Saarbrücken / Berlin – Die Pflege im Heim wird für viele Menschen im Saarland immer unbezahlbarer. Zum 1. Januar 2026 mussten Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner im ersten Jahr durchschnittlich 3.601 Euro pro Monat aus eigener Tasche zahlen. Damit liegt das Saarland bundesweit auf Platz zwei der teuersten Bundesländer – nur Bremen ist noch kostspieliger.
Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Innerhalb eines halben Jahres stieg der Eigenanteil im Saarland um 198 Euro, im Vergleich zu Jahresbeginn 2025 sogar um 221 Euro pro Monat.
Warum Pflege im Saarland so teuer ist
Die Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. Der Eigenanteil setzt sich aus mehreren Posten zusammen, die Pflegebedürftige selbst tragen müssen:
-
Kosten für Pflege und Betreuung
-
Unterkunft und Verpflegung
-
Investitionskosten der Einrichtungen
-
Umlagen für die Ausbildung von Pflegekräften
Diese Kombination treibt die monatliche Belastung kontinuierlich nach oben – besonders stark im Saarland.
Verbände schlagen Alarm
Angesichts der steigenden Kosten fordern Sozial- und Patientenverbände ein entschiedenes Gegensteuern. Der Sozialverband VdK verlangt einen grundlegenden Neuanfang in der Pflegepolitik.
Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt eindringlich vor den Folgen. Vorstand Eugen Brysch erklärt: „Die unkontrolliert davon galoppierenden Eigenanteile schnüren den rund 12.000 Pflegeheimbewohnern im Saarland die Luft ab.“
Brysch fordert, dass das Land endlich Verantwortung übernimmt: Ausbildungs- und Investitionskosten müssten vollständig öffentlich finanziert werden. Für Unterkunft, Verpflegung und besonderen Komfort könne weiterhin ein Eigenanteil verlangt werden.
Große Unterschiede im Bundesvergleich
Bundesweit lag der durchschnittliche Eigenanteil im ersten Jahr im Pflegeheim zum Jahresbeginn bei 3.245 Euromonatlich. Der Vergleich zeigt enorme regionale Unterschiede:
-
Bremen: 3.637 Euro (teuerstes Bundesland)
-
Saarland: 3.601 Euro (Platz 2)
-
Sachsen-Anhalt: 2.720 Euro (günstigstes Bundesland)
Entlastung erst nach Jahren – aber teuer bleibt es
Die tatsächliche Belastung hängt auch von der Dauer des Heimaufenthalts ab. Pflegekassen gewähren gestaffelte Zuschläge auf den Pflegeanteil:
- Jahr: 15 %
- Jahr: 30 %
- Jahr: 50 %
-
ab dem 4. Jahr: 75 %
Doch selbst mit dem höchsten Zuschlag bleibt Pflege im Saarland teuer: Ab dem vierten Jahr zahlten Heimbewohner zuletzt durchschnittlich 2.324 Euro pro Monat. Das sind 268 Euro mehr als im Bundesdurchschnitt – und 109 Euro mehr als noch vor einem Jahr im Saarland.
Fazit: Pflege wird zur Kostenfalle
Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Pflege im Heim entwickelt sich immer mehr zum finanziellen Risiko. Ohne grundlegende Reformen droht vielen Pflegebedürftigen und ihren Familien eine massive Überforderung – besonders in Bundesländern wie dem Saarland.
















