Nach „Hammer-Fall“: Warum Forscher auf 20 Gramm des Koblenz-Meteoriten hoffen

Hammer-Fall in Koblenz: Ein Meteorit sorgt für Aufregung, aber die Hauptmasse bleibt verschollen. Warum das für Wissenschaft und Museum ein echtes Problem ist.

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Foto: Thomas Frey/dpa/Archiv

KOBLENZ/OBERWESEL/MÜNSTER. Drei Monate nach dem spektakulären Meteoriteneinschlag in ein Wohnhaus in Koblenz-Güls warten Wissenschaftler auf Zugang zu den größten Fragmenten des Himmelskörpers. Es konnten bereits erste Untersuchungen an kleinen Bruchstücken durchgeführt werden.

Für eine offizielle wissenschaftliche Klassifizierung und internationale Registrierung fehlt jedoch nach wie vor ausreichend Material. Am 8. März hatte ein aus dem Weltall kommender Feuerball den Abendhimmel über Teilen Westeuropas erhellt. Wenig später durchschlug ein Meteorit das Dach eines Wohnhauses in Koblenz-Güls und krachte in ein Schlafzimmer (lokalo.de berichtete). Verletzt wurde niemand. Fachleute sprechen bei solchen Ereignissen von einem seltenen «Hammer-Fall», also einem beobachteten Meteoritenfall mit Einschlag in ein Gebäude.

Nach Angaben von Stephan Decker vom Meteoriten-Museum in Oberwesel befinden sich die größeren Meteoritenfragmente weiterhin im Besitz des Hauseigentümers. Eine Zusammenarbeit mit dem Besitzer sei für die wissenschaftliche Dokumentation des außergewöhnlichen Falls von großer Bedeutung. «Nur gemeinsam kann dieser bedeutende Fund vollständig untersucht und offiziell erfasst werden», sagte Decker.

Krümel untersuchen

Bislang konnten dem Museum lediglich 26 kleine Fragmente mit einem Gesamtgewicht von rund 3,5 Gramm gesichert werden, wie der Museumsinhaber sagte. Die Stücke waren nach seinen Angaben am Abend des Einschlags durch das Dach in einen benachbarten Hof gefallen. Untersuchungen an den kleinen Krümeln seien zwar erfolgt, erlaubten aber nur eingeschränkte Aussagen über den gesamten Meteoriten.

Auch Wissenschaftler der Universität Münster haben nur eine sehr kleine Menge erhalten. «Wir haben circa ein Gramm Material zur Untersuchung bekommen», sagte Markus Patzek vom Institut für Planetologie. Die Fragmente stammten nicht aus der Hauptmasse, sondern von kleinen Stücken, die nach dem Dachtreffer auf einen Weg oder Vorplatz gefallen und dort aufgesammelt worden waren.

Den Forschern gelang dennoch eine erste Einordnung des Meteoriten. Nach Angaben Patzeks handelt es sich um einen sogenannten Eukriten. Das ist ein seltener Steinmeteorit, der vermutlich ursprünglich vom Asteroiden Vesta stammt. Dieser Himmelskörper kreist im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

Offizielle Klassifizierung nicht möglich

Für eine offizielle Klassifizierung reicht das bisher verfügbare Material jedoch nicht aus. Nach den Regeln der internationalen Meteoritik müssen mindestens 20 Gramm sogenanntes Typmaterial in einer wissenschaftlichen Sammlung hinterlegt werden, damit ein Meteorit in die Meteoritical Bulletin Database aufgenommen werden kann. Erst dann erhält er offiziell einen Namen und wird dauerhaft wissenschaftlich dokumentiert.

«Obwohl wir bereits viel über den Meteoriten wissen, ist eine offizielle Klassifikation bis dato nicht möglich», sagte Patzek. Besonders bedauerlich sei dies, weil der Meteorit nach ersten Erkenntnissen brekziiert sei. «Eine Brekzie ist ein durch Impakte zwischen Asteroiden zertrümmertes und wieder verfestigtes Material, das viel über die Geschichte des selbigen verraten kann», erklärte der Wissenschaftler. «Viel zu oft wird solches Material auch ins Ausland verkauft und ist dann für die Wissenschaft größtenteils nicht mehr zugänglich.»

Rechtliche Möglichkeiten, die Herausgabe von Meteoritenmaterial zu verlangen, gibt es nach Angaben von Decker nicht. Wissenschaftler und Museen seien auf die freiwillige Unterstützung der Eigentümer angewiesen. Er erläutert, dass für eine wissenschaftliche Bearbeitung lediglich Angaben zum Gesamtgewicht der gefallenen Masse sowie eine Probe von etwa 20 Gramm benötigt werden. Das übrige Material bliebe vollständig im Besitz des Eigentümers.

Ausstellung im Herbst

In der Region stößt der Fall weiterhin auf großes Interesse. Nach Angaben Deckers erkundigen sich Besucher regelmäßig im Meteoriten-Museum nach dem Stand der Forschung. Auch Sammler hätten Interesse an Material aus dem Koblenzer Meteoritenfall bekundet. Für den Herbst plant das Museum, die bereits gesicherten Kleinfragmente in einer Vitrine auszustellen.

Weitere Funde sind in den vergangenen Monaten nicht bekannt geworden. Decker und weitere Sucher hatten wiederholt das Fallgebiet rund um Koblenz abgesucht. Mit dem Fortschreiten der Vegetation sei die Suche auf Feldern jedoch zunehmend erschwert worden. Sie konzentriere sich inzwischen vor allem auf Wege und andere versiegelte Flächen.

Die Wissenschaftler hoffen unterdessen weiter auf eine Zusammenarbeit mit dem Besitzer der Hauptmasse. «Es besteht natürlich kein Zweifel, dass dieser Meteorit gefallen ist», sagte Patzek. Eine offizielle Bestätigung und Registrierung des Falls wäre aus seiner Sicht jedoch für Forschung, Öffentlichkeit und Eigentümer von Vorteil. (Quelle: Alina Grünky, dpa)

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