Anlaufstelle in kalten Monaten: Fahrtbeginn für den Kostka-Kältebus für Wohnungslose ab November

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Vlnr.: Elvira Garbes, Sozialdezernentin der Stadt Trier; Reinhold Bittner, Abteilungsleiter Integration und Wohnen des Caritasverband Trier e.V. Isabel Endres, Streetworkerin des Caritasverband Trier e.V.; Lars Frankfurter, Streetworker der Stadt Trier, Hans-Werner Meyer, Amt für Soziales und Wohnen; Dr. Gerd Lenninger, Vorsitzender der Kostka-Stiftung.

TRIER. Der Winter steht vor der Tür. In der Stadt Trier gibt es vielfältige Angebote der Wohnungslosenhilfe. Dennoch schlafen aktuell etwa 15 Menschen auf der Straße – vermutlich sogar mehr. Gerade in den Wintermonaten stellt dies eine besonders große Gefahr für wohnungslose Menschen dar. Um diese zu erreichen und ihnen in den kalten Monaten eine Anlaufstelle zu bieten, fährt ab November der erste Kostka-Kältebus durch die Straßen von Trier.

Wer von Wohnungslosigkeit betroffen ist und Hilfe benötigt, muss in der Regel die entsprechenden Hilfeeinrichtungen, so auch das Benedikt-Labre-Haus des Caritasverband Trier, selbst aktiv aufsuchen. Ein Weg, der für einige Betroffene aus häufig sehr persönlichen Gründen nicht infrage kommt. Um diese Lücke zu schließen, haben der Caritasverband Trier und die Stadt Trier vor einigen Jahren zwei Streetworker eingestellt. Sie suchen die Menschen auf der Straße auf, bieten Hilfe und Unterstützung an und schaffen ein Vertrauensverhältnis, das im Idealfall dazu führt, die Menschen auch langfristig betreuen zu können. Was in den Sommermonaten ein gangbarer Weg ist, reicht in den Herbst- und Wintermonaten jedoch oft nicht aus. Es ist eine besonders harte Zeit für wohnungslose Menschen, die oftmals lebensrettend versorgt werden müssen. Zudem gehören sie zur Corona-Risikogruppe. Sie leiden häufig unter Mehrfacherkrankungen, sind schutzlos und ein Rückzug in die eigenen vier Wände ist für sie nicht möglich.

Auf Initiative des „Arbeitskreises Obdachlosenhilfe“ der Stadt Trier hat Isabel Endres, Streetworkerin des Caritasverband Trier im Benedikt-Labre-Haus, daher das Projekt „Kältebus“ ins Leben gerufen. Ein wichtiges Angebot für wohnungslose Menschen, die so in den Wintermonaten direkt auf der Straße angesprochen und versorgt werden können. „Für uns war es wichtig eine Möglichkeit zu schaffen, auch die Menschen zu erreichen, die ganzjährig komplett auf der Straße leben und nicht zu uns ins Benedikt-Labre-Haus kommen. Gerade im Winter machen wir uns um diese Menschen besonders große Sorgen und möchten sie so gut es geht versorgen“, so Dr. Bernd Kettern, Direktor des Caritasverband Trier.

„Durch den Einsatz eines Kältebusses haben wir eine zusätzliche Möglichkeit, die Personen aus der Szene vor Ort aufzusuchen, die sonst leider keine anderen Angebote annehmen. Wir können den Kontakt- und Beziehungsaufbau mit ihnen pflegen und unterstützende Sofortmaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung der Lebensumstände der Betroffenen leisten. Dies kann die spätere Inanspruchnahme von weiteren – auch medizinischen – Hilfsangeboten erleichtern. Uns ist es wichtig, Leid oder sogar Tod durch Kälte zu verhindern“, so Isabel Endres ergänzend.

Die Umsetzung dieses Projektes ist der Ernst & Ingrid Kostka-Stiftung auf Vermittlung der Stadt Trier zu verdanken. Durch ihre großzügige Spende konnte diese niedrigschwellige und aufsuchende Soforthilfe unbürokratisch umgesetzt und ein entsprechender Bus angeschafft werden. Doch nicht nur der Bus wurde von der Stiftung finanziert. So teilten sich die Kostka-Stiftung und die Stiftung „Zeichen der Hoffnung“ des Caritasverband Trier die komplette Erstausstattung des Busses, der somit noch in diesem November seine Fahrten aufnehmen kann. Unabhängig von den Außentemperaturen, fährt der Bus dann bis mindestens Ende Februar verschiedene Stellen in Trier an. So hält der Bus beispielsweise am Hubert-Neuerburg-Park (Saarstraße), am Hauptbahnhof und an der Commerzbank (Brotstraße). Obdachlose Menschen haben hier die Möglichkeit zu einer kompetenten Beratung durch die Streetworker und werden versorgt. Sie erhalten kostenfrei warme Getränke, Snacks, Decken, Schlafsäcke und winterwarme Kleidung. Zudem treffen sie im Kältebus Menschen an, die ihnen zuhören und ihre Bedürfnisse und Probleme ernst nehmen.

Die Ernst & Ingrid Kostka-Stiftung hat es sich ursprünglich zum Ziel gesetzt, kranke und notleidende Kinder in Trier und Umgebung zu unterstützen. Mit der Finanzierung des Kältebusses wird nun ein ganz neuer Weg eingeschlagen. „Ein Leitspruch unserer Stiftung lautet: „Soziales Engagement ist die beste Medizin“ und genau hier möchten wir ansetzen. Uns war es wichtig, uns auch für die Menschen zu engagieren, die gerade jetzt in den Wintermonaten eine besondere Aufmerksamkeit und Versorgung benötigen“, so Dr. Gerd Lenninger, Vorsitzender der Kostka-Stiftung.

Um die Sicherheit der Streetworker zu gewährleisten, wird der Kostka-Kältebus stets mit mindestens zwei Personen besetzt sein. Hierzu sucht der Caritasverband Trier noch Menschen, die das Projekt ehrenamtlich unterstützen möchten, so dass möglichste viele Fahrteinsätze des Busses gewährleistet werden können. Die Ehrenamtlichen fahren gemeinsam mit den Streetworkern die verschiedenen Plätze an und versorgen die wohnungslosen Menschen vor Ort. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 0651-88130 oder unter der Email endres.isabel@caritas-region-trier.de an Isabel Endres im Benedikt-Labre-Haus in Trier wenden.

Hintergrundinformation: 
Rund 400 Personen hatten im Jahr 2019 ihre Postadresse im Benedikt-Labre-Haus angemeldet. Dies verdeutlicht, dass es in Trier eine große Anzahl an Menschen gibt, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, sich in prekären Wohnverhältnissen befinden oder von Obdachlosigkeit betroffen sind. Das Projekt „Kältebus“ stellt ein neues und ergänzendes Angebot dar und ist keine Konkurrenz zu den bereits bestehenden Angeboten. Es handelt sich um ein freiwilliges Hilfsangebot und fällt unter die Angebotsstruktur des Caritasverbandes Trier e.V. und der Stadt Trier. Weitere Angebote, insbesondere für obdachlose Frauen, werden durch den Sozialdienst katholischer Frauen vorgehalten.

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