Kommentar: Theater Trier – Ein Millionen-Luxus, den sich diese Stadt gerade nicht leisten kann

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Abbildung: Prof. Jörg Friedrich | Studio PFP GmbH, Hamburg

Der Beitrag ist ein Kommentar. Er reflektiert die Sicht des Autors und nicht notwendigerweise die Haltung der Redaktion.

TRIER. Morgen fällt im Stadtrat eine Entscheidung, die Trier Jahrzehnte lang belasten wird. Machen wir uns ehrlich: Das Theater Trier ist kein „bisschen Kulturförderung“. Es ist jetzt schon – ohne die geplante 90,5-Millionen-Sanierung – einer der größten Zuschussbetriebe dieser Stadt. Jahr für Jahr muss Trier über 12,8 Millionen Euro zuschießen, allein damit der Betrieb überhaupt weiterläuft.

Trier schreibt 2026 ein Haushaltsminus von 56,4 Millionen Euro. Das Theater allein frisst davon ein gutes Fünftel und das bevor ein einziger Bauauftrag unterschrieben ist. Das darf man vor der morgigen Abstimmung im Stadtrat ruhig einmal laut sagen.

Ein Fünftel des Defizits – für eine einzige freiwillige Aufgabe

Die Zahlen des Haushalts 2026 – sofern er in der morgigen Stadtratssitzung (16 Uhr – Verabschiedung des Haushalts 2026) verabschiedet wird – sprechen dabei eine glasklare Sprache:

  • Erträge: 11.221.047 €

  • Aufwendungen: 21.086.543 €

  • Zuschussbedarf: –12.799.901 €

Parallel:

  • Gesamthaushalt – Fehlbetrag: 56.367.386 €

Damit verschlingt das Theater 22–23 % des gesamten städtischen Defizits.

Der entscheidende Punkt, der in der politischen Debatte konsequent ausgeblendet wird:

Das Theater ist keine Pflichtaufgabe.
Kitas sind Pflicht. Jugendhilfe ist Pflicht. Straßenunterhalt ist Pflicht. Schulsozialarbeit ist Pflicht.
Ein Dreispartenhaus ist es nicht.

Während überall sonst gespart wird und selbst Pflichtaufgaben nur notdürftig, beziehungsweise gerade so erfüllt werden können, hält sich die Stadt Trier ein Haus, dessen jährliches Loch größer ist als die Zuschüsse vieler Pflichtbereiche zusammen.

18,15 Millionen Euro Personal – 86 % der Gesamtkosten

Die Struktur ist eindeutig:

  • Personalaufwand + Versorgung: 18.152.006 €

  • Gesamtaufwand: 21.086.543 €

86 Prozent des Finanzbedarfs gehen also in Gehälter, Sozialabgaben und Pensionen.

Das heißt:

Für das, was das Publikum sieht – Inszenierungen, Bühnentechnik, künstlerische Produktion – bleibt kaum Budget übrig.

In einer Stadt, in der beispielsweise jede zusätzliche Verwaltungsstelle mit „haushaltswirtschaftlicher Ausnahmelage“ abgelehnt oder diskutiert wird, ist das eine bemerkenswert einseitige Prioritätensetzung.

Die 90,5-Millionen-Sanierung – ohne Kostendeckel, ohne Gesamtplan

Der vorgeschlagene Baubeschluss am morgigen Dienstag, 9. Dezember, enthält:

  • 90,5 Mio. € Kostenrahmen, aber keinen echten Kostendeckel.

  • eine unklare Landesförderquote

  • offene Folgekosten (Interimsspielstätten, Kredite, Zinsen, Betrieb nach Umbau)

Der Eigenanteil der Stadt bleibt zweistellig — zusätzlich zu den jährlich 12,8 Millionen Euro. Und all das für eine freiwillige Aufgabe, die schon heute zu den teuersten des gesamten Haushalts zählt.

Vergaben im Hinterzimmer

Wörtlich steht in der Ratsvorlage:

„Alle Vergabeentscheidungen werden auf den Fachdezernenten delegiert.“

Das bedeutet:

  • Keine inhaltliche Kontrolle mehr durch den Rat

  • Keine öffentliche Debatte über Millionenaufträge

  • Entscheidungen im Schatten eines nicht transparent benannten „Kulturbauprojektteams“

Gerade bei einem 90-Millionen-Euro-Komplexprojekt kann das brandgefährlich sein.

Andere Kommunen schaffen dafür Projektgesellschaften mit externer Kontrolle.
Trier schafft Kontrolle ab.

Keine Gesamtrechnung – trotzdem soll morgen entschieden werden

Bis heute fehlt:

  • eine Gesamtrechnung inklusive Interimsspielstätten

  • eine Darstellung der Mehrkosten durch Kredite & Zinsen

  • eine Antwort auf die Frage, welchen Anteil künftiger Schulden dieser eine Kulturkomplex verursachen wird

  • eine Gegenüberstellung zu anderen — gesetzlich vorgeschriebenen — Aufgaben

Der Stadtrat soll gefühlt blind abstimmen. Nichts anderes.

Fazit: Kultur ja – aber nicht blind und nicht auf Kosten der Pflichtbereiche

Noch einmal, sachlich und ohne Pathos: Das Theater Trier ist keine Pflichtaufgabe.
Aber seine Finanzierung verdrängt Pflichtaufgaben.

Wenn ein einziges Haus:

  • jedes Jahr 12,8 Mio. € verschlingt,

  • damit über 20 % des Defizits verursacht,

  • zusätzlich eine 90,5-Millionen-Sanierung auslöst,

  • und Vergaberechte vollständig aus den demokratischen Gremien entfernt werden,

dann muss man sagen dürfen:

So kann sich Trier dieses Haus – in dieser Form – nicht leisten.

Der Stadtrat hat morgen die Wahl:

**→ Verantwortlich handeln.

→ Oder einen 100-Millionen-Beschluss fassen, den die Stadt Jahrzehnte spüren wird.**

Alles andere wäre den Bürgerinnen und Bürgern kaum noch zu vermitteln. (sz)

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8 Kommentare

  1. Die Entscheidung wird doch jetzt schon stehen. Die Tagesordnung ist so lang. Da hat nicht jeder Zeit genug für alles genau zu lesen. Außerdem, Theater, dat mutt, egal wat kost.

  2. Dafür gibt es keinen Bürgerentscheid ein Typisches Beispiel dafür das der Volkes Willen ausgehebelt wird wenn die Reiche Akademiker Lobby das möchte. Es geht um eine Menge Geld das in der Maroden Infrastruktur, Kindergärten, Schulen fehlt. Eigentlich ein Skandal.

  3. Früher hieß es: Jeder Bürgermeister baut sich ein Denkmal! Bei Schroer hat es mit einem neuen Moselstadion ja nicht geklappt. Vielleicht geht ja hier was, da auch der zuständige Dezernent kräftig an der Reklameschraube dreht.

  4. Ich bin dafür das Gebäude des Theaters Trier zu einer Flüchtlingsunterkunft umzubauen.
    Herr Leibe spricht von Integration und Miteinander, deshalb sollte man den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft dann gestatten, die Toiletten im Rathaus mitzubenutzen. Dann spart man beim Umbau Geld.

    • Ja, bei dem Preis und der Unwirtschaftlichkeit ist das ein Denkmal der Schande…
      Schade dass den Protzbürgern (R/G/L) nachgegeben wird…
      Man hätte ja auch ansonsten beispielesweise das Geld in Schulen, Sozialwohnungssanierungen, Gesundheitswesen, Ex Haus etc etc, investieren können…. Mit besserer Bildung, Wohnung, und Perspektive wären die Leute ja warscheinlich weniger (Stadt-)Regierungskonform unterwegs weil sie verstehen was da mit ihnen gemacht wird…

      Aber naja wenn die Stadt jedes Jahr weiterhin mit 2 stellige Millionensummen pro Jahr in die „Hungerleider“ aus Luxembourg und den Bonzenvirteln stopfen will sind ja die Wahlkampf-Kreuzchen sicher … leider sieht man ja aus den ärmeren Vierteln oder den Menschen, die solche Einschnitte angehen nur sehr wenige in den Wahllokalen, wärend dich da RGL, Studenten und Bonzen die Klinke in die Hand drücken um die Rot-Grüne Regierung zu unterstützen.

      Die Entscheidungen der Stadtoberen müssen ja weder die Studis ausbaden wenn sie fertigstudiert in Pappas Firma als Chef sitzen, noch weitere Menschen die von der Stadt immer „übersehen“ werden (Reiche Viertel sind ja auch schlecht einsehbar) wenn es um Einschnitte geht.
      „Der Kleine Mann “ kann ja bezahlen… die genannten müssen es ja scheinbar nicht

  5. Projekt einstampfen und den Dicken mit dem Bart in die Wüste schicken!
    Die Idee von dfadgag a hat auch was, würde gern Leibes Gesicht sehen, wenn das Praxis würde! 🙂

  6. „90,5 Millionen ohne Kostendeckel..“, es wird wahrscheinlich noch viel teurer werden, dann jährliche Kosten von knapp 13 Millionen on top, macht einen fassungslos wenn man bedenkt in welchem Zustand die Schulen usw in Trier sind…aber die Bildung der Kinder ist ja auch nicht so wichtig wie der nette Theaterabend einer sehr kleinen Gruppe….

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