TRIER / RHEINLAND-PFALZ. Wo früher Amsel, Drossel, Fink und Star den Frühling lautstark einläuteten, herrscht heute immer öfter bedrückende Stille. Die aktuelle Auswertung der Aktion „Stunde der Gartenvögel 2025“ durch den NABU zeigt: In den Gärten und Parks Deutschlands – und auch in Rheinland-Pfalz – geht die Zahl gesichteter Vögel dramatisch zurück. Ein Trend, der Naturschützer alarmiert und aufhorchen lässt.
Weniger Vögel, weniger Vielfalt
Gerade einmal 28,45 Vögel pro Garten wurden dieses Jahr im Bundesdurchschnitt gezählt – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2024 (knapp 30). In Rheinland-Pfalz sank der Schnitt sogar von 31,17 auf ebenfalls 28,45. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag der Wert noch bei stolzen 35,64. Die Zahlen belegen: Die Artenvielfalt in unseren Gärten schrumpft spürbar.
Amsel besonders betroffen – Usutu-Virus im Visier
Im Mittelpunkt der diesjährigen Zählung stand die Amsel – und die Ergebnisse bestätigen den Verdacht der Experten: Das tropische Usutu-Virus, das vor allem im Sommer 2024 in Norddeutschland vermehrt auftrat, hat den Bestand deutlich dezimiert. In Schleswig-Holstein wurden 31 Prozent, in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern jeweils 27 Prozent weniger Amseln gesichtet. Rheinland-Pfalz verzeichnet mit sieben Prozent Rückgang eine noch relativ moderate, aber dennoch besorgniserregende Zahl.
„Eine Infektion mit dem Virus verläuft bei Amseln häufig tödlich“, erklärt der NABU. Besonders bitter: Das Virus beeinflusst nicht nur die Gesundheit der Tiere, sondern offenbar auch ihren Bruterfolg – was die aktuellen Sichtungszahlen erklären könnte.
Warum verschwinden die Vögel?
Die Ursachen für den dramatischen Rückgang sind vielschichtig: Klimawandel, Hitze, Trockenheit, Pestizideinsatz und fehlende Nahrungsquellen setzen den gefiederten Freunden zu. Wo früher Wildblumen, Hecken und Insekten ein Zuhause boten, finden viele Vögel heute nur noch Steine, Schotter und leere Beete. Der Lebensraum schrumpft – und mit ihm die Vogelpopulation.
Über 1 Million Vögel gezählt – dank engagierter Bürger
Trotz der besorgniserregenden Zahlen gibt es auch Lichtblicke: Über 57.000 Menschen haben sich an der Zählung beteiligt, rund 1,1 Millionen Vögel in mehr als 39.000 Gärten und Parks gezählt. In Rheinland-Pfalz waren es mehr als 3.000 Teilnehmende, die 57.044 Vögel in über 2.000 Gärten meldeten. Die Aktion, die bereits zum 21. Mal stattfand, liefert Jahr für Jahr wichtige Daten zum Zustand unserer Vogelwelt.
Was jeder tun kann
Der NABU ruft zum Handeln auf: Jeder kann im eigenen Garten einen Beitrag leisten. Insektenfreundliche Pflanzen, das Vermeiden von Pestiziden, das Anlegen von Nistmöglichkeiten oder auch eine Tränke im Sommer helfen, unsere heimischen Vögel zu schützen. Denn: Jeder Vogel zählt.















