Tödlicher Messerangriff auf Säubrennerkirmes: Eltern klagen nach Freispruch eines US-Soldaten!

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Nach der tödlichen Messerattacke auf ihren Sohn kommen die Eltern nicht zur Ruhe. (Archivbild)Harald Tittel/dpa

Koblenz/Wittlich – Zweieinhalb Jahre nach dem tödlichen Messerangriff auf ihren Sohn kommen die Eltern eines 28-Jährigen aus Wittlich nicht zur Ruhe. Nach dem Freispruch eines tatverdächtigen US-Soldaten durch ein Militärgericht ziehen sie nun vor das Oberlandesgericht Koblenz. Die Familie wirft der deutschen Justiz schwere Versäumnisse vor.

Wie ein Gerichtssprecher bestätigte, haben die Eltern bereits im Mai 2025 einen Antrag beim OLG Koblenz gestellt. Ziel ist die gerichtliche Feststellung, dass das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Trier rechtswidrig gewesen sei. Über den Antrag ist bislang noch nicht entschieden. Zuvor hatte der Trierische Volksfreund über den Fall berichtet.

US-Soldat trotz Geständnis freigesprochen

Der Sohn der Familie war im August 2023 während einer Kirmes in Wittlich durch eine Messerattacke tödlich verletzt worden. Ein US-Soldat, der im Verdacht stand, die Tat begangen zu haben, war zunächst festgenommen worden und hatte bei einer Vernehmung ein Geständnis abgelegt. Dieses Geständnis wurde jedoch im späteren Verfahren vor einem US-Militärgericht nicht als Beweismittel zugelassen.

Mitte Oktober 2024 sprach das Militärgericht auf der Air Base Spangdahlem den Angeklagten frei. Der Mord gilt damit aus Sicht der deutschen Strafjustiz weiterhin als nicht aufgeklärt.

Familie fordert Rückholung des Verfahrens

Nach Ansicht der Eltern hätte die Staatsanwaltschaft Trier das Verfahren von der US-amerikanischen Militärjustiz zurückholen müssen. Zwar werden Ermittlungen gegen US-Soldaten in Deutschland in der Regel an die Militärbehörden der USA abgegeben – Grundlage ist das Zusatzabkommen zum Nato-Truppenstatut. In bestimmten Ausnahmefällen besteht jedoch die Möglichkeit, diesen Verzicht auf Strafverfolgung zu widerrufen.

Ein solcher Widerruf muss innerhalb von 21 Tagen erklärt werden. Die Familie argumentiert, dass dieser Schritt im Fall ihres Sohnes geboten gewesen wäre – insbesondere angesichts der Schwere der Tat.

Vergleichbarer Fall führte zu Verurteilung

Dass ein Widerruf des Verzichts möglich ist, zeigte zuletzt ein anderer Fall aus Rheinland-Pfalz: Nach einem tödlichen Geisterfahrer-Unfall in der Eifel mit einem US-Soldaten hatte die deutsche Justiz das Verfahren zurückgeholt. Der Mann wurde im November 2025 vom Landgericht Trier zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nato-Truppenstatut Thema im Landtag

Die rechtliche Handhabung des Nato-Truppenstatuts steht inzwischen auch politisch in der Kritik. Ende 2024 hatte der damalige rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin angekündigt, die Anwendung des Abkommens überprüfen zu lassen. An diesem Donnerstag befasst sich der Rechtsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags mit dem Thema.

Für die Eltern des getöteten jungen Mannes geht es dabei nicht nur um juristische Fragen, sondern um Aufklärung und Gerechtigkeit: Sie hoffen, dass das Gericht nun prüft, ob der Staat seiner Verantwortung in diesem außergewöhnlichen Fall gerecht geworden ist.

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