Es ist wohl eine der charmantesten Geschichten im deutschen Fußball der letzten Jahre: Die Erfolgsstory der SV Elversberg endete im letzten Jahr fast mit dem Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga. In einer dramatischen Relegation verlor der Underdog jedoch in letzter Sekunde gegen den Bundesligisten aus Heidenheim.
Ein Großteil der Fans und Experten hielten den verpassten Aufstieg für das jähe Ende der Elversberger Träume vom Oberhaus und prognostizierten eine schwierige Saison 25/26 für den Klub aus dem Saarland – nicht wenige tippten sogar auf eine Spielzeit im Abstiegskampf der 2. Bundesliga.
Doch es kam bekanntlich anders und so finden sich die Saarländer erneut und völlig zu Recht auch in dieser Saison im hart umkämpften Aufstiegsrennen wieder: Wird der Traum Bundesliga für die SVE also ein wenig verspätet doch noch wahr?
Ein Dorfklub mit besonderer Finanzkraft
Trotz des sportlichen Höhenflugs der letzten Jahre bleibt die SVE ein Kuriosum im Profi-Fußball. Es ist ein Klub, der selbst für die 2. Bundesliga zu klein scheint – zuletzt jedoch sogar auf die 1. Bundesliga schielte. So machte sich der Dorfklub aus dem Saarland in wenigen Jahren auf den Weg vom Regionalligisten zum Bundesliga-Anwärter.
Als Erfolgsgeheimnis gilt nicht nur die gute Arbeit der Verantwortlichen im Hintergrund, sondern auch die besondere Treue der Partner und Sponsoren, die das Gerüst des Vereins vor allem finanziell tragen. In erster Linie ist diesbezüglich natürlich Hauptsponsor HYLO zu nennen. Doch auch aus der finanzkräftigen Glücksspielbranche erhält der Verein große Unterstützung.
So tritt etwa das Glücksspielunternehmen Novoline mit einem umfassenden Sponsoring-Paket auf Spielfeldbanden und Bannern rund um die SVE in Erscheinung. Mit dem wachsenden sportlichen Erfolg steigt natürlich die Attraktivität für weitere Sponsoring-Kooperationen mit finanzstarken Partnern.
Dementsprechend könnte auch ein Vergleichsportal für Sportwetten, das neue und unbekannte Online Buchmacher bewertet, in Zukunft zum Sponsor der SVE werden und dafür sorgen, dass der rasante sportliche Aufstieg des Klubs weiter anhält.
Trotz Rückschlägen zum Aufstiegsaspiranten
Natürlich sitzen die Erinnerungen an die verlorene Relegation in Heidenheim im gesamten Verein tief. Das Rückspiel der Relegation Ende Mai dieses Jahres sollte eigentlich zum krönenden Abschluss einer überragenden Saison werden, doch ein Gegentor in der Verlängerung sorgte für ein jähes Ende aller Bundesliga-Träume.
Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist die SV Elversberg nicht im Selbstmitleid versunken, sondern unternahm im darauffolgenden Sommer alles, um erneut angreifen zu können. Ein Comeback, das alles andere als einfach war, denn zum Start der neuen Spielzeit war der Klub zum personellen Neustart gezwungen.
Neben Erfolgstrainer Trainer Horst Steffen verließen auch zahlreiche Top-Spieler den Klub. Trainer Steffen ging zu Werder Bremen, die Shootingstars Fisnik Asllani, Muhammed Damar und Elias Baum kehrten zu ihren Stammvereinen zurück, und auch die Leistungsträger Robin Fellhauer, Semih Sahin und Maurice Neubauer verließen den Verein. So wurde der Verein im Sommer einmal komplett auf links gedreht.
Der sportliche Neustart unter Wagner und Book
Die Figur, die diesen personellen Re-Start maßgeblich prägte, heißt Nils-Ole Book. Der Sportdirektor der SVE ist keiner, der ein großes Tamtam braucht, um erfolgreich zu arbeiten. Seit Jahren schafft es Book, vielversprechende Zugänge zu finden, die noch unter dem Radar fliegen. Es wirkt, als hätte der Sportdirektor der Saarländer ein eigenes Talente-Radar, das immer wieder für neue Erfolgsgeschichten sorgt.
Den aktuellen Top-Torjäger Ebnoutalib aus der Regionalliga zu holen, war nicht nur clever, sondern ein Paradebeispiel für die gute Arbeit von Nils-Ole Book. Kein Wunder, dass der Sportdirektor selbst inzwischen heiß auf dem Markt gehandelt wird. Er hat das Kunststück vollbracht, die Saarländer trotz erheblicher personeller Verluste im Sommer neu aufzustellen, ohne an sportlicher Perspektive zu verlieren.
Sein Königstransfer war wohl Trainer Vincent Wagner. Der junge, noch ziemlich unerfahrene Fußballlehrer sollte zum Baumeister dieses neu zusammengestellten Teams werden. Eine Mammutaufgabe, die ihm nicht viele zutrauten. Doch Book setzte großes Vertrauen in Wagner und Wagner zahlte dieses von Beginn an zurück. Dessen Spielidee setzte sofort Spuren: viel Tempo vorne, hoher Druck im Mittelfeld und stets klare Abläufe.
Nach fünfzehn Spieltagen steht man nun mit beachtlichen 30 Punkten auf einem starken zweiten Tabellenplatz und ist damit erster Verfolger von Spitzenreiter Schalke 04. Die SVE stellt zusammen mit Hannover 96 außerdem die beste Offensive der Liga und überzeugt so nicht nur punktetechnisch, sondern auch mit der Art und Weise, wie Fußball gespielt wird.
Ein Blick auf die Konkurrenz im Aufstiegsrennen
So mischt die SV Elversberg erneut im Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga mit. Vor der Saison war dieses eigentlich als Privatfeier großer Traditionsvereine geplant. Noch kämpfen vor allem sieben Vereine um die ersten drei Plätze. An der Tabellenspitze steht Schalke, das bisher insbesondere mit einer unglaublich stabilen Defensive die Konkurrenz auf Abstand halten konnte.
Auf dem zweiten Tabellenplatz folgt dann bereits die SVE. Auf den darauffolgenden Plätzen reihen sich Darmstadt 98, der SC Paderborn und Hannover 96 ein, die bisher ebenfalls eine starke Saison spielen und sich berechtigte Hoffnungen machen dürfen, bis zum Ende um den Aufstieg mitzuspielen.
Ein wenig turbulenter gestaltete sich die laufende Spielzeit für den Tabellensechsten 1. FC Kaiserslautern und den Tabellensiebten Hertha BSC. Beide Vereine haben in dieser Saison bereits kleinere oder größere Krisen durchlebt und mischen trotzdem voll im Aufstiegsrennen mit. Vor allem die Mannschaft aus der Hauptstadt muss allein aufgrund der individuellen Qualität im Kader zu den großen Konkurrenten im Aufstiegskampf zählen.
So wird mehr als deutlich, dass die SVE trotz der bisher mehr als überzeugenden Leistung in der laufenden Spielzeit nicht zu den großen Favoriten auf den Aufstieg gehört. Die Rolle als frecher Underdog, der ohne Druck oben mitmischen kann, könnte sich allerdings am Ende mal wieder als großer Vorteil der SVE herausstellen.
Gelingt es dem Verein, die Form der bisherigen Hinrunde über die Winterpause mit ins neue Jahr zu nehmen, ist mit dem Underdog aus dem Saarland auch in dieser Saison zu rechnen.
Die große Frage: Gelingt die Sensation diesmal?
Bis Weihnachten warten noch zwei intensive Spiele auf die Elf von Neu-Trainer Vincent Wagner. Neben der kriselnden Fortuna aus Düsseldorf trifft man noch auf das überraschend starke Preußen Münster. Ein durchaus kniffliges Restprogramm, doch mit Blick auf die eigenen Aufstiegsträume sind Punkte hier fast schon Pflicht. Die Chance, dann im neuen Jahr den Traum von der Bundesliga erneut anzugreifen, ist auf jeden Fall da.



















