Corona-Krise bedroht Tourismusbranche: Vor allem in Städten

Die Corona-Krise bedroht die Tourismusbranche. Rheinland-Pfalz will jetzt vor allem in ländlichen Regionen vom wachsenden Inlandstourismus profitieren. Doch das reicht nach Einschätzung von Fachleuten nicht.

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MAINZ/TRIER. Viele Tourismusbetriebe in Rheinland-Pfalz sind nach Einschätzung von Fachleuten bedroht – trotz der Öffnung von Gastronomie und Hotellerie in der nächsten Woche. «Wir können diese Tourismussaison nicht mehr retten. Die Einbrüche sind viel zu hoch», sagte der geschäftsführende Direktor des Städtetags, Michael Mätzig, am Freitag in der Enquete Kommission Tourismus des Landtags. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga beziffert den Ausfall für Gastgewerbe und Tourismus von Mitte März bis Mitte Mai auf rund zwei Milliarden Euro.

Der Städtetourismus, der ein Drittel des Wachstums ausgemacht habe, sei wegen der Corona-Pandemie völlig zum Erliegen gekommen, sagte Mätzig. Trier habe in acht Wochen rund 3000 Stadtführungen absagen müssen, Koblenz beim Theater Mindereinnahmen von einer halbe Millionen Euro. Dies reiße Löcher in einer Größenordnung in die kommunalen Haushalte, «die wir bislang noch nicht hatten».

Rheinland-Pfalz habe immer noch nicht definiert, was eine Großveranstaltung ist, kritisierten mehrere Fachleute. Dies wirke sich auch negativ aus. Kleinere Tagungen und Kongresse etwa könnten zwar unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln organisiert werden. «Dafür brauchen wir das Go der Politik» – und eine Definition von Großveranstaltung, sagte Guido Orthen vom Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz.

Frühestens Ostern 2021 sei mit einer Normalisierung des Tourismusgeschäfts zu rechnen, sagte Tourismusforscher Edgar Kreilkamp von der Uni Lüneburg. Gastronomie, Hotel und Reisebranche arbeiteten in diesem Jahr auch bei schrittweiser Öffnung permanent mit Verlusten, die Insolvenzen nähmen zu. Die Betriebe bräuchten dringend konkrete Perspektiven und Zuschüsse, Kredite könnten sie nicht mehr zurückzahlen. Die Bundesregierung müsse sich endlich auf einen Rettungsschirm festlegen, forderte Kreilkamp. 2021 werde es weniger Betriebe, geringere Steuern und keine Investitionen in der Branche geben.

Orthen betonte, die Tourismusstädte könnten die Infrastruktur auch nicht allein aufrecht erhalten. Die Kosten für eine geschlossene Therme etwa beliefen sich pro Monat auf hunderttausende Euro. Wann die Wellnessbereiche in den Hotels wieder öffnen dürften, sei gerade auch im Wettbewerb mit Österreich, ebenfalls entscheidend, sagte der Präsident des Dehoga-Landesverbandes, Gereon Haumann.

Anders als in andern Bundesländern sei in Rheinland-Pfalz keine Begrenzung bei der Belegung der Gästezimmer geplant und auch keine Leerstandszeiten zwischen der Belegung eines Zimmers, lobte er.

Der Digitalisierungsschub mache es Kongressen künftig zusätzlich schwer, sagte Mätzig. Städte hätten es beim Tourismus in Zukunft voraussichtlich auch schwerer als das Land. Sie versuchten jetzt, kleinere Zielgruppen anzusprechen. Damit würden diese Angebote auch zwangsläufig hochpreisiger.

Haumann forderte einen Rettungsfonds für die Gastronomie nach dem Vorbild von Baden-Württemberg. Jeder Betrieb, der wegen Corona vor dem Aus stehe, bekomme einen einmaligen Zuschuss von 3000 Euro plus 2000 für jede volle Stelle. Dies wären für Rheinland-Pfalz etwa 100 Millionen Euro. Diese Soforthilfe bringe die Betriebe über den Mai und könnte mit der Hilfe des Bundes verrechnet werden, wenn diese komme.

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