Auch zwei Hausarzt-Pilotpraxen in der Eifel: Bettlägerige über 80 Jahre werden zu Hause geimpft

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Ärztin Astrid Weber impft die 91-jährige Lieselotte Ziegler im Altenheim Maria vom Siege im Stadtteil Wallersheim gegen Corona. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

MAINZ. Rheinland-Pfalz ist bei den Erst- und Zweitimpfungen gegen Corona bundesweit spitze. Jetzt sind auch bettlägerige Menschen zu Hause an der Reihe – bisher unmöglich. Die Hausärzte könnten noch viel mehr Spritzen setzen, aber der Impfstoff ist weiterhin knapp.

Als eines der ersten Bundesländer beginnt Rheinland-Pfalz damit, bettlägerige und immobile Menschen zu Hause gegen das Coronavirus zu impfen. Den Anfang machen am 1. März vier ländliche Hausarzt-Pilotpraxen – in Bitburg, Mayen (beide Eifel), Wendelsheim (Rheinhessen) und Münchweiler (Pfalz). «Soweit uns bekannt ist, sind wir das erste Bundesland», sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) am Freitag in Mainz.

Betroffen seien rund 20 000 bis 25 000 Menschen über 80 Jahre, die nach der Festlegung des Bundes in die ersten Kategorie fallen und gar nicht – oder nur unter allergrößtem Stress – in ein Impfzentrum kommen könnten. «Diese Menschen hatten bislang bundesweit keine Möglichkeit, geimpft zu werden», sagte Bäzting-Lichtenthäler.

«Die Impfung wird sehnsüchtig erwartet. Wir werden jeden Tag bei unseren Hausbesuchen danach gefragt», sagte die Landesvorsitzende des Hausärzteverbands, Barbara Römer. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer sei der einzige zugelassene, den diese Gruppe bekommen könne. Moderna sei nicht transportfähig.

Die Zulassung des dritten Impfstoffs von Astrazeneca für Menschen bis 65-Jahre ermögliche es, mehr Menschen über 80 mit den Vakzinen von Biontech und Moderna zu impfen, sagte die Ministerin. Eine Wahlmöglichkeit des Präparats gebe es wegen der Impfstoffknappheit nicht. «Jeder geimpfte Arm ist ein guter Arm», sagte Römer. Und die Impfstoffe klar für verschiedene Gruppen vorgesehen.

Derzeit seien rund 123 450 über 80-Jährige im Terminpool der Impfzentren registriert, sagte die Ministerin. Sie sollten bis Anfang April ein Impfangebot bekommen. Die Landesregierung rechne von dieser Woche an bis Ende März mit insgesamt mehr als 350 000 Dosen von Biontech/Pfizer.

Die ersten Impfungen mit Astrazeneca sollen bereits an diesem Samstag in den Impfzentren gesetzt werden. Dafür seien rund 22 000 unter 65 Jahre alte Beschäftigte aus den Berufen mit einem besonders hohen Infektionsrisiko angeschrieben worden, die bereits im Terminpool registriert waren. Dazu kämen etwa 10 000 Krankenhaus-Mitarbeiter. Bis Ende Februar sollen sich alle aus dieser Gruppe impfen lassen können. Bis dahin würden rund 86 400 Dosen Astrazeneca erwartet. Die zweite Impfung werde nicht nach 28 Tagen wie bei Biontech/Pfizer, sondern erst nach 9 bis 12 Wochen fällig.

Die Hausärzte könnten noch viel mehr Menschen impfen – jede Praxis locker 20 pro Tag, wenn es genug Impfstoff gäbe, sagte Römer. «Die meisten Patienten meiden derzeit die Hausarztpraxen.» Und: «Die Grippe fällt dieses Jahr ja aus.» Masken-Tragen und Lüften nannte sie als Grund. «Normalerweise laufen wir im ersten Quartal eines Jahres über.»

Die Feststellung von Biontech, dass der Impfstoff unter bestimmten Bedingungen doch transportiert werden könne, sei die Voraussetzung für die Impfung zu Hause gewesen, sagte die Ministerin. Das Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, habe die Transportfähigkeit am Dienstag bestätigt.

Das Vakzin könne nach dem Verdünnen noch für sechs Stunden bei Zimmertemperatur verwendet werden, müsse aber schüttelsicher transportiert werden, sagte Römer. «Wir haben dafür stabile Transportboxen.» Es sei auch kein Problem, jedes Mal die sechs Dosen zu verimpfen. Was ein immobiler über 80-Jähriger sei, müsse der Hausarzt selbst entscheiden dürfen, betonte Römer. Wenn Impfstoff in den Impfzentren übrig bleibe, weil Termine kurzfristig nicht wahrgenommen werden könnten, solle es Listen mit Ersatzkandidaten aus der ersten Prioritätsgruppe für die Impfungen geben, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Das habe das Ministerium den Impfzentren mitgeteilt.

© dpa-infocom

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