Blutspendedienst schlägt Alarm: Versorgung von Krankenhäusern gefährdet

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Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat liegen gestapelt im Kühlraum des DRK-Blutspendedienstes. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild

SAARBRÜCKEN. Die Situation bei der Versorgung mit Blutkonserven ist laut Blutspendedienst West «sehr angespannt». «Seit November Dezember wird weit weniger gespendet, als wir tatsächlich brauchen», sagt Sprecher Stephan David Küpper. In Rheinland-Pfalz und im Saarland werden seinen Angaben zufolge täglich 900 Blutspenden benötigt. Aktuell werde jedoch bis zu 20 Prozent weniger gespendet, als erforderlich. «Das hält man über ein paar Tage aus, aber irgendwann ergibt sich eine Versorgungslücke», warnte Küpper im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken.

Schon jetzt gebe es «sehr, sehr große Kürzungsraten» bei den Wünschen der Krankenhäuser. Bei der Universalblutgruppe 0 negativ etwa betrage sie derzeit bis zu 47 Prozent. «Das heißt, wenn eine Klinik zehn Konserven anfordert, erhält sie bestenfalls noch sechs, da wir haushalten und auf die eigenen Bestände achten müssen.» Als Vollversorger im Blutspendesystem könne man nicht 100 Prozent der Konserven in die Kliniken geben, «weil wir auch um 3 Uhr für Notfälle gewappnet sein müssen, wenn die Klinik anruft und selbst nichts mehr hat».

Die Krankenhäuser reagierten auf das beschränkte Lieferangebot laut Küpper unterschiedlich: «Bestenfalls mit dem freundlichen Hinweis, dass sie Bedarf haben. Mitunter auch ungehalten, weil Operationen, auch verschiebbare Eingriffe, teilweise nur stattfinden können, wenn Blut da ist. Selbst wenn man nicht weiß, ob es benötigt wird.»

Verantwortlich für die eingebrochenen Spenderzahlen sei indirekt Corona. «Aus unserer Sicht befinden wir uns noch mitten in der Pandemie mit allen Auswirkungen. Sie halten uns noch im Würgegriff», sagte Küpper. Wobei die Situation zu den Spitzenzeiten gar nicht mal besorgniserregend gewesen sei. Im Gegenteil: «Irrsinnigerweise waren die Phasen mit den größten Restriktionen und Ausgangsbeschränkungen gute Zeiten für die Blutspende!» Mit den Lockerungen sei jedoch auch die Zahl der Spender wieder gesunken. Vor allem die Arbeit im Homeoffice sorge für eine Verschärfung der Lage.

Um einen Versorgungsengpass zu vermeiden, hofft Stephan Küpper nun auf die Hilfe von Unternehmen. Zwar gäbe es viele Firmen, die das DRK seit Jahrzehnten sehr unterstützten und bei sich Termine anböten. «Aber durch Corona erreichen wir dort nicht mehr so viele Menschen wie vor der Pandemie.»

Weil der Blutspendedienst vor allem wochentags Termine anbiete, appelliert er an Betriebe aber auch Behörden, ihre Mitarbeiter zu ermuntern, die Angebote wahrzunehmen: «Wir halten auch die Zeiten kurz, damit nicht mehrere Stunden Arbeitszeit verloren gehen», so der Sprecher. Mit nur einer Stunde Zeitaufwand könne jeder, der gesund sei, einen großen Beitrag für dieses «Sozialversicherungssystem» leisten. Männer dürfen bis zu sechsmal im Jahr Blut spenden, Frauen bis zu viermal. «Aber wenn man das zwei bis drei Mal im Jahr machen würde, wäre das schon toll», sagt Küpper.

Der saarländische Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) erklärte, Blutspender übernähmen aktiv Verantwortung für ihre Mitmenschen. Angesichts der aktuellen Situation appelliere er vor allem an jene, die noch nicht oder noch nie Blut gespendet haben, sich bei den verschiedenen regionalen Blutspendediensten zu melden. «Nur dann ist die Versorgung auch zukünftig gewährleistet.» (Quelle: dpa)

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