Erdrutschgefahr im Rheintal: Wie sicher sind unsere Bahnstrecken?

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Verletzt wurde niemand, als im März 2021 an dem Steilhang tonnenschwere Schieferplatten auf die Gleise auf der Strecke Wiesbaden-Koblenz krachten. (Archivbild) Foto: Thomas Frey/dpa

St. Goar / Kestert / Mainz. Immer wieder kommt es entlang der Bahnstrecken im Rheintal zu Erdrutschen und Felsstürzen – mit teils dramatischen Folgen. Nach dem tödlichen Zugunglück in Baden-Württemberg rückt auch die Situation im Welterbe Oberes Mittelrheintal erneut in den Fokus. Wie hoch ist die Gefahr – und was wird getan, um sie zu minimieren?

Felsstürze und Erdrutsche: Ein wiederkehrendes Risiko

Die Region kennt das Phänomen nur zu gut: 2021 krachten tonnenschwere Schieferplatten nach einem Unwetter bei Kestert auf die rechtsrheinische Bahnstrecke zwischen Wiesbaden und Koblenz. Ortsbürgermeister Uwe Schwarz erinnert sich: „Wir hatten Glück. Es passierte am Tag – wir konnten sofort reagieren.“ Die Strecke war wochenlang nur eingleisig befahrbar.

Im September 2011 entgleiste ein Intercity mit 800 Fahrgästen zwischen St. Goar und Fellen nach einem Erdrutsch. (Archivbild)picture alliance / dpa

Und bereits 2011 entgleiste zwischen St. Goar und Fellen ein Intercity mit 800 Passagieren infolge eines Erdrutsches – glücklicherweise ohne Todesopfer, aber mit mehreren Verletzten. Der schlimmste Unfall in der Region liegt über ein Jahrhundert zurück: 1923 stürzte bei St. Goar ein Zug in den Rhein – mindestens 29 Menschen starben.

Europas meistbefahrene Güterzugstrecke in Gefahr?

Die Sorge ist da – besonders in Orten wie Kestert. Die 650-Einwohner-Gemeinde liegt direkt an einer der meistbefahrenen Güterverkehrsachsen Europas. Bürgermeister Schwarz: „Die Angst wächst, dass irgendwann ein Gefahrgut-Zug entgleist.“

Nach dem Felssturz 2021 wurden 6 Meter hohe Schutzwälle und über 2.000 Quadratmeter Fangnetze am Hang angebracht. Doch die Gefahr bleibt präsent – insbesondere bei Extremwetter.

Klimawandel verschärft das Problem

Das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung warnt: Mit zunehmenden Starkregenereignissen steigen auch die Risiken für sogenannte „gravitativ bedingte Massenbewegungen“ – also Erdrutsche und Hangabbrüche. Eine eigens erstellte Gefahrenkarte zeigt: Besonders im Rhein-, Mosel- und Lahntal gibt es kritische Abschnitte.

2024 war z. B. die Strecke Bad Kreuznach–Bingen von einem Erdrutsch betroffen, ebenso 2023 die Trasse bei Staudernheim. Bereits 2019 kam es in St. Goarshausen zu einem tagelangen Streckenstillstand durch einen Geröllabgang.

Wer ist verantwortlich – und was wird getan?

Laut Eisenbahngesetz sind die Eisenbahnunternehmen selbst für den sicheren Betrieb verantwortlich. Die Bahn-Tochter DB InfraGO inspiziert ihre Strecken regelmäßig mit Messzügen, Begehungen und digitalen Verfahren.

Die Sicherung der Hänge erfolgt zunehmend mit Netzen, Stützwänden und Drainagen. Dennoch fordert der Fahrgastverband Pro Bahn mehr: etwa ein flächendeckendes Fibre-Optic-Warnsystem, das Erschütterungen sofort erkennt und die Leitstellen alarmiert. Zudem dürfe Infrastruktur-Geld aus dem Sondervermögen nicht zweckentfremdet werden, mahnt Landeschef Noah Wand.

Bahn bleibt sicher – doch wachsam bleiben ist Pflicht

Trotz der Risiken bleibt der Schienenverkehr statistisch eines der sichersten Verkehrsmittel. „Ein pauschales Einstellen des Betriebs bei Unwetter wäre der falsche Weg“, so Wand. Der Verkehr würde sich auf die Straße verlagern – mit potenziell schwerwiegenderen Folgen.

Fazit: Sicherheit braucht Weitblick

Erdrutsche, Starkregen, Felsstürze – das Mittelrheintal lebt mit diesen Naturgefahren seit Generationen. Doch der Klimawandel verschärft die Lage. Die Bahn, Politik und Forschung müssen gemeinsam Lösungen schaffen: präventiv, datengestützt und konsequent. Nur so bleibt der Bahnverkehr sicher – und das Vertrauen der Menschen erhalten.

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