TRIER. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis der richtige Beruf gefunden ist. Bei Judith Wagner aus Esch bei Wittlich war genau das der Fall. Heute ist die 22-Jährige angehende Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in Trier – und wurde von der Handwerkskammer Trier jetzt als „Lehrling des Monats“ ausgezeichnet.
Ausprobiert, neu angefangen – und den richtigen Beruf gefunden
Judith Wagner ist im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, kurz SHK. Bei der Junkes Klimatechnik GmbH in Trier arbeitet sie an Lüftungsanlagen, Klima- und Kältesystemen sowie an Anlagen für Trink- und Abwasser. Leitungen planen, Rohre verlegen, Systeme montieren und in Betrieb bringen – genau dort fühlt sie sich nach eigenen Worten angekommen.
Für die 22-Jährige aus Esch bei Wittlich ist das mehr als nur ein Job. „Es ist schön, in einem Beruf zu arbeiten, der gefragt ist und in dem man gebraucht wird“, sagt sie.
Ihr Weg dorthin verlief allerdings nicht geradlinig. Nach der Schule begann sie zunächst eine Ausbildung im Schreinerhandwerk, später arbeitete sie im Einzelhandel und versuchte sich anschließend als Technische Systemplanerin. Doch keine dieser Stationen fühlte sich für sie dauerhaft richtig an. Für Judith Wagner kein Scheitern, sondern eine wichtige Erfahrung. Ihr Satz dazu: „Durch Ausprobieren wird man nicht dümmer.“
Früh zeigte sich ihre Leidenschaft fürs Praktische
Dass sie einmal im Handwerk landen würde, zeichnete sich offenbar schon früh ab. Judith Wagner packte nach eigenen Angaben schon als Kind gerne mit an. Auf Haus und Hof habe es immer viel zu tun gegeben – vom Zäune reparieren bis zum Carport-Bau. Gemeinsam mit ihren Geschwistern half sie regelmäßig mit.
Auch in der Schule zeigte sich, wo ihre Stärken liegen. Besonders im Werkraum entdeckte sie ihre Begeisterung für praktische Arbeiten wie Bohren, Löten und Schrauben. Entscheidend seien dabei auch engagierte Lehrkräfte gewesen, die sie geprägt hätten.
Ausbildung in Trier – erste Azubine im Anlagenbau seit 26 Jahren
Den entscheidenden Anstoß für ihren heutigen Berufsweg gaben Freunde und ihr Partner, die ihr von ihrer Arbeit im Handwerk erzählten. Baustellen, sichtbare Ergebnisse, praktische Arbeit – das klang nach dem, was sie suchte. Schließlich bewarb sie sich bei der Junkes Klimatechnik GmbH in Trier.
Dort absolviert sie seit Februar 2024 ihre Ausbildung in verkürzter Form. Der Betrieb ist auf industrielle Lüftungstechnik, Klimatechnik, Rohrleitungsbau, Wärmetechnik, Reinraumtechnik und Kältetechnik spezialisiert.
Für das Unternehmen ist Judith Wagner etwas Besonderes: Laut Betty Gilles von der Firma Junkes ist sie die erste Azubine im Anlagenbau seit 26 Jahren.
Frau im Handwerk: „Es freut mich, dass ich mithalten kann“
Dass sie in einem klassischen Männerberuf arbeitet, beschäftigt Judith Wagner selbst offenbar weniger als andere. Immer wieder werde sie gefragt, wie sie auf diesen Beruf gekommen sei – und ob die Arbeit nicht zu schwer für eine Frau sei.
Sie räumt ein, dass es körperlich durchaus herausfordernde Momente gebe. Gleichzeitig betont sie aber, dass sie im Team Unterstützung bekomme, wenn sie gebraucht werde. Häufig schaffe sie es jedoch ohne Hilfe. Dass sie „wie die Jungs mitläuft“, höre sie oft – und gerne.
Gerade deshalb ist es ihr wichtig zu zeigen, dass klassische Rollenbilder im Handwerk keine Grenzen setzen sollten. Sie wolle sich davon nicht einschüchtern lassen.
Schon jetzt schmiedet sie Pläne für die Zeit nach der Ausbildung
Stillstand ist für Judith Wagner offenbar keine Option. Schon jetzt denkt sie an die nächsten Schritte nach der Lehre. Sie kann sich vorstellen, den Elektro- oder Kälteschein zu machen, vielleicht sogar beides. Auch eine Qualifikation zur Obermonteurin oder Ausbilderin sowie der Meisterbrief kommen für sie infrage.
Ihr Ziel ist klar: Sie will sich weiterentwickeln, neue Aufgaben übernehmen und sich laufend fortbilden.
Auch privat ist Judith Wagner diejenige, die anpackt
Nicht nur beruflich, auch privat ist die 22-Jährige diejenige, die mit anpackt. Sie backt Torten für Familienfeiern, hilft auf dem Reiterhof der Schwägerin, kümmert sich um eine schwächelnde Heizung bei der Oma und bringt ihr Fachwissen ein, wenn in der Familie ein Haus gekauft wird.
Für sie ist das selbstverständlich. Sie sagt, ihre Familie habe viel für sie getan – und sie gebe gern etwas zurück.
Vielleicht passt ihr Weg auch deshalb so gut zu ihrem Umfeld: Partner und Bruder sind Elektroniker, die Schwester ist Architektin, der Vater Schlosser. In der Familie werde schon scherzhaft gesagt, man könne mit dieser Fachkräfte-Kombination längst eine eigene Firma gründen.
Handwerkskammer Trier zeichnet Judith Wagner aus
Die Handwerkskammer Trier hat Judith Wagner nun als „Lehrling des Monats“ ausgezeichnet. Für Kammerpräsident Bernd Elsen steht sie beispielhaft für das, was modernes Handwerk ausmacht: Engagement, Lernbereitschaft, Teamfähigkeit und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Bei der Urkundenübergabe in der HWK Trier betonte er, Judith zeige, dass Talent, Neugier und Durchhaltevermögen wichtiger seien als überholte Rollenbilder. Zugleich stehe sie dafür, dass es manchmal mehrere Anläufe brauche, um den richtigen Platz zu finden.
















