TRIER. Nicht immer sind Extrabewegungen und plötzliche Laute wie Schimpfwörter oder Armzucken Tics, die auf die neuropsychiatrische Krankheit Tourette-Syndrom zurückgehen.
Es könnte sich auch um «funktionelle Tic-ähnliche Störungen» handeln, deren Zahl nach der Corona-Pandemie nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit «drastisch zugenommen» habe, teilte ein Forscherteam der Uniklinik Dresden, Universität Lübeck/UKSH sowie der Universität Trier am Montag in Trier mit. Inzwischen gebe es neue Erkenntnisse, wie man bei der Diagnose die beiden Störungen unterscheiden könne.
«Tourette beginnt im Kindesalter, die Tics sind zu einem gegebenen Zeitpunkt gleich, sind kurz und abrupt und treten verstärkt auf, wenn Betroffene allein sind», hieß es in der Mitteilung des Forscherteams. Funktionelle Tic-ähnliche Störungen dagegen würden meist erst ab der Pubertät und üblicherweise in der Öffentlichkeit auftreten. Sie seien zudem variabler und komplexer.
Beispiele für funktionelle Tic-ähnliche Störungen seien «auf den Tisch hauen», «anderen ins Essen greifen» oder «sich selbst auf den Oberkörper schlagen». Die Symptome des Tourette-Syndroms seien individuell sehr unterschiedlich. Hauptmerkmale seien einfache motorische Tics wie Augenblinzeln, Zwinkern, Kopfbewegungen, Schulterbewegungen und vokale Tics wie Räuspern, Fiepen oder einzelne Laute, hieß es.
Tic-ähnliche Störungen seien gut durch Physiotherapie und manche Formen von Verhaltenstherapie behandelbar. Die gemeinsame Forschungsgruppe der Technischen Universität Dresden, Universität zu Lübeck/UKSH sowie der Universität Trier wurde 2019 gegründet.

















