Hamburg. Dieses Urteil fällt so deutlich aus wie nie zuvor: Die Milka Alpenmilch ist von Verbraucherinnen und Verbrauchern zur „Mogelpackung des Jahres 2025“ gewählt worden. Zwei Drittel aller abgegebenen Stimmen entfielen auf die bekannte Schokoladentafel des Herstellers Mondelez Deutschland GmbH. Damit erzielt Milka den höchsten Stimmenanteil in der zwölfjährigen Geschichte der Negativwahl.
Insgesamt beteiligten sich 34.731 Menschen an der Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg – so viele wie seit sechs Jahren nicht mehr. Der Ärger über versteckte Preiserhöhungen sitzt offenbar tief.
Weniger Inhalt, fast 50 Prozent teurer
Auslöser der Empörung: Anfang 2025 wurde die Milka-Alpenmilch-Tafel nahezu unbemerkt von 100 auf 90 Gramm verkleinert. Gleichzeitig stieg der Preis im Handel von 1,49 Euro auf 1,99 Euro. Umgerechnet entspricht das einer Preiserhöhung von mehr als 48 Prozent.
Besonders kritisch sehen die Verbraucherschützer, dass die Verpackung optisch kaum verändert wurde. Für viele Kundinnen und Kunden war die geringere Füllmenge im Regal praktisch nicht zu erkennen. Auch weitere Milka-Sorten waren von ähnlichen Änderungen betroffen.
Verbraucherschützer sehen Irreführung
Nach Auffassung der Verbraucherzentrale Hamburg täuscht die Verpackung über den tatsächlichen Inhalt hinweg. Der Vorwurf: Irreführung der Verbraucher. Deshalb ist der Fall noch nicht abgeschlossen.
Im April 2026 muss sich der Hersteller vor dem Landgericht Bremen verantworten. Dort wird geklärt, ob die Maßnahme nicht nur ärgerlich, sondern auch rechtlich unzulässig war. Die Verbraucherschützer haben Klage eingereicht.
Bereits im Sommer 2025 hatte die Organisation Foodwatch Milka zur „dreistesten Werbelüge des Jahres“ erklärt – der Imageschaden für die Marke wächst.
Absatzprobleme trotz höherer Preise
Der öffentliche Unmut zeigt offenbar Wirkung: Medienberichten zufolge griffen Verbraucher zuletzt seltener zu Milka-Produkten. Rabattaktionen häuften sich, allein in wenigen Monaten wurden über 100 Sonderangebote registriert. Auch Umfragen des Marktforschungsinstituts YouGov deuten auf einen spürbaren Imageverlust hin.
Paradox: Trotz sinkender Verkaufszahlen konnte der Konzern seinen Umsatz steigern – vor allem durch höhere Preise.
Politik unter Druck: Schutz vor Shrinkflation gefordert
Die Verbraucherzentrale fordert nun klare gesetzliche Regeln gegen sogenannte Shrinkflation – also versteckte Preiserhöhungen durch geringere Inhalte. Während Länder wie Frankreich oder Österreich verpflichtende Hinweise im Handel vorschreiben, hinkt Deutschland bislang hinterher.
„Ohne verbindliche Transparenzregeln bleiben politische Versprechen wirkungslos“, heißt es von den Verbraucherschützern. Derzeit sei es vor allem ihre eigene Arbeit, die Preismanipulationen sichtbar mache.
So stimmten die Verbraucher ab
Bei der Wahl zur „Mogelpackung des Jahres 2025“ entfielen die Stimmen wie folgt:
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Milka Alpenmilch (Mondelez) – 66,7 %
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Dr. Oetker Käse-Streusel Backmischung – 22,1 %
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Kölln XXL Schoko Hafer-Müsli – 5,9 %
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Jacobs 3in1 Classic Kaffeesticks – 4,9 %
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Knorr Penne Pomodoro Mozzarella – 0,4 %
Fazit: Der Ärger ist größer als die Tafel
Der Fall Milka zeigt exemplarisch, wie sensibel Verbraucher auf versteckte Preiserhöhungen reagieren. Ob die Reduzierung der Schokoladentafel auch juristisch als Täuschung gilt, entscheidet nun das Gericht. Das Vertrauen vieler Kundinnen und Kunden ist jedoch bereits beschädigt.

















