TRIER – Zum Jahresende 2024 lebten – ohne die Landesaufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende – rund 112.000 Menschen in Trier. Damit ist die Einwohnerzahl in den vergangenen zehn Jahren um 4,4 Prozent gestiegen.
Das berichtet die Trierer Rathaus Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe vom Dienstag.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind Zuzüge, unter anderem durch Schutzsuchende aus der Ukraine sowie durch die enge wirtschaftliche Verflechtung mit Luxemburg.
Hohe Immobilienpreise und ein begrenztes Wohnungsangebot im Großherzogtum führen dazu, dass immer mehr Haushalte in die Region und nach Trier ausweichen.
Parallel zur Bevölkerungsentwicklung wächst auch die Zahl der Haushalte – insbesondere bei Einpersonenhaushalten älterer Menschen sowie bei Familien mit Kindern.
Gleichzeitig steigt die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf. Diese Trends erhöhen den Bedarf an Wohnraum zusätzlich, selbst dann, wenn die Bevölkerungszahl konstant bleiben würde.
Hoher Bedarf – zu wenig Neubau
Wie viele neue Wohnungen braucht Trier? Die Antwort hängt von der jeweiligen Berechnungsmethode ab. Während der aktuelle Flächennutzungsplan der Stadt von einem Bedarf von rund 521 neuen Wohneinheiten pro Jahr ausgeht, kommt das Bundesinstitut für Bau-, Stadtund Raumforschung (BBSR) auf Basis aktueller Zensusdaten auf einen deutlich höheren Wert: 770 neue Wohnungen jährlich bis 2030.
Tatsächlich wurden zwischen 1985 und 2024 im Durchschnitt jedoch nur 472 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt. Über Jahrzehnte hinweg blieb der Neubau damit deutlich hinter den politischen Zielvorgaben zurück.
Rechnerisch ergibt sich daraus ein theoretischer Nachholbedarf von über 5000 Wohnungen. Diese Lücke trägt wesentlich zur angespannten Marktsituation bei.
Besonders deutlich wird die Diskrepanz in den jüngsten Jahren: Bezogen auf den vom BBSR ermittelten Bedarf erreichte Trier 2023 und 2024 nur knapp die Hälfte der notwendigen Baufertigstellungen von Wohneinheiten. Die Folgerung im Bericht fällt eindeutig aus: „Insbesondere seit 2023 zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung von Bevölkerungszahl und Fertigstellungen: Die Einwohnerzahl steigt weiter, während die Zahl der fertiggestellten Wohneinheiten sinkt. Damit entkoppeln sich Angebot und Nachfrage und es entsteht zunehmend Druck am Wohnungsmarkt und wachsender Nachholbedarf im Wohnungsneubau.“
Einbruch bei den Baugenehmigungen
Ein Warnsignal für die kommenden Jahre ist der starke Rückgang der Baugenehmigungen. 2024 wurden in Trier lediglich 43 neue Gebäude und 271 neue Wohneinheiten genehmigt – deutlich weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert der vergangenen Dekade. Da zwischen Genehmigung und Fertigstellung oft mehr als zwei Jahre liegen, ist mittelfristig mit einem weiter sinkenden Neubauvolumen zu rechnen.
Räumlich betrachtet fallen die meisten genehmigten Wohnungen im Jahr 2024 auf die Ortsbezirke Ehrang/Quint (61), TrierNord (42), Mitte/Gartenfeld (40) und Trier-Süd (34). Sowohl bei Genehmigungen als auch bei Fertigstellungen zeigt sich ein Strukturwandel: Mehrfamilienhäuser gewinnen gegenüber Ein- und Zweifamilienhäusern an Bedeutung. Das liegt unter anderem an Förderprogrammen im sozialen Wohnungsbau sowie an Effizienzvorteilen im Geschosswohnungsbau.
Gerade für eine wachsende Stadt mit begrenzten Flächenreserven ist diese Entwicklung von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig bleibt der Neubau von Einfamilienhäusern insbesondere im Umland deutlich stärker ausgeprägt als in der Stadt selbst. Trier unterscheidet sich damit klar vom Landkreis Trier-Saarburg, wo Einfamilienhäuser weiterhin dominieren. Die veranschlagten Baukosten je Quadratmeter sind in den vergangenen Jahren nominal stark gestiegen. Für 2024 werden bei fertiggestellten Wohngebäuden durchschnittlich 2689 Euro brutto pro Quadratmeter ausgewiesen. Preisbereinigt – also real – liegen die Kosten jedoch unter dem Niveau von 2015. Der Kostenanstieg ist damit vor allem auf allgemeine Preissteigerungen bei Material und Löhnen zurückzuführen, weniger auf höhere Baustandards. Der Wohnungsmarktbericht 2025 macht deutlich: Angebot und Nachfrage driften in Trier zunehmend auseinander. Während die Stadt wächst und sich die Haushaltsstrukturen verändern, bleibt der Wohnungsneubau hinter dem Bedarf zurück.
(Quelle: Trierer Rathaus Zeitung/Björn Gutheil, Ausg. vom 27.01.26)


















