sägemehl kein Dreck. Was man baut, ist für die Zukunft. Kirchendächer und Brücken aus Holz können hunderte Jahre halten.“ Selbst im Wasser sei Holz beständig, sagt der Handwerksmeister. So seien die Stelzen der Häuser in Venedig etwa aus Holz. Kohn ist ein wandelndes Archiv, die Schüler lauschen. Er erzählt von seltenen Holzarten wie der Mooreiche, dem teuersten Holz der Welt, und von der sibirischen Lärche, die aufgrund der Kälte langsam wachse und dadurch noch stabiler als Eiche sei. Kohn drückt den Schülern verschiedene Holzsorten in die Hände. Einige der Jugendlichen im Raum haben bereits ein Praktikum in einer Zimmerei oder Schreinerei gemacht und können sich eine Ausbildung in diesem Berufsfeld vorstellen.
Im Obergeschoss der Berufsbildenden Schule erklärt Elektrotechnikermeister und Projektleiter bei Elektro Benzmüller, Diogo Gil Ramos, Schülerinnen und Schülern, wie man Leitungen in einem Sicherungskasten anklemmt. „Lehrlinge, Gesellen, Obermonteure für die Baustellenleitung: Wir sind stetig am Suchen“, sagt Gil Ramos. Die studentische Hilfskraft Marie Brossette fragt derweil, welche der Jugendlichen sich ein Praktikum vorstellen könnten. „Die Schüler haben wenig Bezug zum Praxisalltag in der Ausbildung“, so Brossette.
Im Raum nebenan werden Bauberufe wie Fliesenleger, Stuckateur, Maurer und Stahlbetonbauer vorgestellt – und die Möglichkeit, solche Berufe mit einem dualen Studium zu verbinden. „Beim dualen Studium verdient man so viel wie in der Ausbildung und die Studiengebühren werden übernommen“, sagt Berufsschullehrer Julian Kalk. Zudem erhalte man praktisch eine Übernahmegarantie. „Die Betriebe haben ein hohes Interesse, ihre dualen Studenten zu halten“, so Kalk.
Metallbaumeister Karsten Frank von der Walter Kind GmbH war hier in Saarburg einst Berufsschüler. Nun erklärt er Schülerinnen und Schülern ein CAD-Programm und erzählt von seinem Beruf. Metallbauerinnen und Metallbauer der Fachrichtung Konstruktionstechnik fertigen und montieren etwa Überdachungen, Fassadenelemente, Tore, Fensterrahmen oder Schutzgitter aus Stahl oder anderen Metallen. Häufig stellen sie Einzelstücke speziell nach Kundenwunsch her.
Samuel Jakobs ist Metallbauer der Fachrichtung Konstruktionstechnik im dritten Lehrjahr bei der Deutschen Bahn in Konz. Dort werden vor allem Eisenbahnbrücken gebaut und instandgesetzt. „Als Lehrling ist nicht das Geld wichtig, sondern dass ihr einen Betrieb findet, der gut ausbildet“, sagt Jakobs.
In der KFZ-Werkstatt von Berufsschullehrer Ferdinand Repplinger bekommen die Schülerinnen und Schüler an acht Stationen einen Einblick in das KFZ-Handwerk. So können sie sich den Aufbau eines Verbrennermotors anschauen und sehen, welche Tätigkeiten bei einer Inspektion anfallen. An einer Radwechsel-Station legen sie selbst Hand an. An der Beleuchtungs- und Signalanlage messen sie Strom und Spannung und berechnen die elektrische Leistung. Auf dem Hof erklärt der Auszubildende Ryan Sas anhand eines Tesla Model 3, wie ein Elektroauto aufgebaut ist. Der Motor befindet sich zwischen den Hinterrädern, die Batterie ist im Boden verbaut. Repplinger ist von dem Auto begeistert. „Wichtig ist aber, dass man sich klarmacht, dass sich das Berufsbild mit der Elektromobilität wandeln wird“, sagt Repplinger.
In der Schreiner-Werkstatt nebenan fertigen Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Frühstücksbrettchen aus Holz unter der Aufsicht von Berufsschullehrer Christoph Hänold. Unterstützt von vier Auszubildenden aus dem zweiten Lehrjahr sägen sie die Ecken mit einer Handsäge ab, schleifen die Kanten und stanzen ihre Initialen ein. Ein Erinnerungsstück für die Ewigkeit – gefertigt in einer Schulstunde.















